EPE: Fluch oder Segen?

Hallo meine lieben Leser!
Ich melde mich zurück! Heute startet der Blogmarathon mit zwei weiteren Twitter*innen und ich wurde herzlich eingeladen, an diesem Dreier teilzunehmen 😀
Die liebe Sarah traf die Themenauswahl und Needful, aus dem letzten Beitrag, ist auch wieder mit am Start. Wer neugierig ist: wir bloggen in regelmäßigem Abstand zum gleichen Thema, wissen aber vorher nicht, was die Anderen geschrieben haben. Es wird also eine bunte Überraschung und ich bin gespannt, was die jeweiligen Kolleg*innen für geistige Ergüsse fabrizieren werden.

Ihre Blogs findet ihr hier:
Needie: https://t.co/IEW51XxeOW?amp=1
Sarah Blume: https://t.co/dNsQjDnAMF?amp=1

Damit sind wir beim heutigen Thema: EPE – Erotic Power Exchange
Viel Spaß beim Lesen!


Erotic Power Exchange?

Zuerst einmal: Ich kannte den Begriff, bevor ich ihn auf dem Blog von Sarah und ihrem Ex las, gar nicht. Klar, TPE war mir geläufig (hier ein kleiner Spoiler: Im nächsten Blogpost wird dazu sogar etwas aus dem Nähkästchen geplaudert), aber EPE wirkte für mich erst wie der Versuch, eine entschärfte Version dessen zu finden und trotzdem diese -in meinen Augen- mächtig konnotierten Wörter „power exchange“ zu gebrauchen. Nein, ich spreche niemandem diese Form des BDSM ab – lebe ich sie ja irgendwie selbst, aber ich bin mit der Begrifflichkeit eben nicht so glücklich.
Denn auch, wenn man es mir nicht anmerkt: Ich habe für die meisten Begriffe meine eigene Definition, toleriere aber eben auch fremde Definitionen, solange meine eben auch toleriert wird.
Egal, ich schweife ab.

EPE ist also die komplette Kontrolle über den erotischen Bereich des BDSM und des Lebens. So gesehen umfasst meine D/s-Bezeichnung also auch EPE, denn meine Dom hat die Kontrolle über meine Orgasmen und hat auch das Recht, über zukünftige Sexualpartner oder mein Sexualverhalten entscheiden zu können. Ich bin natürlich gern für Korrekturen offen, aber in meinem Verständnis ist damit die komplette Erotik abgedeckt, oder?

Und in meinem Verständnis sind somit auch die meisten, mir bekannten D/s-Beziehungen EPE, gerade da viele auch ein monogames Verhältnis bevorzugen und bei Orgasmen um Erlaubnis gefragt werden muss. Somit lässt sich EPE in eine solche Beziehung sehr einfach integrieren.

Spannend wird es aber auch in zum Beispiel meinem Fall: Polybeziehung und EPE. Was passiert also, wenn zum Beispiel ein Orgasmusverbot mit dem zweiten Beziehungs- oder Sexualpartner einhergeht? Und noch spannender wird es, wenn ich euch jetzt erzähle, dass dies bereits passiert ist und ich meine Erfahrungen mit euch teilen kann.

EPE: Fluch oder Segen.

Polyam und EPE

Nun, bei mir ist das einfach: Die Regeln meiner D/s-Beziehung gelten über die Wünsche eventueller weiterer Partner hinweg. Das war zu Beginn meiner D/s-Partnerschaft MEIN Wunsch und ich werde ein Teufel tun, dass dies rückgängig gemacht wird. Immerhin genieße ich diese Macht über mich und gewinne einen erheblichen Teil meiner Befriedigung daraus.

Zusätzlich mag ich anmerken, dass meine Dom natürlich auch mein Wohl im Blick hat und nicht aus purer Willkür monatelang den sexuellen Kontakt mit einem weiteren Partner verbieten würde, wenn ich gerade glücklich und Hals über Kopf verliebt wäre.
Plus: Innerhalb unserer Partnerschaft gibt es -und das unabhängig vom D/s – so etwas wie ein Vetorecht, dass wir uns beiden gegenseitig eingestehen. Bestimmte Personen oder Praktiken dürfen also, einzeln oder dauerhaft, begründet dem anderen verwehrt bleiben, wenn eben ein Problem oder ein ungutes Gefühl vorherrscht. Man nimmt dann einfach Rücksicht auf die Gefühle des Anderen, kann sich aber im Gegenzug auch sicher sein, dass dieses Vetorecht eben nicht missbraucht wird.

Überträgt man dies nun aber auf die D/s-Beziehung, so macht es mir eben gleich doppelt wenig aus, wenn es irgendwann einmal dazu kommen sollte, dass ich beispielsweise keinen Sexualkontakt mit einer Person haben darf. Immerhin habe ich diesen Gegebenheiten auch doppelt zugestimmt.

