EPE: Fluch oder Segen?

Hallo meine lieben Leser!
Ich melde mich zurück! Heute startet der Blogmarathon mit zwei weiteren Twitter*innen und ich wurde herzlich eingeladen, an diesem Dreier teilzunehmen 😀
Die liebe Sarah traf die Themenauswahl und Needful, aus dem letzten Beitrag, ist auch wieder mit am Start. Wer neugierig ist: wir bloggen in regelmäßigem Abstand zum gleichen Thema, wissen aber vorher nicht, was die Anderen geschrieben haben. Es wird also eine bunte Überraschung und ich bin gespannt, was die jeweiligen Kolleg*innen für geistige Ergüsse fabrizieren werden.

Ihre Blogs findet ihr hier:
Needie: https://t.co/IEW51XxeOW?amp=1
Sarah Blume: https://t.co/dNsQjDnAMF?amp=1

Damit sind wir beim heutigen Thema: EPE – Erotic Power Exchange
Viel Spaß beim Lesen!


Erotic Power Exchange?

Zuerst einmal: Ich kannte den Begriff, bevor ich ihn auf dem Blog von Sarah und ihrem Ex las, gar nicht. Klar, TPE war mir geläufig (hier ein kleiner Spoiler: Im nächsten Blogpost wird dazu sogar etwas aus dem Nähkästchen geplaudert), aber EPE wirkte für mich erst wie der Versuch, eine entschärfte Version dessen zu finden und trotzdem diese -in meinen Augen- mächtig konnotierten Wörter „power exchange“ zu gebrauchen. Nein, ich spreche niemandem diese Form des BDSM ab – lebe ich sie ja irgendwie selbst, aber ich bin mit der Begrifflichkeit eben nicht so glücklich.
Denn auch, wenn man es mir nicht anmerkt: Ich habe für die meisten Begriffe meine eigene Definition, toleriere aber eben auch fremde Definitionen, solange meine eben auch toleriert wird.
Egal, ich schweife ab.

EPE ist also die komplette Kontrolle über den erotischen Bereich des BDSM und des Lebens. So gesehen umfasst meine D/s-Bezeichnung also auch EPE, denn meine Dom hat die Kontrolle über meine Orgasmen und hat auch das Recht, über zukünftige Sexualpartner oder mein Sexualverhalten entscheiden zu können. Ich bin natürlich gern für Korrekturen offen, aber in meinem Verständnis ist damit die komplette Erotik abgedeckt, oder?

Und in meinem Verständnis sind somit auch die meisten, mir bekannten D/s-Beziehungen EPE, gerade da viele auch ein monogames Verhältnis bevorzugen und bei Orgasmen um Erlaubnis gefragt werden muss. Somit lässt sich EPE in eine solche Beziehung sehr einfach integrieren.

Spannend wird es aber auch in zum Beispiel meinem Fall: Polybeziehung und EPE. Was passiert also, wenn zum Beispiel ein Orgasmusverbot mit dem zweiten Beziehungs- oder Sexualpartner einhergeht? Und noch spannender wird es, wenn ich euch jetzt erzähle, dass dies bereits passiert ist und ich meine Erfahrungen mit euch teilen kann.

EPE: Fluch oder Segen.

Polyam und EPE

Nun, bei mir ist das einfach: Die Regeln meiner D/s-Beziehung gelten über die Wünsche eventueller weiterer Partner hinweg. Das war zu Beginn meiner D/s-Partnerschaft MEIN Wunsch und ich werde ein Teufel tun, dass dies rückgängig gemacht wird. Immerhin genieße ich diese Macht über mich und gewinne einen erheblichen Teil meiner Befriedigung daraus.

Zusätzlich mag ich anmerken, dass meine Dom natürlich auch mein Wohl im Blick hat und nicht aus purer Willkür monatelang den sexuellen Kontakt mit einem weiteren Partner verbieten würde, wenn ich gerade glücklich und Hals über Kopf verliebt wäre.
Plus: Innerhalb unserer Partnerschaft gibt es -und das unabhängig vom D/s – so etwas wie ein Vetorecht, dass wir uns beiden gegenseitig eingestehen. Bestimmte Personen oder Praktiken dürfen also, einzeln oder dauerhaft, begründet dem anderen verwehrt bleiben, wenn eben ein Problem oder ein ungutes Gefühl vorherrscht. Man nimmt dann einfach Rücksicht auf die Gefühle des Anderen, kann sich aber im Gegenzug auch sicher sein, dass dieses Vetorecht eben nicht missbraucht wird.

Überträgt man dies nun aber auf die D/s-Beziehung, so macht es mir eben gleich doppelt wenig aus, wenn es irgendwann einmal dazu kommen sollte, dass ich beispielsweise keinen Sexualkontakt mit einer Person haben darf. Immerhin habe ich diesen Gegebenheiten auch doppelt zugestimmt.

Unangenehmer wird es dann, wenn ich bereits einen weiteren Partner habe, mit dem ich schon Jahre zusammen bin und sich urplötzlich etwas an unserem Sex ändert, weil die D/s-Beziehung das eben so möchte.
Ich hatte beispielsweise vor ein paar Jahren ein mehrmonatiges Orgasmusverbot mit unbekanntem Ende. Insgesamt streckte sich diese Zeit über 6 Monate. Während mich dieses nur an einzelnen Tagen frustrierte, durfte ich ja noch weiterhin Sex oder BDSM-Sessions haben, war dies für meinen damaligen weiteren Partner anscheinend eine große Umstellung.

Ich kann hier nur meine Einschätzung wiedergeben und möchte nicht für ihn sprechen. Was ich aber für mich sagen kann ist, dass die Qualität meines Sexlebens mit ihm massiv abgenommen hat.
Statt kreativer, intensiver Akte wurde ein kurzes Rüberrutschen daraus, indem es eben ausschließlich um seine Befriedigung ging, war meine durch das Orgasmusverbot anscheinend in den Hintergrund gerückt. Das ist insofern schade, dass mir mein eigener Orgasmus nie wirklich wichtig war und ich vieles auch hätte so genießen können, aber man weiß eben nie, was das mit dem eigenen und anderen Mindset macht.
Ich weiß aber auch, dass es dieses eine Erlebnis gab, indem er sich von diesem Verbot geradezu gechallenged gefühlt hat und unbedingt einen Orgasmus meinerseits provozieren wollte.
(was nicht funktioniert hat, weil ich dieses Verhalten als respektlos gegenüber den Regeln meiner D/s-Beziehung empfand und man dann eben so gut im Bett sein kann, wie man will…)

Mir war das damals gar nicht wirklich bewusst. Ich wusste nur, dass ich eben weniger Interesse an Sex mit ihm bekam und entsprechend auch weniger Sex hatte.

So gesehen war das EPE in diesem Fall wohl Fluch. Ein Fluch, der mir aufzeigte, dass dies eben auch viel Kommunikation mit eventuellen Partnern benötigt, die einfach nicht gegeben war.

Die liebe Graysexualität

Wie die meisten meiner Leser wissen: Ich bin graysexuell. Ich habe keine wirklich normale Sexualität. Ich verspüre nur selten so etwas wie sexuelle Anziehung und -wenn überhaupt- dann auch nur bei Beziehungspartnern. (aber da eben auch nicht immer, sonst würde ich mich eher mit „demisexuell“ labeln, aber genug der ganzen Mikrolabels jetzt)

Ich habe zur Zeit etwas Glück und werde 2020 vergleichsweise häufig mit dem Gefühl von sexueller Anziehung und Libido beschenkt. Drückt mir mal die Daumen, dass das so bliebt, denn ein gewisses Gefühl von Normalität in dem Bereich ist tatsächlich irgendwie einfach und befreiend.
Wie auch immer…

Früher dachte ich, dass EPE keinen großen Einfluss auf mich haben wird. Dank meiner Sexualität habe ich wenig Interesse an meinen eigenen Orgasmen. Orgasmuskontrolle war also ganz nett, aber man kann nur bedingt etwas nachtrauern, was man nicht vermisst. Und sonst?
War es für mich irgendwie einfach. Es nahm mir die Entscheidung ab, mich mit meiner Nicht-Lust zu beschäftigen. Statt jeden Tag frustriert zu sein, warum mein sexuelles Interesse nur wenig bis gar nicht vorhanden ist, war dies durch das EPE irgendwie egal. Immerhin lag es eh nicht in meiner Macht zu entscheiden, wann es sexuelle Handlungen oder Orgasmen gab. Es war nicht weiter von Bedeutung, wenn ich keine Anziehung verspürte, aber gerade benutzt werden sollte, denn der Fokus lag dabei nicht mehr auf meiner verkorksten Sexualität. Es war wunderbar. Ein Segen.

Wahrscheinlich können das nur die wenigsten nachvollziehen, aber es nahm mir irgendwie den Druck und ich denke, dass das auch dazu beiträgt, dass ich heutzutage öfter Mal mit einer Libido gesegnet bin. Was gut ist, denn plötzlich kann ich sogar mal um meinen Orgasmus bitten oder gar betteln, was sonst eben undenkbar gewesen wäre. Und ja, ich genieße das.

Jedenfalls: Wie auch meine Dom Sexualpartner verbieten kann, so kann sie natürlich auch sexuelle Handlungen mit einer Person anordnen. Da ich Personen gegenüber, die nicht meine Dom sind, quasi gar keine sexuelle Anziehung verspüre, egal wie optisch schön oder perfekt vorliebentechnisch harmonierend diese Person für mich wäre, ist das EPE hier ein gutes Hilfswerkzeug, um eben doch eine sexuelle Beziehung zueinander herzustellen. Denn Spaß am Passierten habe ich auch ohne das Gefühl der Anziehung.

Fakt ist also: EPE ist für mich -wie so viele ambivalente Dinge- Fluch und Segen zugleich, nur empfinde ich den Fluch-Teil als weniger gewichtend (zumindest für mich! :D)
Ich mag das nicht missen. Ich liebe fremdbestimmte Sexualität.

Hach.

I would never want to be a dominant

Hallo meine lieben Leser! Ich melde mich zurück mit einem Beitrag, den ich gemeinsam mit der Needie schreibe. Diesen Monat werden noch einige Einträge folgen, die ich gemeinsam mit weiteren Bloggern auf die Bühne stelle. Ihr habt also viel zu lesen! (Und ich viel zu schreiben. Zu was habe ich da nur „Ja“ gesagt?) – Naja, auch ich bin offen für diverse Herausforderungen.

Den Beitrag der lieben Needful findet ihr hier: https://neediesblog.wordpress.com/2020/07/01/warum-ich-nicht-dom-sein-kann/

Das Thema? Warum ich kein Dom sein kann/will/möchte.
Viel Spaß beim Lesen!



Schwierigkeiten…

Zuerst einmal: besagtes Thema war ein Wunsch meiner Dom und ich freue mich riesig, dass auch weitere Blogger dies aufgreifen. Ich selbst tu mich aber mit all dem irgendwie schwer und ich weiß selbst noch nicht genau, wo mich dieser Blogbeitrag hinführen wird. Ja, ich bin nicht dominant. Das zu erklären ist natürlich einfach: Ich habe keine entsprechenden Veranlagungen und es gibt mir nichts bis vergleichsweise wenig. Deswegen möchte ich nicht dominant sein.
Damit könnte der Beitrag nun enden, aber das wäre zu einfach, richtig?
Aber wie erklärt man ein Gedankenspiel, zu den man eben wenig Zugang hat?
Mich erinnert das ein wenig an eine Diskussion, in der ich zum Beispiel erklären müsste, warum mich die Farbe Gelb abstößt. Sie gefällt mir eben nicht. Sie harmoniert nicht mit mir und ich finde sie unschön. Mehr kann ich aber auch nicht dazu sagen.
Wie also eine Neigung erklären, die ich nicht habe?

