Dominanz – Und ob ich schon wanderte, im finster’n Tal…

Hallo meine lieben Leser! Ich mach es kurz: heute habe ich nur eine Schreibaufgabe für euch, die ich gerade frisch meiner Dom präsentiert habe. In einer Ask-Antwort aus dem Jahre 2015 beschrieb ich ihre Art der Dominanz. Ein Desaster in etwa 100 Worten. Nun hatte ich Gelegenheit dies zu aktualisieren und das ist das Ergebnis. Wer also ein Problem mit Metaphern, ein bisschen Eierkraulen der Dom oder langweilig-deepen Textaufgaben im D/s hat, der darf diesen gern überspringen.
Allen anderen: Viel Erfolg beim Durchhalten.

Irrlichter. Ignis Fatuus.
Irgendwie ist dies die erste Assoziation, die ich zu deiner Dominanz habe und ich versuche dieses Wort in all seinen Facetten zu erklären.
Hätte man mich im Jahre 2017 gefragt, wie ich deine Dominanz charakterisieren würde, dann wären diese Zeilen sehr leer. Finster. Mich trieb nur eine müde Erinnerung an. Und meine Hoffnung. Doch in meiner Vorstellung war Dominanz das, was die Wissenschaft in den Irrlichtern sieht.
Nicht existente Phänomene. Nüchtern erklärbar. Eine objektive Theorie, die dem ganzen die Magie nimmt.
Das war auch lang das, was mich frustrierte. Ich wusste, da ist diese Magie, immerhin habe ich sie ja bereits selbst erlebt. Und doch durfte ich nur diesen Worten um die eigene Magie lauschen – mit dem Wissen, sie wohl selbst nicht zu erleben. Frustriert las ich Ankündigungen zu geplanten sexuellen- oder BDSM-lastigen Handlungen auf Twitter – wohl wissend, sie werden nicht passieren.

Ich fühlte mich wie…

ein Wanderer, der sich auf die Suche, in die Sümpfe begab, um dort nach Irrlichtern zu suchen. Er suchte, schlug eine andere Richtung ein, las Spuren und fand sie schließlich nicht. Verlor sein Ziel aus den Augen. Und die Wissenschaft raunte ihm verlegen in mein Ohr, dass es daran nichts ändern könnte, denn so sehr er sich auch anstrengte – Irrlichter sind nur optische Fehlwahrnehmungen, egal wie sehr und stark man nach ihnen suchen würde. Es liegt einfach nicht in seiner Macht dies zu ändern.

Und so fühlte ich mich. Ich konnte Interessen und Ideen bekunden, Bücher mit Aufgaben kaufen, um Inspiration zu schaffen. Ich konnte mir meine Regeln und Aufgaben sogar selbst zusammen schreiben und wollte nur, dass man mit dem Finger auf eine Aufgabe zeigt – egal wie viel Einfluss ich auf die Dominanz und ihr Erblühen nehmen wollte – ich hatte keines.

Der schwerste Moment war jener, als ich eine Aufgabe fertig schrieb – irgendwie voller Tränen. Vieler Tränen. Viel Herzblut. Und ich am Tage der Deadline und die Tage danach immer wieder an diese erinnern musste.
„Bitte vergiss nicht, sie zu lesen. „
„Bitte lass mich nicht immer wieder nachfragen müssen.“
Und ich hatte das Gefühl, ich verlor all meine Tränen. Und ich verlor auch all mein Herzblut.

Nun, nicht ganz.

Ich behielt genug Herzblut, um meinen Weg weiterzugehen. Ich würde weiterhin der Wanderer sein, der das Moor durchquert, um seine Erfüllung zu finden. Und ich würde diese Zeilen nicht schreiben, wenn ich sie nicht auch gefunden hätte. Vielleicht entsteht nur aus Tragödien etwas wahrlich großes und vielleicht ist die Geschichte unseres Anfangs eben der Beginn für etwas Großes.
Immerhin folgten auch Faust und Mephisto in Faust 1 den Irrlichtern, die ihnen den Weg wiesen.
Und vielleicht ist der Wanderer unserer Geschichte falsch abgebogen und zu tief im Moor geirrt, um überhaupt wieder auf den rechten Weg zu finden. Vielleicht war es einfach die falsche Zeit. Vielleicht der falsche Ort, um sie zu sehen.

Fakt ist, die Geschichte geht weiter: Der Wanderer gab nicht auf. Ich gab nicht auf. Der Wanderer traute den Erinnerungen an diesen Lichtertanz und ich den, an die D/s-Verbindung vergangener Tage.
Alles, was ihn antrieb, war ein kleines Bauchgefühl – und doch so mächtig, dass es sein gesamtes Handeln bestimmte. Er kehrte zurück in das Moor – mit neuer Kraft und getrieben von einem starken Hoffnungsschimmer.