Unangenehmer wird es dann, wenn ich bereits einen weiteren Partner habe, mit dem ich schon Jahre zusammen bin und sich urplötzlich etwas an unserem Sex ändert, weil die D/s-Beziehung das eben so möchte.
Ich hatte beispielsweise vor ein paar Jahren ein mehrmonatiges Orgasmusverbot mit unbekanntem Ende. Insgesamt streckte sich diese Zeit über 6 Monate. Während mich dieses nur an einzelnen Tagen frustrierte, durfte ich ja noch weiterhin Sex oder BDSM-Sessions haben, war dies für meinen damaligen weiteren Partner anscheinend eine große Umstellung.

Ich kann hier nur meine Einschätzung wiedergeben und möchte nicht für ihn sprechen. Was ich aber für mich sagen kann ist, dass die Qualität meines Sexlebens mit ihm massiv abgenommen hat.
Statt kreativer, intensiver Akte wurde ein kurzes Rüberrutschen daraus, indem es eben ausschließlich um seine Befriedigung ging, war meine durch das Orgasmusverbot anscheinend in den Hintergrund gerückt. Das ist insofern schade, dass mir mein eigener Orgasmus nie wirklich wichtig war und ich vieles auch hätte so genießen können, aber man weiß eben nie, was das mit dem eigenen und anderen Mindset macht.
Ich weiß aber auch, dass es dieses eine Erlebnis gab, indem er sich von diesem Verbot geradezu gechallenged gefühlt hat und unbedingt einen Orgasmus meinerseits provozieren wollte.
(was nicht funktioniert hat, weil ich dieses Verhalten als respektlos gegenüber den Regeln meiner D/s-Beziehung empfand und man dann eben so gut im Bett sein kann, wie man will…)

Mir war das damals gar nicht wirklich bewusst. Ich wusste nur, dass ich eben weniger Interesse an Sex mit ihm bekam und entsprechend auch weniger Sex hatte.

So gesehen war das EPE in diesem Fall wohl Fluch. Ein Fluch, der mir aufzeigte, dass dies eben auch viel Kommunikation mit eventuellen Partnern benötigt, die einfach nicht gegeben war.

Die liebe Graysexualität

Wie die meisten meiner Leser wissen: Ich bin graysexuell. Ich habe keine wirklich normale Sexualität. Ich verspüre nur selten so etwas wie sexuelle Anziehung und -wenn überhaupt- dann auch nur bei Beziehungspartnern. (aber da eben auch nicht immer, sonst würde ich mich eher mit „demisexuell“ labeln, aber genug der ganzen Mikrolabels jetzt)

Ich habe zur Zeit etwas Glück und werde 2020 vergleichsweise häufig mit dem Gefühl von sexueller Anziehung und Libido beschenkt. Drückt mir mal die Daumen, dass das so bliebt, denn ein gewisses Gefühl von Normalität in dem Bereich ist tatsächlich irgendwie einfach und befreiend.
Wie auch immer…

Früher dachte ich, dass EPE keinen großen Einfluss auf mich haben wird. Dank meiner Sexualität habe ich wenig Interesse an meinen eigenen Orgasmen. Orgasmuskontrolle war also ganz nett, aber man kann nur bedingt etwas nachtrauern, was man nicht vermisst. Und sonst?
War es für mich irgendwie einfach. Es nahm mir die Entscheidung ab, mich mit meiner Nicht-Lust zu beschäftigen. Statt jeden Tag frustriert zu sein, warum mein sexuelles Interesse nur wenig bis gar nicht vorhanden ist, war dies durch das EPE irgendwie egal. Immerhin lag es eh nicht in meiner Macht zu entscheiden, wann es sexuelle Handlungen oder Orgasmen gab. Es war nicht weiter von Bedeutung, wenn ich keine Anziehung verspürte, aber gerade benutzt werden sollte, denn der Fokus lag dabei nicht mehr auf meiner verkorksten Sexualität. Es war wunderbar. Ein Segen.

Wahrscheinlich können das nur die wenigsten nachvollziehen, aber es nahm mir irgendwie den Druck und ich denke, dass das auch dazu beiträgt, dass ich heutzutage öfter Mal mit einer Libido gesegnet bin. Was gut ist, denn plötzlich kann ich sogar mal um meinen Orgasmus bitten oder gar betteln, was sonst eben undenkbar gewesen wäre. Und ja, ich genieße das.

Jedenfalls: Wie auch meine Dom Sexualpartner verbieten kann, so kann sie natürlich auch sexuelle Handlungen mit einer Person anordnen. Da ich Personen gegenüber, die nicht meine Dom sind, quasi gar keine sexuelle Anziehung verspüre, egal wie optisch schön oder perfekt vorliebentechnisch harmonierend diese Person für mich wäre, ist das EPE hier ein gutes Hilfswerkzeug, um eben doch eine sexuelle Beziehung zueinander herzustellen. Denn Spaß am Passierten habe ich auch ohne das Gefühl der Anziehung.

Fakt ist also: EPE ist für mich -wie so viele ambivalente Dinge- Fluch und Segen zugleich, nur empfinde ich den Fluch-Teil als weniger gewichtend (zumindest für mich! :D)
Ich mag das nicht missen. Ich liebe fremdbestimmte Sexualität.

Hach.

2 Kommentare zu „EPE: Fluch oder Segen?

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