Ganz einfach: mit genau den Verhaltensweisen, die ich mir als Sub wünsche, aber ich nie erwarten würde, weil ich weiß, was MICH eben aufhalten würde.

Verwirrung?

Einige meiner treusten Follower auf Twitter verwirrt dieses Thema sicher, schreibe ich doch regelmäßig von der Dynamik mit unserem Toyboy. Wie ich aber bereits schrieb: Ich würde mich nicht als dominant ihm gegenüber beschreiben. Ich habe ein Sammelsurium an kreativen Aufgaben im Kopf, ich werde gern mit Tee und Essen betüddelt und ich bin ein bisschen schadenfroh. Im Prinzip nutze ich eher meine Brat-Seite, als wirklich dominant zu sein. Für jedes Leiden meinerseits, lass ich mir etwas einfallen, dass ihn doppelt leiden lässt. Aber wir bleiben letztendlich Leidensgenossen und ich habe ihn betreffend auch nicht das letzte Wort. Möchte ich auch gar nicht, immerhin bin ich nicht dominant – wo wir nun wieder beim eigentlichen Thema wären…

Das Konzept von D/s…

Ja, ich weiß, dass ich als dominante Person natürlich meine D/s-Beziehung so gestalten könnte, wie ich das möchte, allerdings kann ich berits mit den meisten Beziehungskonzepten dieser Art nicht viel anfangen. Während ich mir als Sub gern ein ganzes Regelwerk wünsche, kann ich auf dominanter Seite nicht nachvollziehen, wo der Reiz bei eben jenen liegt. Ja, natürlich. Manche Regeln dienen der Selbstverbesserung der Sub, aber dieses Wissen reicht mir einfach nicht aus, um diesen Extra-Engagement nachzugehen, jeden Tag deren Einhaltung zu kontrollieren. Das ist in meinem Verständnis als Sub ein extremer Aufwand für sehr wenig Mehrwert. Und wenn es dann noch ein ganzes Regelwerk sein soll, dann ist dies eben auch eine mentale Belastung, der ich dauerhaft nicht standhalten könnte. Ich verstehe einfach nicht, wie der Reiz der Kontrolle den Aufwand aufwiegen kann.

Und dann liegt es eben auch noch in meinem Ermessen zu entscheiden, welche Aufgaben und Regeln meinem Verständnis von „Aufgabe erfüllt“ entsprechen. Wo wir beim nächsten Problem wären:

Unangebrachter Perfektionismus?

Ich denke dabei an den Tweet einer Userin, die die Aufgabe hatte, Punkt 18:00 Uhr im Bad zu sein. Sie betrat das Bad zwei Minuten später und ärgerte sich natürlich über das nicht-erfüllen ihrer Aufgabe, während ihr Dom zufrieden mit ihr wäre.
Meine Dom kommentierte diesen Tweet, dass auch für sie die Aufgabe wäre und diese kleine Verspätung in ihrem zeitlichen Rahmen liegen würde.

Haha.

Bei mir definitiv nicht. Ich wäre wahrscheinlich der Typ Dom, der schon zwei Minuten vorher skeptisch die Augenbraue hebt, wieso nicht der Gang ins Bad angetreten wird.
Ich hasse Verspätungen und ich hasse es, wenn der Rahmen von Aufgaben gedehnt wird.
Oh – und ich würde es sofort persönlich nehmen, wenn diese Aufgabe eben nicht so erfüllt wird, wie ich mir das vorstelle. Ja, gut, dass ich kein Dom bin. Ich hätte wohl viel Verständnis für an mich herangetragene Gründe, aber sobald ich diese wohl nicht nachvollziehen könnte, würde es mich kränken.
Letztendlich die Herleitung zu oben: Ich habe in meinem Verständnis von Aufgaben wenig Mehrwert. Und wenn ich nun schon die Mühe auf mich nehme, mir kreative Aufgaben auszudenken, um Sub zu beschäftigen, so hinterlässt dies dann ein Gefühl in mir, dass diese Mühe nicht gewürdigt wird. Dann lass ich es das nächste Mal eben, denn letztendlich kann ich kein positives Feedback geben und Sub müsste meinen Unmut aushalten. Und eigentlich möchte ja niemand seine Sub unglücklich sehen, oder?
Meine Ansprüche an das Erfüllen einer Aufgabe – und ich meine damit keine FUNishments, sondern eben ernsthafte Ansprüche – wären so dermaßen schädigend für die gesamte Dynamik, dass letztendlich beide darunter leiden würden.

Als Sub habe ich das Ganze eben in meinen Händen. Ich kann mit meinen eigenen Ansprüchen umgehen. Das mache ich immerhin schon mein eigenes Leben. Aber ich vermeide es eben, meine Ansprüche auf andere zu projizieren.

Strafe? Häh?

Nun, erfüllt Sub ihre*seine Regeln nicht, folgt in den meisten D/s-Beziehungen eben eine Strafe. Während ich als devoter Part die Strafe sehr genieße und schätze, weil sie eben Zeichen von Konsequenz ist und mich an Unaufmerksamkeiten erinnert (aber die ich natürlich trotzdem um jeden Preis vermeiden will), verfolge ich auf dominanter Seite ein ganz anderes Mindset.
Ich verstehe nicht, warum es zu strafen gilt. Entweder, es liegt in Subs Interesse, die Aufgabe eben so auszuführen, wie ich es aufgetragen habe oder es gibt Gründe, warum Sub das eben nicht so machen kann. Und wenn Sub für sich entschieden hat, dass dies in Konflikt steht, dann ist das eben so?
Letztendlich gehe ich von einem Konzept von „Be your best self“ aus. Und wenn ich Sub auftrage, täglich genug zu trinken und dies nicht funktioniert, dann wird dies auch nicht fruchten, wenn ich das eben bestrafe. Wenn das nicht funktioniert, dann entfällt die Regel eben. Ich bin ja letztendlich nicht Aufsichtsperson oder Therapeut, sondern eben Dom. Ich würde eben nur unterstützen wollen.
Mehr Verantwortung für eine Person will ich einfach nicht tragen…

Verantwortung

Letztendlich wohl der offensichtlichste Punkt. Und auch am einfachsten zu erklären:
Ich vertraue vielen Menschen nicht gut genug, damit ich ihnen glaube, dass sie sich selbst einschätzen können. Und das ist nun mal wichtig, denn ich muss mich auf Subs Wort verlassen, wenn es darum geht, eine Session zu planen. Und dabei möchte ich nicht die Verantwortung übernehmen, wenn Sub beispielsweise Probleme hat, das Safeword zu sagen, weil sie zu stolz ist, es aber nötig wäre. Oder Sub sich im Höhenflug selbst überschätzt und dann abstürzt, weil Praktik x vielleicht doch noch etwas zu früh war, obwohl sie gerade von Sub-Seite gewünscht war.
Ich bewundere jeden Dom, der immer alles im Blick hat. Von dem Empathie erwartet wird, Feingefühl, Fingerspitzengefühl, ein Gefühl für Subs Lust, etc.
Und ich halte nichts davon, dass Sub die Verantwortung für sich selbst mit der Session abgibt und am Ende Dom allein die Schuld trägt, wenn etwas in der Session schief geht. (Ich rede hier trotzdem von einer Session, in der das technische know-how stimmt und alles consensual ist – das versteht sich hoffentlich)
Das sind eben enorm viele Erwartungen, die da an einen Dom gestellt werden – die möchte ich nicht tragen. Nicht in diesem Maß. Simple as that.

Und noch eine Kleinigkeit: Habt ihr einem Menschen mal wirklich weh getan? Ich meine kein necken, kein ärgern. Nein, einem Menschen, den ihr vielleicht sogar liebt? Der vor Schmerz weinen möchte, weil er sich das wünscht? Ich habe da zu viele Hemmungen. Ich bin kein Sadist, der diesen Masochismus befriedigen könnte. Wahrscheinlich müsste ich mich als Top nach so einer Session mehr zusammensetzen, als der Masochist selbst Aftercare braucht.
Ernsthaft, wie macht ihr Sadisten das?

Seltenheit vs Gewohnheit im D/s [kurz und schmerzlos]

Hallo meine lieben Leser! Ich werde in der kommenden Zeit meinen Blog etwas aufräumen und umgestalten und dazu passend eine neue Kategorie anlegen. Sie trägt den Titel „kurz und schmerzlos“. Diese Beiträge werden nicht die gewohnte Länge meiner üblichen Posts haben, sind aber für einen Twitter-Thread auch zu lang. Ich würde sagen, sie sind etwas für den schnellen Lesehunger zwischendurch 😉

Heute starte ich gleich mit einem Beitrag dieser Kategorie. Es geht um die Häufigkeit des Wiedersehens innerhalb einer Beziehung, speziell natürlich (m)einer D/s-Beziehung.

Viel Spaß beim Lesen!


Die liebe Entfernung…

Ich lese inzwischen gehäuft auf Twitter, dass die Begegnungen zwischen Dom und Sub sich für die Beteiligten stets besonders anfühlen wird und die Vorfreude nicht so groß wäre, wenn diese beiden Personen zusammenleben würden. Die Treffen sind rar und deshalb immer ein aufregendes Erlebnis und beispielsweise ein gemeinsamer Haushalt würde diese Besonderheit mindern.

Vorab: Dies für sich zu entscheiden, ist natürlich für die entsprechenden Personen vollkommen legitim. Es liegt mir auch fern, ihnen dies abzusprechen. Als Sub, die aber sowohl Fernbeziehung, als auch das Zusammenleben mit der Dom in einem Haushalt kennt, möchte ich gern einfach meine Sicht auf das Ganze anfügen. Das kann natürlich selbstverständlich wieder jeder anders sehen und das ist in Ordnung so.

Ja, auch ich empfand Zeiten meiner Fernbeziehung immer eine riesige Vorfreude auf kommende Treffen. Diese Vorfreude ist -verglichen mit der Zeit, mit der ich nun mit meiner Dom zusammenlebe – weniger intensiv und irgendwie anders. Das soll nicht heißen, dass ich mich jetzt nicht auch auf ein freue, sollte ich einige Tage von meiner Partnerin getrennt sein. Im Gegenteil – ich liebe diese Art des Vermissens und das Wissen, dass ich in zählbaren Tagen wieder mit ihr vereint bin – nein, die Fernbeziehungs-Vorfreude ist so intensiv wie eine Achterbahnfahrt.
Ich hatte das Gefühl, ich fiebere nur noch diesem einen Moment nach. Ich warte irgendwie nur noch auf Tag X des Wiedersehens in meiner Vorfreude, sodass diese den gesamten Raum für Freude auf andere Ereignisse einnimmt. Das klingt vielleicht nicht gesund, aber wenn man sich gar Monate nicht gesehen hat, dann ist dies eben das einzige Event, auf das ich hingefiebert habe – zumindest emotional gesehen. Und die Treffen waren stets Höhenflüge. Und der Abschied war irgendwie immer unerträglich schmerzhaft. Gut, ich war zu diesen Zeiten auch noch einige Jahre jünger, aber ich weiß, dass keine Vorfreude der Welt dieses Gefühl der Unwissenheit aufwiegen kann, wann es zu einem nächsten Treffen kommt. Denn das war für mich die Schattenseite der Fernbeziehung. Wenn kein Datum im Raum stand, wann es zu einem Wiedersehen kommen könnte. Und das ist ein Gefühl von einem Schwebezustand, der mich innerlich wirklich zerfrisst. Ich hasse dieses Gefühl und ich hoffe einfach, dass ich es nicht sehr oft fühlen muss. Denn genau dieser Zustand ist es, der -wenn – bei mir diesen Sub-Drop ausgelöst hat. Ich, die nach der Abreise allein mit meinen unglaublichen Glücksgefühlen war, zwar virtuell emotionalen Support bekam, aber letztendlich doch allein war.