Und unser Wanderer fand, was er suchte. Es war ein kleines Schimmern auf Höhe des Horizonts. Ein Glimmen, für das bloße Auge kaum sichtbar und doch so wunderschön, dass er sich angekommen fühlte. Die Wissenschaft- so erinnerte er sich- nannte Glühwürmchen als eine mögliche Theorie für Irrlichter. Und auch, wenn diese Erklärung vielleicht rational für dieses unscheinbare Leuchten plausibel war, so war es für unseren Protagonisten der Beginn von etwas Großem. Der Beginn seiner Reise und seine eigene, kleine Magie.

Ob nun Irrlichter, dessen Sichtungen wie ein kleines, unscheinbares Leuchten beschrieben werden oder Käfer, die so selbstverständlich am Nachthimmel glühen, dass ihr Leuchten in der Masse der Lichter einer Stadt untergeht. Diese Art der Irrlichter ist subtil und ein bisschen unscheinbar. So wie eine Facette deiner Dominanz. Jene Dominanz, die ich nach dieser schweren Phase zu Beginn am Anfang kennengelernt habe und auch noch bis heute liebe. Eben jene Dominanz, die eben der breiten Masse verborgen bleibt und nur für das geschulte Auge zu erkennen ist.
Es ist die Art, wie du mich ansiehst, wenn du meinen Kopf nach oben neigst, damit ich dir in die Augen schaue.
Dieser durchdringende Blick, so gleichermaßen verführerisch, dass ich stets den Drang unterdrücken muss, nicht meine Lippen zu öffnen, damit du -weiß der Teufel was genau- mit ihnen anstellst.

Die hochgezogene Augenbraue, die ich so liebe und gleichzeitig immer ein bisschen unheimlich finde, die mir sehr deutlich macht, dass meine spitze Zunge oder mein provokantes Verhalten früher oder später Konsequenzen haben wird. Vielleicht nicht die angenehmsten Konsequenzen, aber doch nichts, was dich wirklich verärgert hat. Das verrät mir dein kurzes, schmales Lächeln am Ende. Es ist subtil, wie das Glühen eines Glühwürmchens, aber es ist für mich unverkennbar und weist mir den Weg, wie auch die kleinen Gesten in deiner Mimik mir irgendwie den Weg weisen.

Mein Weg ist zum Beispiel stets rechts an deiner Seite, wenn wir in der Öffentlichkeit unterwegs sind. Für Außenstehende nicht zu erkennen – für mich eine mir bekannte Anweisung und eine vertraute Position, die mir Sicherheit in meinem Gefüge schenkt.

Lampyris noctilluca. Glühwürmchen. Fireflies.
Klein und doch schillernd.

Wie die kleinen Gesten im BDSM, mit denen alles anfing und die ich so schätze. Eine kleine Ohrfeige, die mich zurechtweist. Ein Griff an den Hals, um mich zu küssen, wenn ich versuche zu atmen.
Ein sanftes Streichen, wenn deine Hand über meinen Rücken fährt, nur um anschließend über diesen zu kratzen und deine Spuren auf meiner Haut hinterlassen. All die kleinen Gesten, die ein Schillern in meinen Alltag bringen und mir ein Gefühl von D/s vermitteln. Mir den Alltag versüßen. Mich strahlen lassen – innerlich, wie äußerlich.

Unser Wanderer setzte seine Reise fort und stieß auf eine blaue Flamme, so kühl und gleichermaßen faszinierend, dass er -ungeachtet der Beschaffenheit des Bodens in einem Moor- vor dieser Flamme Platz nahm und sie mit einem Staunen beobachtete, die ihn ein wenig frösteln ließ. Er erinnerte sich an die Stimme der Wissenschaft, die von Organismen sprach, die kaltes Licht projizieren können. Er war nicht überzeugt. Zu magisch und zu bedrohlich war dieses beißende Licht.
Und er erinnerte sich an den japanischen Namen für Irrlichter.
Ihm stockte der Atem.


Onibi. Dämonenfeuer.

Diese Art der Irrlichter ist raw, kühl und Schauder einjagend. So wie eine Facette deiner Dominanz.
Eindrucksvoll und eine Gänsehaut schenkend. Dem Impuls des Wanderern folgend, mich -unabhängig der äußeren Umstände- mich stets zu Wunsch und einem inneren Bedürfnis vor dich zu knien.
Anmutig. Ästhetisch. Und wie die blaue Flamme irgendwie ein bisschen grausam. Ein Dämonenfeuer eben.

