TPE – Das unbekannte Land

Hallo meine lieben Leser!

Ich melde mich zurück aus dem Blog-War mit der werten Sarah und der lieben Needfull.
Wie auch bereits im letzten Beitrag bloggen wir heute über ein gemeinsames Thema., zudem jeder bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, nicht die Sicht des Anderen kennt. Es wird also wieder spannend, da gerade heute über ein Kink geschrieben wird, dass in BDSM-Kreisen sehr stark polarisiert. Ich weiß auch schon, dass unsere Ansichten heute etwas auseinander gehen werden. 😉

Ich verlinke euch hier noch einmal die Blogs der jeweiligen Kolleg*innen:
Needful: neediesblog.wordpress.com
SarahBlume: training-of-o.de/blog/

Und auch heute wieder: Viel Spaß beim Lesen!

TPE – eine dauerhafte Unmöglichkeit

Die drei kleinen und mächtigen Buchstaben „TPE“ stehen für total power exchange. Im Normalfall dient mein Blog nicht zur Begriffsdefinition, aber da die Definitionen hier sehr von der Einzelperson abhängig sind, nehme ich mir hierfür kurz Zeit.
Total power exchange meint im allgemeinen BDSM-Verständnis, dass Sub sozusagen alle Entscheidungsmacht an den Dom übergibt und er in alle Bereiche ihres*seines Lebens eingreift.
Sub hat für gewöhnlich keine Limits und kein Safeword. Der Spielbereich des TPEs ist also der Metakonsens.

Da ich selbst auch im Metakonsens spiele und viele das Konzept abschreckt, verlinke ich euch gern meinen dazugehörigen Beitrag, der Realität und Praxis des
„Wie, die darf ALLES mit dir machen?!“ein bisschen erklärt:

https://madeformisbehaviour.wordpress.com/2019/01/19/wie-die-darf-alles-mit-dir-machen-die-metakonsens-edition/

Nach meiner subjektiven Meinung lässt sich solch ein Zustand der kompletten Kontrolle nur über einen begrenzten Zeitraum ausüben. Es braucht quasi einen zeitlichen Rahmen und ein Ablaufdatum.

Warum?

Nun, weil komplette Kontrolle auf beiden Seiten -sowohl für Sub, als auch für Dom- ein perfektes Zeit- und Aufmerksamkeitsmanagement verlangt.
Ja, natürlich kann man entscheiden, dass Dom quasi auf Augenhöhe eigene Entscheidungen trifft und man nur ab und an mal in bestimmte Bereiche eingreift – quasi wann Dom das Bedürfnis danach hat – und somit das Machtgefälle mal sanft, mal stark vorherrscht, aber das (zusammen mit einem passenden Regel- und Aufgabenwerk) ist mein Bild von der Begrifflichkeit 24/7.
TPE hingegen lässt den Dom dauerhaft alles kontrollieren. Dom entscheidet immer, was bei Sub auf dem Speiseplan steht, was Sub anzieht, wann Sub zu Bett geht, verwaltet höchstwahrscheinlich auch die Finanzen, etc.
Und das bedarf eben einem hohen Maß an Aufmerksamkeit, denn all die Regeln, die Dom aufstellt, müssen natürlich auch kontrolliert werden und auf ihre Richtigkeit geprüft werden. Außerdem -auch wieder in meinem Verständnis- wird im TPE wesentlich akribischer und schärfer sanktioniert. Bei Fehltritten wird also wesentlich weniger ein Auge zugedrückt.

Das ist für mich ein Zustand, der auf Dauer nicht nicht tragbar ist. Kaum ein Dom verfügt über die zeitlichen und geistigen Kapazitäten, permanent Sub zu überwachen und ihr*ihm auf Schritt und Tritt zu folgen. Und selbst wenn es irgendwo einen Super-Dom geben sollte, der dies wirklich permanent kann, sollte man natürlich auch bedenken, ob dieser Dauerzustand für Sub erstrebenswert ist oder zum Beispiel nach Beenden der Beziehung nicht eine Reihe von Problemen auf die Person zukommen, wenn man erst einmal wieder lernen muss, wie ein eigenständiger Alltag funktioniert.

Wie auch immer: andere Personen, andere Beziehungen, andere Definitionen
Nicht jeder wird mit meinem Zusatz des TPEs übereinstimmen und das ist für mich auch in Ordnung so. Wer -nach meinem Verständnis- 24/7 lebt und es TPE nennt: ist letztendlich nicht mein Bier.

Wir handhaben unser total power exchange so, dass wir einen zeitlichen Rahmen dafür festlegen, indem die Aufmerksamkeit dann voll auf unserem D/s liegt oder zu einer Situation passt, die beispielsweise stark service-orientiert ist. Interesse an einer kleinen Plauderei aus dem Nähkästchen?