Nun teile ich mir den Haushalt mit meiner Partnerin und das alles fällt weg. In irgendeiner Weise ist das ein emotional sehr bequemer Zustand, weil ich mich mit den oben beschriebenen Gefühlswelten nicht mehr beschäftigen muss. Ich muss nicht mehr Wochen oder gar Monate auf ein Treffen warten und meinem ungestillten Verlangen Raum geben. Ich werde auch nicht mehr enttäuscht meine stundenlange Heimreise antreten, wenn ich nach Wochen der Abstinenz mein Gegenüber wiedersehe, es aber aus irgendwelchen Umständen zum Beispiel zu keiner Session kommt und ich quasi noch einmal auf ein weiteres Treffen warten muss. (was ich nie jemandem zum Vorwurf mache oder gemacht habe, versteht sich)
Aber ich hatte in Zeiten der Fernbeziehung natürlich auch eine andere Erwartungshaltung auf Wiedersehen, verglichen mit dem Zusammenleben. Habe ich beispielsweise Migräne, lässt sich leicht sagen, dass das Geplante einfach um einige Tage verschoben wird. Diesen Luxus habe ich an einem begrenzten Wochenende nicht. Da wäre ich irgendwie erlebnishungriger.
Und ich genieße einfach das Wissen, dass das gemeinsame Einschlafen nebeneinander ein ständiger Begleiter meines Lebens ist und kein Luxus, den ich wenige Male im Jahr genießen kann. Und vielleicht liebe ich das auch ein bisschen zu sehr, um je wieder auf unbestimmte Zeit(!) eine Fernbeziehung meiner Dom zu führen.
Ich weiß auch, dass ich quasi das Privileg habe, dass ein Zusammenleben überhaupt möglich ist und das viele Personen, die in dieser Situationen sind aus Gründen eben nicht häufiger sehen können.
Deswegen noch einmal: Ich verurteile solche Aussagen nicht und ich respektiere sie.

Abschließend lässt sich vielleicht etwas zynisch sagen, dass (mein früheres?) Ich vielleicht auch nicht für eine intensive D/s-Beziehung auf Distanz gemacht ist und ich auch emotional ein bisschen bequem bin. Aber so, wie nicht jeder für eine polygame Beziehung gemacht ist, hält eben nicht jeder den Turbulenzen der Entfernung stand.

Erzählt mir gern via Twitter-Kommentar oder hier, wie das bei euch ist!

Die nervige Brat – die Antwort einer Brat

Hallo meine lieben Leser! Lang, lang ist’s her, seit ich meinen letzten Post verfasst habe. Irgendwie stecke ich 2020 in einem KreaTIEF und weiß nicht wirklich etwas mit meinem Geschreibsel anzufangen. Heute juckt es mich aber ein bisschen in den Fingern. Vielleicht bin ich also zurück! Wer weiß? Wer es nicht mitbekommen hat: ihr findet meine Fearplay-Story „Rusted Blood“ in der vorletzten Ausgabe der SCHLAGZEILEN. 🙂 Nun aber viel Spaß beim Lesen des heutigen Artikels!



Die nervige Brat?

Ich stieß in meiner Twitter-Timeline auf einen weiteren Blog einer Sub, die einen Post veröffentlichte, in dem sie quasi mit Brats abrechnete.
Hier ist besagter Beitrag:

http://sub-space.de/2020/05/23/warum-mich-die-brat-nervt/

Zuerst einmal: Ich liebe provozierende Beiträge und noch mehr liebe ich Beiträge, die zu einem Thema sticheln, welches mich betrifft oder ich sehr gern habe. Das bereichert mich ungemein und so konnte ich nicht anders, als die Autorin via Kommentar zu fragen, ob ich zu ihrem Post Stellung nehmen darf – eben als Brat.

Vorab: Ich respektiere ihre Meinung und ich spreche nachfolgend nicht für alle Brats. Das liegt mir fern, weil ich weiß, wie unterschiedlich wir sein können. Viel eher habe ich das Ziel, meine Art der „Brattyness“ in einen Zusammenhang mit D/s zu bringen, der der Autorin nicht völlig fern liegt. Ich weiß nicht, ob mir das gelingt. Ich möchte sie auch nicht von ihrer Meinung abbringen – nur vielleicht um eine Sichtweise bereichern, also teilt mir zum Ende hin gern mit, was ihr denkt. Und ich wette, auch sie freut sich über Feedback!

Ich habe ein bisschen hin- und herüberlegt, ob und wie ich diesen Beitrag gestalte, das ich mich mit dem Bild der Brat, welches die Autorin von jenen hat, nicht wirklich identifizieren kann. Da ich nicht weiß, ob man meine Twitter-Präsenz verfolgt oder sie meinen Blog liest, fasse ich einmal kurz zusammen:

Ich bin keine Anfängerin im BDSM-Bereich und BDSM ist auch Teil meines Lebens und Alltags und nicht nur des Schlafzimmers. (Anm: nichts davon ist schlimm oder weniger BDSM, etc, es ist dann eben anders als mein BDSM – ich erwähne es nur, weil der Ursprungspost dort ansetzt)
Ich lebe D/s 24/7 und auch, wenn ich erst 24 bin, konnte ich schon mehr Erfahrungen sammeln, als manch andere Personen.
Ich bin auch keine Brat, dessen Submission sich meine Dom immer wieder verdienen muss. Und ich bin keine Brat, die ihr Halsband achtlos in die Ecke wirft, wenn Dom nicht anwesend ist. Ich liebe jedes meiner Zugehörigkeitssymbole über alles und nichts liegt mir ferner.
Zudem würde dies meine Dom ernsthaft kränken. Und wenn ich als Brat eines NICHT möchte, dann meine Dom bloßzustellen, zu kränken, ernsthaft zu demütigen oder ihr in irgendeiner Weise ein unangenehmes Erlebnis zu bereiten.
Zumal das Abnehmen des Halsbands für mich einer Höchststrafe gleich käme. Das ist eine der schlimmsten, psychischen Gesten, die ich mir ausmalen kann.
Apropos Strafe: Ich bin bisher um die wirklich schlimmen Strafen herum gekommen, kenne aber ihr Maß und ja, ich möchte diese nicht erleben. Ich bin also fähig, die von der Autorin von Brats geforderten „Strafe“ (ich meine, viele nutzen dafür den Ausdruck „Funishment“) von einer lehrreichen Sanktion zu entscheiden.

Wovon kann ich mich aber nicht freisprechen?
Ich bin eine Attention Whore. Ja. Ich liebe jede Art von Aufmerksamkeit. Ich liebe ein gefülltes Regelwerk, ich liebe die Zeit in Sessions, ich liebe Aufgaben und ich liebe die kleinen Gesten des Alltags- eine Ohrfeige, ein Griff an den Hals, ein Schlag mit der Hand in den Intimbereich, etc.
Ich liebe die Aufmerksamkeit meiner Dom – und hier kommt eine der Faktoren, die mich von vielen Brats unterscheiden- ich empfinde keinen Spaß daran, Regeln bewusst zu brechen oder Aufgaben einfach nicht zu erfüllen. Ich möchte ja diese Regeln und ich möchte Aufgaben und das schlimmste, was mir passieren könnte, wenn ich die Regeln breche, wäre die Option, dass diese einfach wegfallen. Und das möchte ich nicht. Ich möchte jedes Machtgefälle spüren und meinen Perfektionismus im Erfüllen der Aufgaben für meine Dom ausleben.
Auch wieder hier: Wenn sie mir eine Aufgabe aufträgt, die ich nicht erfülle, dann arbeitet das nicht positiv mit meiner Dom – und ich möchte Provokationen erreichen, die bei ihr eine Augenbraue nach oben wandern lassen, die mich mit ihrem Blick fixieren, wie eine Raubkatze und das dieses leise „Achso“ aus ihren Lippen entweichen lässt, welches ich so liebe und Konsequenzen androht.

Dann folgt jetzt wohl die Frage: Wie provoziere ich?

Ich provoziere zwei Arten von Personen: meine Dom und alle anderen 😀
Um das Ganze besser zu verstehen, gebe ich einfach mal einige Beispiele:

Zwischen meiner Dom und mir würde folgender Dialog stattfinden:
Sie: Bitte koch mir einen Kaffee.
Ich: Was wäre denn, wenn ich ihn nur koche und man ihn allein holen müsste?“
Sie: „Find es doch heraus.“

Nun, dieser Dialog ist natürlich nicht alltäglich. Im Großteil aller Fälle würde ich ihr den Kaffee selbstredend auch bringen. In diesem Fall eröffne ich aber nur eine Alternative, ohne gegen die mir aufgetragene Aufgabe zu verstoßen. Meine Dom hätte nun auch sagen können, dass sie ihren Kaffee wie immer möchte, meine Nachfrage ignorieren, oder aber jede sonstige Möglichkeit wählen können, um ihr Heißgetränk ohne Spiel zu bekommen. Nun schenkt sie mir aber eine Einladung, die Brat zu sein, die ich in mir trage. Und diese Einladung darf ich annehmen – wenn ich eben glaube, das Echo zu vertragen.
Das ist unser Spiel in dieser D/s-Dynamik. Vielleicht hat die Autorin also Recht, wen sie schriebt, dass Brat-Sein irgendwie ein Hobby ist, denn auf meine D/s-Dynamik passt das sogar irgendwie.
Meine D/s-Beziehung genießt das Privileg, zwischen meiner Submission und der Brat wählen zu können, je nachdem, welche Facette sie gerade möchte. Denn meine Dom liebt diese Momente, in denen ich monatelang jeden Tag perfektionistisch meine Regel, am Tag genug zu trinken, einhalte, nur damit ich am Tag der Zeitumstellung mit einem Grinsen frage: „Wenn ich schlafen gehe und um 3 aufwache, während sich die Uhr zurück auf 2 Uhr stellt- und dann etwas trinke, zählt das für den alten oder den neuen Tag? Obwohl dies letztendlich irrelevant sein wird, weil ich bis dato eh meine Flüssigkeitsmenge zu mir genommen habe.
Ich kann es mir erlauben, den einen oder anderen schnippischen Spruch zu summen, weil meine Dom es genießt, darauf zu reagieren. Und meine Dom kann in der nächsten Sekunde die brave, folgsame Sub fordern und wird sie bekommen. Die Entscheidung liegt bei ihr und das macht es in meinen Augen zu D/s.