Ich denke dabei an deinen Sadismus, dessen Perfidie nicht nur unserem Wanderer den Atem raubt, sondern oft auch meiner Masochistin.
Du genießt Schmerz in meinen Reaktionen und noch mehr genießt du den Schmerz, den man nur für dich erträgt, auch wenn man selbst kaum Lust aus ihm zieht. Ein bisschen Leid hat mir wohl noch nie geschadet und dein Sadismus gibt eben gern ein bisschen mehr davon.

Dein Sadismus lebt davon, dass er nicht fair ist. Dass er Körper und Psyche fordert. Dein Sadismus ist eine Grenzerfahrung und dein Sadismus kann auf den ersten Blick so kalt wirken, wie eine blaue Flamme es eben vermittelt. Und doch vergisst man nicht, dass Feuer eben wärmt und Generationen unserer Vorgänger schlafen ließ, weil es Sicherheit in einer dunklen Nacht mit sich bringt.

Sicherheit in der Unsicherheit. Kälte in der Wärme.
Paradoxen. Das, was dich und dein Sadismus ausmacht.

Angst empfinden können, weil Grenzspiele deines Sadismus nie Greifbarkeit vermitteln und man sich doch sicher sein kann, dass man nicht sterben wird. Zumindest nicht gänzlich oder endgültig. (Ich schreibe dies mit einem Zwinkern)

Vor Schmerzen nicht mehr können und doch mehr wollen. Sich frei fühlen können, obwohl man gerade in schweren Ketten liegt.
Torturen, die einem mit einem Gefühl der Wohligkeit zurücklassen.
Körperlich geschändet, vor Schmerzen gekrümmt und einen doch aufrecht stehend fühlen lassen. All das kann der Sadismus, das Dämonenfeuer.
Und doch kann man sich schneller die Finger daran verbrennen, als einem lieb ist. Denn nur Erfahrene spielen mit dem Feuer. Oder spielen mit Dämonen.

Erfahrene oder Narren.

Feu Follet. Narrenfeuer.

Diese Art der Irrlichter ist ohne Sinn und Verstand. Nicht deine Facette, aber stets ein bisschen von meiner, denn warum sollte man sich sonst diesem wunderschönen Wahnsinn hingeben?

Unser Wanderer beendete seine Rast, klopfte gegen seine Hose, um den inzwischen getrockneten Schlamm aus den Textilien zu bekommen. Er war müde und mitgenommen, waren diese Eindrücke doch so intensiv, dass er diese erst einmal verarbeiten musste. Er schlug sein Lager auf. Wollte sich auf seinen Schlaf vorbereiten, da vernahm er es.

Er war eingekreist. Umzingelt. Blutrote Lichtpaare blitzten in der Dunkelheit auf. Er hielt sie für die Reflexion von Augenpaaren. Die Augen von Raubtieren, doch je näher diese kamen, desto besser erkannte er seine Fehleinschätzung. Es waren kleine, helle Flammen, die ihre Kreise um sein Camp zogen. Ein Lichtertanz, dessen Schönheit ihm erst jetzt bewusst wurde.

Diese Art der Irrlichter ist animalisch, brennend und vereinnahmend. So wie eine Facette deiner Dominanz.

Unserer Wanderer fühlte sich als Beute. Gejagt. Und so fühlt sich auch meine Sub, doch interpretiert sie diese Art der Jagd stets als Begehr.
Ein knurrendes „Du gehörst mir“, Bisse, die mich als deinen Besitz markieren.
Griffe, die mich unten halten und ein Wechselspiel, dass mich dir freiwillig ausliefern lässt. Und geschieht es nicht freiwillig, dann geschieht es unter dem guten Zwang, den ich so liebe.

Blutrote Perlen. Blutstropfen. Das Elixier des Lebens, nach dem du dürstest und es dir verlangt. Zeichen auf meiner Haut. Deine Zeichen auf meiner Haut.
Dein sein.

Brennendes Verlangen wecken. Mit diesem brennenden Verlangen spielen. Mich nach dir verzehren lassen. Mich auf einen Tanz mit dir einladen, wie die Irrlichter um den Wanderer tanzen. Die Sinnlichkeit und die Ästhetik des BDSM verstehen lassen, indem jedes Gefühl von Sinnlichkeit und Ästhetik in deinen Bewegungen liegt.
Mit meiner Lust spielen und sie fördern. Sie mir verwehren.
Und all die Tiefe von D/s entzünden lassen, die so hell strahlen, dass sie alle Blicke auf sich ziehen. Denn deine Dominanz genießt Zuschauer und sie genießt es, wenn Dritte die Hingabe und dieses Feuer zwischen uns spüren können.

Der Wanderer schmunzelte. Er wusste, dass Irrlichter als Überbleibsel unglücklicher Seelen galten. Er jedoch hatte das Gefühl, mit ihnen seine Seele verbinden zu können.

…so fürchte ich kein Unglück.

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