Das nicht ganz so unbekannte Land

Was ich euch gleich zu Beginn verraten kann: Meine ersten Versuche von TPE liefen alles andere als so, wie ich sie mir vorgestellt habe. TPE benötigt eine gewisse Planung im Voraus, denn wenn Dom spontan entscheiden muss, was Sub trägt, während diese beispielsweise gerade im Zeitstress ist, dann kollidieren da Interessen, die nicht aufeinanderpassen.
Das ist aber nicht weiter dramatisch, denn man lernt aus Erfahrungen und auch Sub passt ihre Erwartungen an, sodass kommende Erlebnisse stetig besser laufen können und Spoiler: das sind und werden sie auch.

Inzwischen ist es so, dass mein aktuelles Regelwerk zu solchen Momenten einen Tag vorher umfassend erweitert wird. Ich erhalte also etwa 15-20 Extraregeln, auf die ich mich schon vorher einstimmen kann, sodass ich auch die Chance habe, die Sache fehlerfrei zu meistern und den Erwartungen entsprechend aufzutreten. Kleinigkeiten oder letzte Feinschliffe werden dann zu den passenden Situationen besprochen. Mir ist ein grober Rahmen des Ablaufs also bekannt.

So bekam ich zum Beispiel an meinem Geburtstag dieses Vergnügen, denn das war mein Geburtstagswunsch an meine Dom. Und ich hatte einen ganz wundervollen Geburtstag. Mein Outfit wurde ausgesucht, die Gäste bestimmte meine Dom (die dank Corona natürlich sowieso stark überschaubar war) und der Fokus lag auch dank dem Mitwirken der Gäste auf dem BDSM-Thema.
Ich hatte meiner Dom stündlich ein Getränk anzubieten, wählte dazu eine vorher gewünschte Anrede. Außerdem lag mein Fokus auf dem Sercive, den ich meinen Gästen als Sub bieten konnte. Ich kümmerte mich -wie vorher gewünscht- um meinen selbstgemachten Nimm-2-Likör, der auch meine Gäste stets erfreut und meine Hand diente den rauchenden Doms als Aschenbecher.
Da auch eine weitere Sub abwesend war, ließen sich bestimmte Handlungen sogar als Team absolvieren und wir erledigten die aufgetragenen Aufgaben im unterschiedlich gefesselten Zustand. Es war wundervoll.

Ein anderes TPE fand beispielsweise zu der Hochzeitsfeier eines befreundeten Paares statt. (für die aufmerksamen Leser von Twitter: die Hochzeit der Braut und des Bräutigams, die auch an meinem Geburtstag anwesend waren und selbst kinky unterwegs sind)
Die Braut übernachtete vor der Hochzeit bei uns und ich hatte mich am Morgen um das Frühstück zu kümmern. Meine Dom wählte mein Outfit aus und ich bekam Anweisungen für den Tag über. So war es beispielsweise meine Aufgabe, das Event über stets an ihrer rechten Seite Platz zu nehmen und auch auf dieser zu laufen. Beim gemeinsamen Essen im Restaurant suchte sie mein Menü aus und bestellte diesen auch für mich.

Ja, ich kann nicht leugnen, dass ein „Und für sie die Nummer 94, bitte“ mein kleines Herz höher schlagen lässt. Hach. Ich liebe diese Art der Fremdbestimmung. Oh – und ich war natürlich auch mit Liebeskugeln unterwegs. Eine wirklich gelungene Feier, sowohl für das Brautpaar, als auch für uns. Die Beiden waren übrigens in das TPE eingeweiht.

Der Reiz

Wer D/s genießt, wird den Reiz der Fremdbestimmung verstehen können und wer bereits einmal in den Genuss des TPE kam (und dies natürlich auch möchte), der wird absolute Fremdbestimmung lieben. Der Fokus liegt auf der Sub und ihrem Erleben, während Sub ihren kompletten Fokus auf Dom und dessen*deren Wohlergehen legt. Es ist ein unglaublich befreiendes Gefühl, banale Entscheidungen wie die Frage nach dem heutigen Essen an jemandem abzugeben und sich dabei ganz den Bedürfnissen des Gegenüber anzupassen.
Außerdem bin ich eine kleine Attention-Whore. Ich liebe Aufmerksamkeit. Und ich liebe es, wenn man permanent ein Auge auf mich hat und mich mit Aufgaben fordert.

Ernsthaft, die Sub in mir seufzt gerade sehnsüchtig. Das ist für mich ein purer Genuss. Einfach rund um die Uhr für meine Dom da sein und zu wissen, dass das eben auch gerade gewollt ist und im Zentrum des Geschehens steht. Ich denke, es ist zu vergleichen mit einem Aufenthalt in einem BDSM-Appartement gegenüber einer Session. Man weiß eben, wenn man dort anreist, dass BDSM das Hauptgeschehen und einen großen Teil der Zeit einnehmen wird. Und so verhält es sich auch mit dem TPE und dem D/s-Machtgefälle.

Ein Kommentar zu „TPE – Das unbekannte Land

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