Spannender und wesentlich umfangreicher ist die Art, wie ich anderen als Brat gegenübertrete. Es war keine seltene Situation, dass ein (dominanter) Besuch etwa äußerte, wie:
„Wie gern würde ich J. jetzt ohrfeigen dafür.“
und meine Dom amüsiert lächelte und etwas sagte, wie: „Versuch es doch“.
Und das ist ein Signal, bei dem beginnt der Spaß für mich als Brat erst richtig.
Dem Gegenüber in einem Ninja-Style ausweichen, selbstgefällig grinsen und der Person sagen, dass sie das mit dem Zielen lieber noch einmal üben sollte.

Zum Beispiel.
Natürlich könnte meine Dom auch sagen, dass ich still halten und die Ohrfeige annehmen soll-
dann würde ich natürlich gehorchen. Aber so? So ist das wieder diese Einladung, die Brat in mir herauszulassen. Und meine Dom liebt diese Seite. Und ich habe das Gefühl, der eine oder andere Besuch liebt sie noch mehr.
Außerdem ist diese Art der Provokation eine schöne Geste, um die eigene D/s-Beziehung auf ein Podest zu setzen – auch fremden Augen gegenüber.
Während der Gast es nicht schafft und noch von mir verbal getrietzt wird, kann ich vor meiner Dom knien, ihr die Wange hinhalten und still halten – weil Submission eben ein Privileg meiner D/s-Beziehung ist.

Ich denke nicht, dass sich meine Art Brat zu sein mit dem Wunsch, es meiner Dom eher leichter machen zu wollen oder sie quasi blind zu verstehen, im Widerspruch stehen. Zu Wissen, was Dom möchte, ergibt sich größtenteils aus einer Kombination aus Ritualen, bekannten Handlungsabläufen, bekannten Handzeichen und/oder Mimik + Gestik und der Fähigkeit, die Gedankenstrukturen des Gegenüber zu kennen. Ich sehe nicht, dass dies im Konflikt mit der Facette Brat steht.

Ich muss sagen, ich stehe diesem „einem Dom völlig selbstlos dienen“, wie es im Blog angesprochen wird, auch eher kritisch gegenüber, da diese Aussage in meinen Augen völlig romantisiert ist. Würde ja voraussetzen, dass Sub niemals die Beziehung beenden wird, weil jeder Grund völlig selbstlos hinten angestellt wird. Und ich denke, jeder hat dort irgendwo und irgendwann seine Grenzen – aber ich schweife ab. Der Gedanke, dass es eben nicht nur um Sub geht und Sub auch Dinge ohne Mehrwert für sie macht, weil Dom es möchte – den teile ich ja.

Da der Blog mit einem kleinen Seitenhieb endet, werde ich auch diesen so beenden:
Wenn solch ein Brat-Verhalten wirklich die Magie von D/s zerstört, wie im Blog als möglich beschrieben, liegt die Vermutung im Raum, dass diese Magie vielleicht einfach nicht sehr stabil ist.

Ich freue mich, von euch zu lesen!

Angst, Nervosität und Co – mein Aphrodisiaka?

Hallo meine lieben Leser! Ich melde mich heute mit einem Blogbeitrag zurück, den einige meiner Leser schon fast sehnsüchtig erwarten 😉
Eigentlich ist die Themenwahl ein Ersatz für einen anderen Post: „Höher, schneller, weiter? Vergleiche mit anderen und mit mir selbst“, für die ich noch ein Resümee ziehen muss. Dies hat sich aber durch andauernde Krankheit meiner Partnerin etwas nach hinten verschoben.
Der Beitrag kommt aber noch – so viel ist sicher.

Wovon handelt der heutige Beitrag?
Der aufmerksame Twitterer oder Follower meines Blogs wird wissen, dass Angst und ähnliche Emotionen eine meiner absoluten Vorlieben sind. Ich habe mich also hingesetzt und reflektiert und möchte euch nun einen kleinen Einblick in mein Innenleben geben: Was macht Angst und Nervosität mit mir? Wieso lösen diese Emotionen in mir Verlangen und Lust aus? Wo ist der Reiz?

Viel Spaß -wie immer- beim Lesen!


Das Ding mit den Botenstoffen

Ich habe gestern erst einen Film gesehen, in dem der Protagonist einem anderen riet, mit seinem Flirt einen Horrorfilm zu schauen. Die dabei ausgelöste Angst würde für einen Ausstoß von Dopamin sorgen, sodass die Chancen, dass aus dem Flirt mehr wird, hinterher gar nicht schlecht stehen. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der -wie auch Serotonin- als Glückshormon gilt und positive Gefühlserlebnisse vermittelt.

Inwieweit das nun für jede einzelne Person zutrifft, mag ich nicht sagen. Ich habe jedenfalls schon in jüngeren Jahren gern Horrorfilme geschaut, weil ich mochte, dass diese etwas in mir auslösen. Ich mag es, wenn es ein Film schafft, mir durch Handlung und Setting Angst zu machen. Ich schätze, das war auch der Grund, warum ich als kleiner Stift schon gern Stephen King Bücher las. Die Visualisierung, die mein Kopf durch das Geschriebene schaffte, bewegte etwas in mir.

Versteht mich nicht falsch: Man kann schnell diverse Emotionen in mir auslösen. Ich bin die erste, die bei einer bewegenden Szene mit Tränen in den Augen vor dem Fernsehr sitzt.
Hat jemand von euch schon einmal „Queer Eye“ gesehen? Ich weine bei jeder.verdammten.Folge, weil mich entweder das Schicksal so mitnimmt oder aber ich mich mit den Personen zum Ende hin so mitfreue, dass ich deren Glück förmlich spüren kann.
Ich kann solche Emotionen intensiv wahrnehmen und man kann diese wirklich schnell in mir auslösen.

Unsicherheit, Angst und Nervosität fallen aber nicht darunter.
Im Gegenteil. Denn irgendwie sind das genau die Emotionen, die ich mir abtrainiere.
Sogar im D/s-Bereich. Gerade da. Oh, besonders im D/s-Bereich. Ich gebe euch ein Beispiel:

Meine eigenen Ziele in einer D/s-Beziehung

Ja, in einer D/s-Beziehung ist es gängig, dass man auf irgendeine Weise von Dom geformt wird. Im Idealfall zu einem besseren Menschen. Nicht nur einem besseren Menschen für den Dom, sondern auch zu einem besseren Menschen für sich selbst, weil man an Situationen wächst und lernt.
Das ganze Konstrukt ist mir persönlich nicht genug. Ich will „von mir aus“ eigene Ziele haben, die ich währenddessen selbst erfüllen kann. Und ein Ziel begleitet mich mein ganzes Leben lang. Es gibt ein Ziel, bei dem ich nie auslernen werde: Souveränität bewahren.

Souveränität.

Ich trainiere souverän bleiben in allen Lebenslagen und meine D/s-Beziehung stellt mich dabei vor kleine Aufgaben: Eine Fesselung tragen, wenn ich unter Menschen bin? Gelassen bleiben, statt „Oh Gott, jemand könnte es sehen? Ich habe das Gefühl, jeder starrt mich an!“
Sexuell vulgäre Sätze wiederholen? Tief durchatmen und sie in einer solchen Ruhe wiederholen, dass es dem Gegenüber unangenehmer wird, als dir selbst. Ein kühles Lächeln, statt einem stammelndem, errötetem Zittern.
Ja, das ist meine Challenge und vielleicht können viele das nicht nachvollziehen. Ich denke, es ist die Brat in mir, die immer Gelassenheit zeigen möchte, wenn mein Gegenüber mich in eine sonst unangenehme Situation bringen möchte.

Ich möchte jedenfalls behaupten, dass ich gut darin bin. Ich bin irgendwie gut darin, in Situationen die Oberhand zu behalten. Das sind nicht unbedingt nur D/s-Situationen. Das können auch unangenehme Kommentare sein, denen man sich irgendwann mal aussetzt. Ich bin schlagfertig und kann Kontern. Ich möchte auch in solchen Situationen die Kontrolle über die Situation behalten.

Kontrolle.

Auch hier: Besteht eine Problematik, ein Konflikt oder irgendeine Situation, die ein Nachdenken erfordert, so kann ich zwar nicht immer den genauen Ablauf vorhersagen, aber kann von mir behaupten, dass ich in meinem Kopf zumindest alle möglichen Szenarien durchgespielt habe. Vielleicht tritt dann nicht Variante A ein, aber ich bin zumindest auf Variante B – Z eingestellt. Ich irre mich dabei nur selten und es gibt mir ein Gefühl von Sicherheit, wenn ich auch für den unwahrscheinlichsten Worst-Case-Fall eine Lösung habe, weil ich diesen irgenwie eingeplant habe.
Das schenkt mir wieder Gelassenheit. Ich lasse eine Situation nicht auf mich einstürzen und kann diese so direkt angehen. Ich fühle mich sicher.

Die Kontrolle enziehen….

So, nach einem kleinen Ausflug in meine Persönlichkeitsstruktur, können wir uns nun wieder dem Ursprungsthema widmen:
Angst, Unsicherheit und ähnliche Emotionen versuche ich also zu vermeiden, oder besser noch:
sie mir abzutrainieren. Ich setze mich gern Situationen aus, die Unsicherheiten schüren, um daraus sicherer hervorzugehen. So funktioniere ich.

Schafft es nun jemand, diese Emotionen in mir auszulösen, bedeutet das für mich auch, dass ich eine Situation in meiner Ausarbeitung von Plan A-Z nicht bedacht habe. Diese Person schenkt mir also eine neue Situation oder eine neue Erfahrung, die nicht in meinem Möglichkeitssprektrum lag.
Diese Person kreiert ein Mindset oder ein Setting, auf das ich nicht vorbereitet war oder bin.
Diese Person schenkt mir ein Erlebnis mit Emotionen, denen ich mich neu stellen kann.
Etwas Unbekanntes. Etwas Ungewisses. Etwas für mich absolut reizvolles.
Und im Idealfall schafft das die Person, der ich am meisten vertraue. Und das ist eine Kunst, die mich so unfassbar anturnt, dass das für mich der größte Reiz ist.

Versteht auch das nicht falsch: Ich sehe oft auf Twitter diese „süßen“ BDSM-Bildchen, in denen ein Dom mit einem Messer über den Körper einer Frau fährt und man nur ihr panisches Gezitter sieht.
Mich kosten diese Bilder oft nur ein Augenrollen, weil mein objektives Empfinden dort zu mir spricht: Du brauchst doch keine Angst haben. Er ist dein Dom. Er wird dich nicht umbringen.
Ich verstehe den Nervenkitzel dahinter für andere, aber allein dieses Wissen würde mir sämtlichen Nervenkitzel rauben. Ich würde selbstgefällig grinsen, meine Hauptschlagader mit dem Finger nachfahren und „Wir wissen doch beide, dass du das nicht tust“ antworten. Denn sind wir ehrlich: Genau das passiert, denn die wenigsten Doms hegen die Absicht, dass daraus eine richtige Tötung wird.

Aber Objektivität raubt mir eben auch Emotionen wie Angst. Unsicherheit lässt sich vielleicht noch einfacher kreieren, aber Angst steht in einem dermaßen starken Kontrast zu den realen Gegebenheiten, dass diese bei mir einfach schwer aufkommt. (Ich halte fest: Ich rede stetig vom BDSM – nur zur Sicherheit)

Schafft es nun eine Person, mir diese Objektivität zu nehmen… mir zu vermitteln, dass diese Sicherheit, die zwischen uns existiert eigentlich nur eine Illusion ist und man mir diese binnen Sekunden rauben kann… dass sich mein Verstand geirrt hat. Dass jemand mit meinem Verstand spielen kann und gerade die Person, der ich am meisten vertraue mir jegliches Gefühl davon rauben kann – ja, das ist für mich ein massiver Turn-On.
Eine Person, die so vorausschauend agieren kann, dass sie mich in eine Situation bringt, mit der ich nicht gerechnet habe. Die mich sogar von meinem hohen Ross herunterholt, dass ich doch nicht immer die Person im Raum bin, die die Situation in der Hand hat.
Die sich wirklich die Mühe macht, ein Setting zu kreieren, dem ich Glauben schenke, dass es mir wirklich Angst macht. Eine Situation schaffen, die so real und überzeugend auf mich wirkt, dass ich gar nicht anders kann, als all mein Gefühl für Sicherheit zu verlieren und Angst zu bekommen.
Mir die Kontrolle entziehen. Mir die Sicherheit rauben, die man mir sonst in jeder Sekunde vermittelt – und das Ganze natürlich, ohne mich in echte Lebensgefahr zu bringen. Und das ist der springende Punkt dabei: Man vermittelt mir in dieser Sekunde eine Illusion, obwohl alles wie gewohnt ist.
Und wer es schafft, meinen Verstand so auszutricksen – und das Geschieht eben durch Auslösen von Angst und Unsicherheiten – der hat in diesem Moment eine solche Macht über mich. Und dieses Wissen macht mich unfassbar an. Das ist eine Art von Machtdynamik, die ich zwar gestatte, aber eben nicht schenke, wie meine Submission, sondern die man sich nach meinem Konsens(!) auf psychischer Ebene einfach nimmt.
Und ja, dieses Wissen ist eine meiner größten Vorlieben.
Wer diese Emotionen in mir auslöst, genießt eine Macht über mich, die ich mir in solchen Situationen bewusst werde.

Ein Schlusswort

Ich wiederhole: Das ist nur meine Sicht der Dinge. Ich spreche hier nur für mich. Ich mag das noch einmal wiederholen, weil mein größtes Turn-On für viele der reinste Albtraum wäre. Und das ist in Ordnung, denn nicht jedes BDSM ist gleich und gerade das, was die Psyche stark strapaziert, gibt mir zum Beispiel den stärksten Reiz. Ich habe lang überlegt, ob ich den Beitrag schreiben soll, weil ich mir dachte: „Man, man könnte auch denken, dich turnt somit auch das manipulierende Gaslighting eines Narzissten an?!“ und das wäre ein vor-den-Kopf-stoßen für alle Personen, die das erleben mussten. Deswegen hier der Unterschied: Konsens!!! Das ist nämlich dort nicht gegeben und das unterscheidet z.B. Fearplays auch von psychischem Missbrauch. Ich weiß, worauf ich mich einlasse, nein anders: Ich möchte das sogar, weil es in mir eben sexuelles Verlangen auslöst. Und: Das ist ein Szenario und nicht die Wirklichkeit. Ich kann für eine kurze Dauer den Reiz des Unbekannten genießen und dann wieder in meine harmonische und vertraute Beziehung wechseln. Opfer psychischen Missbrauchs bleibt das verwehrt.
(Vielleicht bin ich aber auch die Einzige, der es wichtig ist, hier nochmal einen Unterschied deutlich zu machen. Ich würde mich aber nicht gut fühlen, wenn ich dies nicht noch einmal als Nachwort anfügen würde. Ich hoffe, man sieht mir das nach.)

Needie fragt, ich antworte: ein kleines Interview

Hallo meine lieben Leser! Die Needfull hat ein kleines Interview mit diversen Personen und Bloggern geplant und mich eingeladen, dabei mitzumachen.
Ihren Post findet ihr hier: https://neediesblog.wordpress.com/2020/01/18/projekt-interview/

Das ganze Interview wird kurz und knackig. Der Blogpost wird also nicht allzu lang. Momentan stecke ich noch in meinem KreaTief. Seht es mir nach.


Die Fragen

1. Dein Twittername (falls vorhanden). Bitte nur angeben, wenn ihr ihn veröffentlicht haben wollt

@crowswithhalos – der ist aber geschlossen. Ich nehme nur Personen an, denen mindestens zwei Personen meiner BDSM-Bubble folgen.

2. Deine Neigung (Dominant, Submissiv, Switcher, devot, masochistisch, sadistisch. Gerne auch weitere Punkte)

Ich bin masochistisch und submissv für genau eine Person. Submission ist ein Privileg meiner D/s-Beziehung – alle anderen Personen erleben mich als Brat. Ich habe zwar auch seit einer Weile einen wundervollen Haussklaven, aber der profitiert eher von meiner provokanten Brat-Ader.

3. Aktueller Beziehungsstatus (Single, Spielbeziehung, D/S, Poly, verheiratet..)

Ich lebe poly, bin seit fast 5 Jahren in einer Beziehung, die auch meine D/s-Beziehung umfasst. Aktuell habe ich -neben dem Toyboy- aber keine weiteren Beziehungs- oder Playpartner.

4. Wann wurde dir klar, dass du diese Neigung hast? Oder bist du dir nicht sicher, dass du sie hast?

Ich wusste schon vor dem Ausleben meiner Kinks, dass ich bestimmte Dinge in meiner Fantasie ansprechend finde. Damals wusste ich aber nicht, dass das Ganze einen Namen hat. Das Internet hat mir da sehr weitergeholfen. Das muss im frühen Jugendalter gewesen sein. Mit meinem ersten Playpartner, der quasi eine Mentor-Rolle übernahm, konnte ich mich dann das erste Mal richtig ausleben.

5. Hast du schon Erfahrung gemacht? Oder bist du unsicher /hast Angst?

Ja, ich habe schon einige Erfahrungen gemacht. Ich wollte sehr schnell sehr viel – und ich bekam auch sehr schnell sehr viel. Trotz meines jungen Alters habe ich einiges erlebt. Und doch gibt es noch so viel zu entdecken. Und ja, ich bin voller Unsicherheiten, trotz meiner Erfahrung. Manchmal glaube ich, das ist eine Sub-Krankheit. Vielleicht blogge ich über diese noch einmal, wenn das gewollt ist.

Angst habe ich eher selten, aber ab und an bin ich nervös. Beides mag ich aber sehr gern und ist für mich ein erstrebenswerter Zustand. Der macht mich nämlich an.

6. Hast du Vanilla Beziehungen gehabt?

Ja, allerdings hatte ich da eher wenig Sex. Das mag daran liegen, dass ich a) noch sehr jung war und mich eher mit der Sexualität beschäftigt habe, weil ich das Gefühl hatte, es muss so sein und es wird gesellschaftlich erwartet und b) ich greysexuell bin und mein Interesse an Sex somit nicht überragend hoch ist. Trotzdem waren die Beziehungen für meine damaligen Ansprüche sehr erfüllend.

7. Was ist dein ganz spezieller Kink? Der dich sofort feucht /hart werden lässt?

Breathplay, Fearplay, Rapeplay, Bloodplay, Ohrfeigen, verbale Erniedrigung,
Vorführung,… ach keine Ahnung, ich kann so vielem etwas abgewinnen. Alles mit
Blut, Angst, Schmerz und Adrenalin, wie ich immer so schön sage.
Ich könnte hier meine Fetlife-Liste einblenden. Die ist endlos. Meistens hilfe es, mich eher zu fragen, was ich nicht mag.

8. Würdest du dich auf Wunsch piercen/ tätowieren lassen? Würdest du es von Sub /Sklavin erwarten?

Nein, ich würde das nicht erwarten und ja, ich würde das wohl machen. Ich setze dabei aber auf guten Geschmack und so viel Menschenverstand, dass ich mir nicht den Namen meines dominanten Gegenübers auf die Vagina tätowieren lassen muss.

9. Hast du schon schlechte Erfahrungen gemacht?

Ja, habe ich, aber keine so schlechten Erfahrungen, dass ich diese als missbräuchlich oder ähnliches bezeichnen würde. Meine schlechten Erfahrungen sind der Ursprung einige meiner Unsicherheiten als Sub. Ich denke aber auch, ich konnte aus ihnen lernen. Ich weiß jetzt, was ich ganz sicher nicht mehr möchte und kann zu meinen Bedürfnissen stehen. Letztendlich ist es also vielleicht sogar ganz gut, dass man die Arschloch-Moves bei mir gemacht hat (verzeiht die plumpe Sprache, aber so kann man das durchaus bezeichnen), denn sowas wird mir nicht noch einmal passieren. Und zeitweise war es so (wie es heute ist, weiß ich nicht), dass man anschließend der Zeit mit mir wirklich hintergetrauert hat, ich aber den Cut ziehen konnte. Irgendwie hat mir das ein bisschen mentalen Ausgleich gegeben.

10. Gibt es Dinge, die sich geändert haben? Also was Tabu war, würdest du jetzt tun.

Nein, so etwas gibt es nicht. Ich finde das fast ein bisschen schade. Ich würde gern mal erleben, wie es ist, eine Grenze fallen zu lassen. Sich dort selbst geirrt zu haben. Allerdings muss ich mir auch keine „Grenzen“ setzen, nur damit ich sie verschieben kann.
Ich kenne mich und meine Fantasien sehr gut und da habe ich mich bisher eben noch nie geirrt.
Zumal ich im Metakonsens auch theoretisch keine Tabus habe.

11. Was wären Dinge, die du niemals tun würdest.

Ich sag niemals „nie“, aber ich möchte beispielsweise keine Spiele mit Kot ausüben.
Mir ist Konsens ultra wichtig und ich praktiziere keine Kinks mit wem oder was auch immer, dass mir keinen Konsens geben kann. Auch würde ich nicht auf Verhütungsmittel verzichten wollen.

12. Wie sehr unterscheidet sich dein Kopfkino von der Realität?

Es gibt Dinge, die ich im Kopfkino sehr anregend finde, die ich aber ungern in der Realtität ausleben würde, bzw von denen ich sicher weiß, dass sie mir in der Realität nicht gefallen würden.
Lustigerweise schenkt mir genau diese Art von Kopfkino die meiste Befriedigung.

Ansonsten: das meiste meines Kopfkinos setze ich nach und nach um. Das darf sich auch wiederholen – gerade im BDSM wird das nicht langweilig.

13. Wie wichtig sind dir Symbole?

Wichtig, wenn es um meine D/s-Beziehung geht. Ich gehöre jemandem und das möchte ich auch symbolisch zeigen.

#EinThemaDreiAnsichten – Tabus

Hallo meine lieben Leser! Heute melde ich mich mit einem Beitrag zurück, der eigentlich viel zu spät online kommt, da meine beiden Mitbloggerinnen ihren Post bereits hochgeladen haben. Die Needie und die werte CrimsonSilk (zu finden auf Twitter @needfull_1 und @Crimson_Silk), haben sich mit meiner Wenigkeit zusammengeschlossen. Wir alle werden einen Beitrag zu einem Thema verfassen. Ein Thema, drei Ansichten. Der Hashtag erklärt sich von selbst.
Das heutige Thema: Tabus!

Ich wusste ehrlicherweise eine Weile nicht, was ich dazu schreiben sollte, da ich erst vor Kurzem über das Thema gebloggt habe. Den Beitrag findet ihr hier:
https://madeformisbehaviour.wordpress.com/2019/09/23/meine-grenzen-und-ich/

Was also nun schreiben?
Nun, ich möchte eine kurze Selbstreflektion starten:
Wie schnell bin ich bereit, Praktiken auszuführen, die für mich eigentlich eher unattraktiv wirken? Was hat darauf Einfluss?

Viel Spaß beim Lesen!


Grenzen im Metakonsens

Ich wiederhole zu Beginn nur, was der aufmerksame Leser bereits weiß: In meiner jetzigen D/s-Beziehung spiele ich im Metakonsens. Es gibt keine Tabus und kein Safeword. So zumindest die Theorie. In der Praxis sieht das natürlich anders aus. Die Praktiken, die meine Dom nicht reizen, werden also auch unberührt bleiben, obwohl sie theoretisch eben umsetzbar wären. Diese Praktiken überschneiden sich im Großteil mit meinen sonstigen Tabus, was mir sozusagen zu Gute kommt.

Trotz dessen gibt es eben eine Reihe Vorlieben, die für mich keinen Mehrwert haben und mir wenig Spaß bereiten. Praktiken, die ich sozusagen nur ‚für meine Dom‘ aushalte, weil meine Sub-Seite verdammt viel aus dem ‚getting pleasure from giving pleasure‘-Prinzip gewinnen kann.
Und es gibt Praktiken, bei denen ich leicht schlucken muss, weil sie mich beim bloßen Erwähnen oder Ansehen bestimmter Gifs und Videos bereits nervös werden lassen.
Das sind eben Praktiken, die ich durchaus irgendwann auf Wunsch angehen würde, aber von mir aus selbst nicht das Bedürfnis danach hege.

Was die kann, kann ich auch?

Ich erwische mich nun beim Durchstöbern der Accounts meiner liebsten Sexworker oder Porn-Darsteller. Und ab und an finde ich Bildmaterial, bei dem ich sehe, dass besagter Person die oben genannten Praktiken quasi leicht von der Hand gehen. Als hätten sie nie etwas anderes gemacht.
Dinge, bei denen ich gedanklich bereits zögere, wirken bei jenen so leicht und… einfach.
Und irgendwie macht das etwas mit mir.
Ich fühle mich nicht eingeschüchtert oder verunsichert. Ich habe keine Selbstzweifel, ob ich jemals ‚da mithalten‘ kann. Im Gegenteil. Irgendwie fühle ich mich gechallenged.
Und das ist ein Gefühl, was ich noch versuche einzuordnen.

Das Phänomen ‚höher, schneller, weiter‘ ist mir im BDSM bekannt und ich weiß, dass es -oft zurecht- von vielen verurteilt wird, weil BDSM eben kein Leistungssport ist. Ich kann mich davon aber nur bedingt freisprechen, weil es in mir keine negativen Gefühle auslöst, sondern mich eher motiviert. Mich anspornt. Mir einen kleinen Schubs gibt, der mir vielleicht noch gefehlt hat.

Und ich denke, dass es hier ähnlich ist. Zu sehen, dass das Ganze nicht so verkrampft wirkt, wie ich es mir in meinem Kopf vorstelle, schenkt mir eine gewisse Gelassenheit diesen Praktiken gegenüber, aus denen ich nur positive Effekte zielen kann. Ich spreche hierbei aber eben auch nur von meinen Erfahrungen. Das mag auf jede Person anders wirken.

Ich habe auch bereits eine Praktik ausprobiert, vor der ich ohne Visualisierung eines Bildes sicher nicht die Umsetzung von mir aus(!) gewünscht hätte.
Ich habe meine Lippen mit Wachs versiegeln lassen. Und ich fand die Erfahrung für mich grandios. Es ist sogar eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte und mich sicherlich geärgert hätte, wenn ich diese hätte verstreichen lassen.

Und wenn xy aus dem Fenster springt….

Natürlich funktioniert das nicht mit jeder Praktik, die ich als Foto bei einer Person sehe, die ich vielleicht bewundere oder sehr gern habe. Manche Dinge werden auf mich nie einen Reiz ausüben. Es ist viel eher so, dass das Kinks sind, die ich früher oder später sicher auch ausprobiert hätte. Sie haben nur den Zeitpunkt ein Stückchen nach vorn verlagert. Und ich denke, so lange das eben genau so bleibt und ich nicht aus jedem Bildchen einen Wettkampf mache, ist das auch in Ordnung so.

Needfull vs. Madeformisbehaviour

Hallo meine lieben Leser! Ich melde mich heute mit einem Blogbeitrag zurück, auf den ich selbst schon super neugierig bin, weil ich dazu nur „den halben Teil“ leiste.
Ich blogge zusammen mit der Needie ( https://neediesblog.wordpress.com/ ), einer lieben Twitterin, die ich schon seit Anbeginn meiner Zweitaccount-Zeit verfolge – wenn auch damals noch unter einem anderen Account ihrerseits.
Eine ihrer Twitter umfragen, ließ uns erkennen, dass wir bezüglich 24/7 und TPE sehr ähnliche Ansichten haben. Nun bin ich neugierig, WIE ähnlich wir uns sind, also werden wir das herausfinden. Ich habe einen Fragenkatalog erstellt, dessen Fragen wir beide beantworten.
Nun ist mein Titel vielleicht ein bisschen klickbait-lastig, da dies nun alles andere, als ein Kampf zwischen uns ist. Viel eher bin ich gespannt, ob ich bei der werten Needie einige Ideen aufgreifen kann, die ich vielleicht für meine Beziehung umsetzen kann. Vielleicht findet auch sie ja einige unserer Konzepte gar nicht so schlecht und ihr Partner und sie übernehmen sie. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, was uns unterscheidet.

Und wie immer gilt: Needie und ich beschreiben hier mein und ihr BDSM. Jeder lebt D/s anders aus. Auch wenn sich die eine oder andere Ansicht oder Erwartung überschneidet, dann sind diese nicht zwingend für andere Personen zu übernehmen. Jeder geht seinen Weg. Und nun, viel Spaß beim Lesen!


24/7 und TPE – Der Fragenkatalog

1. Wie definierst du für dich 24/7? Was bedeutet TPE in deinem Verständnis? Machst du Unterschiede in der Auslebung?

Ich darf hier wohl bereits spoilern, dass dies ein Unterschied zwischen Needie und mir ist, weil ich ihre Art der Auslebung kenne. Erst einmal: Ja, ich unterscheide diesbezüglich in der Auslebung und lebe selbst zwar 24/7, der Zeitraum, in dem ein TPE (total power exchange) stattfindet, ist bei mir aber temporär und zeitlich festgelegt.
24/7 definiere ich wie folgt: Das Machtgefälle muss nicht über die ganze Zeit aufrecht erhalten werden, allerdings hat Dom das Recht, dieses quasi rund um die Uhr einzufordern. 24/7 ist für mich trotz allem geknüpft an: diverse Regeln, Aufgaben, Rituale, Strafen. Sessions, kleinere Spielereien oder sexuelle Handlungen jeder Art dürfen zu jeder Zeit praktiziert werden. Auf ein Safeword verzichte ich.
Wird nun ein TPE festgelegt, übernimmt Dom die Entscheidungsgewalt über alle Bereiche des Lebens und der Sexualität. Es ist bei uns angedacht, dass in diesem Zeitraum auch Fokus auf die Dinge gelegt wird, zu denen ich mich vielleicht überwinden muss. Ansonsten wird einfach wesentlich mehr entschieden und bestimmt, als in meiner sonstigen D/s-Dynamik. In dieser Zeit werden Fehltritte stärker bestraft und die Regeln summieren sich um ein Vielfaches. Ist eine Handlung nicht via Regel festgelegt, wird bei mir üblicherweise um diese gebeten.
Wir begrenzen diese Zeiträume, da sie für Dom und Sub sehr zeitintensiv sind und ich der Ansicht bin, dass sich diese Zustände dauerhaft sehr schwer kontrollieren und überwachen lassen und nur bedingt mit dem Alltag kombinierbar ist. Wir legen solche Phasen also auf Tage oder Reisen, in denen wir beide uneingeschränkt Zeit und Aufmerksamkeit für das Gegenüber haben.

2. Hast du Regeln, Verbote, Rituale? Sind diese für dich in einer 24/7-Beziehung essentiell? Wünschst du dir eher mehr oder weniger Regeln?

Kurz: Ja, die habe ich. Sie betreffen meine Sexualität, meinen Alltag, meine Essgewohnheiten, meine Badezimmernutzung und einige andere Bereiche. Sie sind überschaubar und für mich täglich anwendbar und ja, sie sind für mich persönlich von großer Bedeutung, da sie mir helfen, auch im stressigen Alltag an meine D/s-Dynamik erinnert zu werden. Sie erden mich und schenken mir Routine und einen klaren Kopf. Oftmals sind sie in Phasen, in denen es mir nicht besonders gut geht, mein kleiner Lichtblick am Tag. Ja, ich hätte gern mehr Regeln, weil ich diesbezüglich wohl ein kleiner Nimmersatt bin, aber dies liegt nicht in meinem Ermessen. Meistens erarbeiten meine Partnerin und ich neue Regeln zusammen, testen die Umsetzung einige Wochen und schauen dann, ob und wie diese für den Alltag integrierbar sind.

3. Hast du eines der folgenden Gegebenheiten: Strafbuch, Sklavenvertrag, Regelbuch? Wünschst du dir etwas davon?


Nein, ich habe keines der genannten Dinge. Vielleicht ein anderer Fakt: Ich habe dafür Bewerbung geschrieben, die vielleicht den Gegebenheiten eines Sklavenvertrags sehr nahe kommt, weil dort von meiner Seite bereits alle Wichtigkeiten für eine D/s-Beziehung festgehalten sind. Meine Regeln sind in einem Word-Dokument festgehalten, aber ein Buch gibt es nicht. Ein Strafbuch ist -nach meinem Interesse vor kurzer Zeit- aber angedacht.
Ich wäre einem Vertrag nicht abgeneigt, erachte diesen aber nicht als zwingend wichtig. Ich mag nur die Symbolik dahinter, denn Symbole sind mir beispielsweise sehr wichtig. Über diese verfüge ich auch.

4. Wie sehen Sanktionen bei dir aus? Wirst du bestraft? Hast du feste und/oder regelmäßige Zeiten für das Ausüben der Sanktion? Ist das Strafmaß angemessen oder werden Sanktionen härter bestraft?


Nein, ich habe keine festgelegten Zeiten für das Vollbringen von Strafen. Bisher bin Strafen auch gut vermeiden können, weil ich mit der Ausübung meiner Regeln stets hinterher bin und diese penibel versuche einzuhalten. Das gilt ebenso für meine Aufgaben. Ich denke, meine eigenen Anforderungen an diese sind sogar ein wenig höher, als die meiner Partnerin. Sollte es aber zu Strafen und Sanktionierungen kommen, so gibt es dort wesentliche Unterschiede: Wer mein Blog aufmerksam liest, der weiß, dass in mir eine Brat schlummert, die ich auch ausleben darf, sprich: Ich darf provozieren, weil meine Art der Provokation nicht als kränkend, anmaßend oder beleidigend empfunden wird. Und solange meine spitze Zunge bereichert, darf ich eben provozieren, so weit ich das Echo ertragen kann. Diese Art der Zurechtweisungen sind für mich zwar unangenehm -immerhin soll auch bei der Brat in mir ein Lerneffekt eintreten und Strafen sind eben nur Strafen, wenn diese für Sub keine versteckte Belohnung sind-, aber sie stehen eben nicht in einem Maß zu Sanktionen, die wirkliches Fehlverhalten aufzeigen sollen. Bei diesen hätte ich meine Dom nämlich auf irgendeine Art und Weise enttäuscht und das liegt mir sehr fern. Solch ein Fall ist noch nie eingetreten und ich hoffe auch, dass dies so bleibt. Sprich: Ich missachte Regeln nicht bewusst, ich mache meine Aufgaben nicht, weil ich „keine Lust habe und auf eine Strafe hoffe, hihi“ und ich setze mich auch nicht über Entscheidungen hinweg. Dafür ist die Sub in mir zu perfektionistisch und es geht mit meiner Vorstellung von D/s nicht konform.

Bestraft wird aber natürlich mit Dingen, an denen ich wenig bis keinen Spaß empfinde. Die Strafe an sich macht mich nicht an, aber ich schätze Konsequenzen und Durchsetzungskraft und bin sehr froh, wenn diese auch umgesetzt werden.
Ich denke, mein Strafmaß ist angemessen, ja, eben weil diese Strafen, wie oben erwähnt, differenziert werden.

5. Nutzt ihr ein Safeword? Gehört für dich der Verzicht auf ein Safeword zum TPE dazu? Hast du anderweitige Limits?

Ja, ich spiele mit meiner Dom ausnahmslos im Metakonsens. Ich würde es nicht anders wollen und finde dies auch -für mich- im TPE essentiell. Ich weiß aber, dass das Prinzip vom Metakonsens sich in der Praxis doch sehr von der Theorie unterscheidet. Während -theoretisch- alles erlaubt ist, bleiben praktisch doch einige Praktiken, die bei beiden Personen keinen Reiz finden, davon unberührt. Ebenso liegt es meiner Dom fern, mir langfristig oder intensiv zu schaden, sodass mein Wohlergehen eben auch von Wichtigkeit ist. Es ist eher das Mindset, dass alles möglich ist, dass hierbei den Reiz ausmacht. Trotzdem ist das D/s im Metakonsens kein verstecktes SSC, weil eben bewusst Vorlieben und Fetische des dominanten Gegenübers angegangen werden, die Sub vielleicht wenig oder gar nichts bringen und ausschließlich einer Person Befriedigung verschaffen. Dabei zählt eben kein „keine Lust“. Gesundheitliche Gründe der Nichtauslebung finden aber sehr wohl Beachtung. Also: Ja, ich habe so gesehen keine Limits, praktisch decken sich die wenigen Limits mit denen meiner Dom, sodass sie quasi nicht zur Sprache kommen müssen.

6. Wie sieht dein Alltag im TPE aus? Wie ist dein Tagesplan? Welche Dienste erfüllst du? Welche BDSM-Bereiche bleiben weitestgehend unberührt?

Der ist nicht gleich und richtet sich eben vollständig nach meiner Dom. Mein letztes TPE sah zum Beispiel wie folgt aus: Ich habe mich nach dem Aufstehen um das Frühstück gekümmert, meine Kleidung und meine Frisur den Wünschen meines Doms angepasst und wesentliche alltägliche Regeln eingehalten. Ich ließ auf einer Feier mein Essen und mein Getränk auswählen, schlief in Fesselung und diente an einem Abend mit bei einem Zusammensitzen mit einem Freund.
Letztendlich ist es mir im TPE wichtig, meine Gedanken danach zu richten, was mein Gegenüber wünscht, sodass ich keine weiteren Entscheidungen, außer „Wie könnte ich meine Partnerin bereichern?“ treffen muss. Es gibt also für mich keinen festen Tagesplan, auch wenn sich manche Regeln und Gegebenheiten von TPE zu TPE wiederholen.

Mein sonstiger Alltag außerhalb den TPEs verläuft aus einer Kombination aus Partnerschaft auf Augenhöhe, mit der letzten Entscheidungsgewalt einer D/s-Dynamik.
Unberührte Bereiche im BDSM sind aktuell die der finanziellen Kontrolle und der Zuführung, weil das Interesse der Auslebung bisher anderen Vorlieben unterlag. Denke ich. Ich stelle meiner Partnerin frei, mich an dieser Stelle zu korrigieren. 😀 Und vielleicht die eine oder andere sadistische Praktik, für die einfach das Hilfswerkzeug fehlt. Ich denke aber, wir decken jeden einzelnen Buchstaben des BDSM sehr gut ab.

7. Decken sich deine Vorstellungen mit der Umsetzung zum Thema 24/7? Was wünschst du dir? Was wünscht sich dein*e Partner*in?

Vorstellungen und Umsetzung sind jetzt nicht zwingend kongruent, aber haben viele Überschneidungen. Wenn es nach mir geht, dann würde ich wohl immer „mehr“ wollen und ich bin sicher, dass sich auch noch einige Dinge verändern und erweitern werden, aber das, was bisher steht, passt auf jeden Fall zu meiner Vorstellung. Ich bin jedenfalls gespannt, was noch so möglich ist und was gewünscht wird. Letztendlich liegt dies auch nicht in meiner Entscheidungsgewalt, sodass ich dies auch respektiere.
Ich denke, meine Partnerin sieht das ähnlich. Andernfalls findet ihr ihre Ansicht als Edit unter dem Beitrag, haha.
Also, was wünsche ich mir, wenn wir bei wünsch-dir-was-wären? Vielleicht mal einen Wochenplan. Den gab es bereits vor einigen Wochen und der lief soweit und hat mir viel Freude gemacht.

8. Wirst du belohnt? Falls ja, wie? Wie läuft Aftercare bei dir ab?

Das Konzept von Belohnungen, kann ich jetzt wohl subjektiv interpretieren. Ich erhalte immer lobende Worte, wenn ich etwas gut erledigt habe und das ist für mich stets ein Genuss, auf den ich ungern verzichten würde, weil mir Feedback sehr wichtig ist. Für mich persönlich ist ein Lächeln oder ein „Das hast du gut gemacht“ schon Belohnung genug. Andererseits empfinde ich so ziemlich jede kleine Aufmerksamkeit im Alltag, die BDSM-Bezug hat (ein Griff an den Hals, eine Ohrfeige, eine Aufgabe, etc.) als belohnend, sodass ich nicht zwingend diese Handlungen nach einem Lob brauche. Ich wäre aber einem festen Belohnungskonzept, und sei es nur eine Süßigkeit, die ich gern mag, bei einer bestimmten regelmäßigen Erfüllen einer Aufgabe nicht abgeneigt. Zum Beispiel.

Aftercare besteht bei mir meistens aus Kuscheln, etwas Flüssigkeit, vorzugsweise als Dominuskuss und einer sättigenden Mahlzeit. Damit fahre ich sehr gut und das genieße ich.


Damit sind wir am Ende. Needies Interview findet ihr hier:

https://neediesblog.wordpress.com/2019/12/01/interview-mit-madeforhisbehavior/amp/?__twitter_impression=true

Meine Zweifel zum Kink: Erniedrigung/Demütigung

Hallo meine lieben Leser! Lang ist es her, dass ich mich zurück melde. Ich hatte irgendwie ein kleines KreaTief und mit meinem neuen Nebenjob und dem Studium ist mein Zeitplan relativ eng. Besonders mental nimmt das ziemlich viel Raum in mir ein. Entschuldigt also bitte meine Abwesenheit der letzten Wochen.
Denn nun bin ich in voller Stärke wieder zurück! (was vielleicht auch dem Glühwein vergönnt ist, aber das bleibt unter uns)

Heute ein Beitrag zum Thema Erniedrigung: Was erniedrigt mich, welche Demütigungsgesten reizen mich und was ist eigentlich mein allgemeines Problem mit dem Wort Erniedrigung?
Wie immer gilt: jeder lebt sein BDSM und ich weiß, dass meine Issues zu dem Thema für andere schon ein gänzliches NoGo wären. Jeder hat andere Belastungsgrenzen und während Sub1 sich nach einem 20-Mann-Gangbang, geohrfeigt, angepisst, beschimpft und liegengelassen erniedrigt fühlt, ist Sub2 schon durch ein „meine kleine Schlampe“ gedemütigt. Ihr seht? Demütigungen sind facettereich und jeder entscheidet für sich, ob und wie dies Teil seines/ihres BDSM sein möchte.

Nun aber, viel Spaß beim Lesen!


Die drei Säulen der Erniedrigung

Lange musste ich mir Gedanken machen, wie ich Erniedrigung und Demütigung überhaupt für mich definiere. Ich habe das Problem, dass ich viele Gesten, die erniedrigend für die Sub sein sollen, nicht als erniedrigend wahrnehme. Warum? Nun, mich macht das Geschehen eher an oder stärkt gar mein D/s-Mindset. Aber wirklich gedemütigt fühle ich mich von den bekanntesten und am häufigsten verwendeten Erniedrigungsgesten nicht.

Ich habe also festgestellt, dass ich Demütigungsgesten in 3 Säulen aufteilen kann, von denen mir zwei der drei Säulen einen Mehrwert geben, aber nur eine Säule mir das Gefühl von Erniedrigung im BDSM-Kontext gibt, das ich mir wünsche.
Ich löse diese einmal für euch auf:

Demütigungsgesten, die mich „nur“ anmachen, ohne dass ich mich erniedrigt fühle
Demütigungsgesten, die genau das richtige Maß Erniedrigung schaffen, ohne psychischen oder physischen Schaden an mir zu hinterlassen
Demütigungsgesten, die mich wahrlich kränken, verletzen oder langfristig negative Auswirkungen auf mich und/oder meine D/s-Beziehung haben

So, welche Gesten sind in der Theorie erniedrigend, verfehlen aber bei mir in der Praxis diesen Effekt? Das wären alle verbalen Kosenamen, die es im Dirty Talk zu benennen gibt:
jedes „meine kleine Schlampe“, lässt mich innerlich mit einem wohligen Schnurren zurück und ein „verdorbenes Miststück“ ist für mich mehr Kompliment, als Demütigung.
Vorführungen demütigen mich nicht.
Ohrfeigen demütigt mich nicht. Anspucken demütigt mich nicht.
Beschriftungen eben so nicht. Aufnahme von Videomaterial nicht…
Ich könnte die Liste endlos fortführen. Alles, was in der Theorie die Sub erniedrigen soll, schenkt mir nicht einen Funken Erniedrigung. Im Gegenteil. Ich fühle mich wie auf ein Podest gehoben und als wäre ich dort, wo ich im D/s ankommen möchte.

Und ich weiß, dass das der Punkt ist, wo viele anders denken, als ich. Wird Demütigung real und greifbar, dann sollte man aufhorchen.

Ich bin aber leider nicht „viele“ und suche eben genau die Prise Demütigung, die mir doch einen sanften Stich in mein kleines Herz piekst.
Denn das… das würde mich irgendwie beeindrucken. Das würde bedeuten, dass jemand meine emotionale Lage für den Moment besser kennt, als ich die meine und ich etwas nicht in meinem Gedankenspektrum habe. Und genau das ist es, was mich reizt. Mich reizt der Faktor, dass jemand meine Emotionen beherrschen kann, ohne dass ich daran kaputt gehe.
Aber gut, ich schweife ab. 😉

Gesten, die mich nachhaltig kränken, kann ich auch klar benennen und auf jene sollte verzichtet werden, wenn man mit mir eine langfristige und stabile Bindung führen möchte:
Ich möchte nicht wie der Abfall der Gesellschaft behandelt werden. Ich möchte nicht mit Obdachlosen schlafen müssen. Und ich möchte nicht gesagt bekommen, wie abartig fett und hässlich ich sei.
Ja, ich weiß, es gibt Personen, die suchen genau das. Ich jedenfalls nicht und jegliche Versuche dieser Art würden auf taube Ohren oder meiner massiv gekränkten Person resultieren.

So, was ist nun also die goldene Mitte?

Das wäre dann Säule Nummer 2. Die Säule, die mir wirklich ein kleines Zähneknirschen beschert und mich innerlich grummeln lässt, weil diese Art der Erniedrigung wirklich etwas in mir bewegt. Aber mich die Umsetzung am Ende mit Stolz zurücklässt, weil es eben nur Teil der aktuellen Situation ist und nicht mein Wesen dauerhaft kränken soll.

Und diese Art der Erniedrigung suche ich noch. Ich weiß, es gibt sie, denn ich habe sie schon erlebt, aber mir fehlen die Erfahrungen und Referenzen.
Ein Beispiel wäre, dass eine außenstehende Person (außerhalb meiner D/s-Beziehung genügt dabei schon) das Bestrafen für meine Partnerin übernimmt. Das lässt mich innerlich knurren, denn diese Person hat für einen Augenblick eine Macht über mich, die ich ihm nicht erteilt hätte. Nicht für das Strafen.
Das lässt meinen Blick senken und mich still ertragen, auch wenn in mir ein kleiner Orkan tobt. Und wenn es vorbei ist,… dann ist es eben vorbei. Nichts. Es schadet mir nicht langfristig, sondern erniedrigt nur im Moment.

Jedenfalls ist es diese Art der Erniedrigung, die ich suche.
Ich habe Szenarien im Kopf, die sich wahrscheinlich in diese Säule mit einreihen lassen, aber das… das muss ich erst erproben!

EDIT1 In einem Twitter-Gespräch ist mir eine weitere Interaktion für die besagte, von mir so sehr gesuchte, zweite Säule eingefallen. Es sind Sätze, wie:
„Du bist doch sonst so schlau, dann wirst du das doch jetzt schaffen.“
denn das sind Erniedrigungen, die irgendwie meinen Ehrgeiz wecken, auch wenn es ein kleiner Seitenhieb ist.

Erzählt mir, wie das bei euch ist!

Meine Grenzen und Ich

Hallo meine lieben Leser! Heute melde ich mich mit einem Beitrag zurück, der mir schon ein ganzes Weilchen im Kopf herumschwirrt. Auslöser war ein Tweet meinerseits, dass ich Personen beneide, die Tatsächlich einmal dieses Gefühl erlebt haben, dass im BDSM eine Grenze verschoben wurde. Ich habe darüber nachgedacht und möchte genau darüber schreiben.
Ich berichte in diesem Blog über meine Grenzen, über das Verschieben von Grenzen und ob ich meine Grenzen denn überhaupt verschieben möchte.
Wieder einmal sehr persönlich, denn mein Weg muss nicht euer Weg sein.
Mein BDSM ist nicht euer BDSM.
Berichtet mir gern von euren Erfahrungen. Ansonsten gilt wie immer:
Viel Spaß beim Lesen!


Die Sache mit den Grenzen

Der aufmerksame Leser weiß, dass ich D/s-mäßig im Metakonsens unterwegs bin.
Ich verzichte somit auf ein Safeword und habe so gesehen auch keine Hard-Limits.
Das ist die Theorie. Die Praxis sieht natürlich ein bisschen anders aus:
Auch im Metakonsens gibt es bestimmte Praktiken, die wahrscheinlich einfach niemals angerührt werden. Das kann verschiedene Gründe haben:
Sie sind beispielsweise zu gefährlich und weder Dom, noch Sub können und wollen das Risiko dafür eingehen. Oder sie liegen einfach nicht im Bereich der Vorlieben des dominanten Parts. Ich habe das Glück, dass sich die Dinge, die für mich -außerhalb des Metakonsens- ein absolutes NoGo wären, mit denen meiner Dom, die für sie nicht praktizierbar sind überschneiden.
Somit werde ich wohl nicht in die verzwickte Lage geraten, dass ich da jemals in einen Konflikt mit mir selbst und meiner Beziehung kommen muss.

Wie bereits geschrieben, ist Metakonsens eben auch frei von allen Grenzen.
Mich beschäftigt nun also die Frage:

Kann im Metakonsens -einer Spielart ohne Grenzen und Limits- überhaupt eine Grenze überschritten werden?

Zurück an den Beginn meiner Reise

Bevor ich meine Partnerin kennen lernte, hatte ich zwar Berührungspunkte mit BDSM, allerdings lagen die alle in meinem Interessenbereich. Ich habe also nur Dinge erlebt, von denen ich mir vorher sicher war, dass sie mir wahrscheinlich zusagen. Zugegeben, ich hatte wenig Ahnung, was mir gefällt, doch ich hatte ebenso nur eine geringe Vorstellung von dem, was ich nicht ausleben möchte. Oder um es besser zu sagen: die Dinge, die ich nicht ausleben wollte, decken sich noch heute mit den Dingen, die für mich nie in Frage kommen würden.

Ich weiß nicht, ob man es als Grenze werten kann, dass ich ursprünglich sagte, dass ich -wahrscheinlich- beispielsweise mit Bloodplay nicht viel anfangen kann. Da ich aber bereits am ersten Abend von mir aus um diese Erfahrung gebeten habe, war das wahrscheinlich doch weniger eine Grenze, als ich mir das vorher eingeredet habe. Zumindest entsteht in mir nicht dieses „Ja, ich bin über mich hinausgewachsen und habe meine Grenzen verschoben“-Gefühl.
Ähnlich ist es bei der Sanktion „Cornertime“. Ich hatte das eine Weile als einziges Soft-Limit definiert, weil ich zu diesem Zeitpunkt in einem sehr schlechten psychischen Zustand war und ich einfach wusste, dass es mir mehr Schaden als Nutzen bringt. Ich wusste aber auch, dass es wieder möglich ist, sobald es mir wieder besser ging. Heute kann ich es definitiv von meiner Limit-Liste streichen, auch wenn ich diese Art der Sanktion bisher noch nicht erlebt habe. Ich persönlich denke, dass das bewusste Vermeiden einer Praktik -aus gesundheitlichen Zuständen- in meinem Fall keine Grenze darstellt.

Noch einmal eine Anmerkung: Bedenkt bitte, dass ich hier meine eigene Sichtweise auf meine Erlebnisse darstelle. Ich würde mir nicht anmaßen, euch eure Erfahrungen abzusprechen, wenn ihr in einer ähnlichen Lage wart und das Geschehene als „Grenzen erweitern“ wertet. Das ist vollkommen legitim, nur ich persönlich empfinde das eben für meine Erlebnisse anders – und ich denke, das ist ebenso legitim.

Neugier

Ich stehe grundsätzlich vielen neuen Praktiken neugierig gegenüber und möchte am liebsten eine Vielzahl an Kinks mindestens zwei Mal austesten, bevor ich mir eine Wertung über sie erlaube. Meine Vorlieben sind auch sehr breit gefächert. Allerdings musste ich mich bisher zu keiner Praktik irgendwie… bewegen. Im Gegenteil. Oft bin ich die Person, die sagt: „Ich würde total gern xy austesten“ und schneller die Amazonbestellung tätigen kann, als sie gucken kann. Ich habe das Glück, dass meine Partnerin schon unendlich viel Erfahrung im BDSM-Bereich hat und mit fast jeder Praktik irgendwie Erfahrung nachweisen kann. Das gibt mir letztendlich ja auch ein gutes Gefühl von Sicherheit.

So what? Ich kenne meine Grenzen noch nicht. Ich war noch nicht an dem Punkt einer Session, wo ich sagte: „Ich kann nicht mehr“ und meine Partnerin mir liebevoll sagte: „Noch ein paar mehr.“ und ich so über meine Grenzen ging. Da war ich einfach noch nicht und ich weiß auch nicht, ob ich da in nächster Zeit irgendwann landen werde. Ich habe schon so viel gemacht und ich habe noch so viel zu erleben, dass das bestimmt irgendwann einmal passieren wird. Aber ich genieße auch das Gefühl, meine Grenzen noch unentdeckt zu haben – wahrscheinlich genau so viel, wie die Subs, die bereits Grenzerfahrungen sammeln durften.

Grenzüberschreitung – bin ich wirklich so scharf darauf?

Die Antwort? Ja und Nein. Ja, ich möchte irgendwann meine Grenzen innerhalb von Praktiken kennenlernen, die mir und/oder meiner Partnerin zusagen und dabei ein bisschen über mich hinauswachsen. Das werde ich -wie oben beschrieben- sicherlich auch irgendwann erleben.

Nein, nicht innerhalb der wenigen Sachen, die für mich überhaupt nicht in Frage kommen. Diese Grenzen habe ich bewusst so gesetzt und die will ich einfach nicht überschreiten. Niemals. Auf keinen Fall. Das würde alles zerstören. Mich, meine Partnerschaft und was noch viel schlimmer ist: vielleicht ein Lebewesen, was mir gar nicht den Consent für Handlungen jeder Art geben kann.
Das sind Grenzen, die ich nie, nie und ich meine NIE überschreiten werde.
Ich werde also niemals ein Mensch sein, der seine wenigen Hard-Limits überschreitet. Das wird nicht passieren. Und wenn das vielleicht der Preis dafür ist, dass ich niemals „Grenzerfahrungen“ erlebe, dann zahl ich diesen sehr gern.

Ein paar letzte Worte

Man sollte nicht vergessen, dass dieses „Grenzen im Einvernehmen und behutsam überschreiten“ kein Muss im BDSM ist. Es ist vollkommen legitim, wenn dies für euch gar nicht in Frage kommt und ihr z.B eure Schmerzgrenzen niemals kennen lernen wollt. Oder wenn euer Dom diese nicht antesten möchte. Das ist legitim und macht euer BDSM nicht schlechter, als andere BDSM-Partnerschaften.
Oftmals unterteilen viele BDSMler ihre Grenzen in Soft- und Hardlimits, wobei erstere unter bestimmten Umständen aufgehoben werden, letztgenannte Limits aber auf ewig bestehen bleiben. Diese Hardlimits bleiben auch bei mir bestehen und sind ebenso die Hardlimits, die sich mit denen meiner Partnerin überschneiden.
Und meine Soft-Limits? Nun, die Liste bei Fetlife, wo man diese eintragen kann, die sind leer. Die habe ich nicht. Es gibt bei mir also keine Grenzen, die man eventuell aufweichen kann. Vielleicht lerne ich eines Tages noch eine Praktik kennen, an die man mich sanft hernführen kann. Vielleicht fällt mir beim Lesen eurer Kommentare sogar eine ein, die für mich diesbezüglich in Frage kommen würde.
Ich bin gespannt.