Bin ich eine gute Sub? Wer definiert das?

Hallo meine lieben Leser! Heute melde ich mich mit einem Beitrag zurück, zu dem mich der werte @EmEmBDSM auf Twitter inspiriert hat. Er wird übrigens den passenden Beitrag „Bin ich ein guter Dom?“ auf seinem Blog auf http://training-of-o.de/blog/ veröffentlichen.

Dieser Text ist mal wieder ein subjektives Geschreibsel aus meiner Sichtweise. Ihr solltet die Vorwarnung ja inzwischen bereits kennen.

Ich werde mich heute mit der Frage beschäftigen, ob ich eine gute Sub bin und dazu einige Sichtweisen zu Rate ziehen. Viel Spaß beim Lesen!


Die gute Sub – eine Internetanalyse

Werfen wir einen Blick in das World Wide Web. Online finden sich eine Vielzahl von „How to’s“, wie man die perfekte Sub wird, wie man seinem Dom am besten dient und wie man devoter, submissiver und hingebungsvoller wird.

Eine gute Sub zeichnet sich dahingehend aus, dass hinter jedem Satz ein „Yes, Sir.“, „Danke Sir“ oder „mein Herr“ erfolgt. Man fordert nicht, sondern gibt, denkt stets vorausschauend, kümmert sich aufopferungsvoll um das Wohl und die Bedürfnisse seines dominanten Gegenübers, ohne eine Gegenleistung zu verlangen.
So in etwa lässt sich die Super-Sub im Internet zusammenfassen.

Realtalk

Es gibt Gründe, warum diese Sicht von vielen Subs eher belächelt wird. Sollte jemand in dieser Beschreibung sein Glück finden, so ist dies natürlich legitim und das möchte ich auch keinem madig reden.
Ich allerdings halte wenig von dem „Ich gebe alles und du gibst mir nichts und das habe ich dankbar entgegenzunehmen“-Prinzip.
Ja, ich gebe gern und ich gebe auch gern mehr, als von mir verlangt wird. Eine D/s-Beziehung mit mir basiert aber eben auch auf Verpflichtungen auf Dom-Seite.
Bevor ich bereit bin, mich wohlwollend und hingebungsvoll um das Wohl meines Gegenübers zu kümmern, muss Dom bei mir erst einmal Vorschuss leisten. Vorschuss, dass ich in guten Händen bin, dass man mich lesen kann und auf meine Worte achtet, dass mein Wohl wichtig ist und ich nicht nur Puppe bin, die man bei Gefallen herausholt und dann wieder wegstellt und ignoriert. Ich muss sicherstellen, dass mein zukünftiger dominanter Partner Interesse an meinem Innenleben hat und auch die nötige Zeit und das Engagement hat, sich um mich zu kümmern. Und erst, wenn ich weiß, dass mein Gegenüber keine Person ist, die ignorant, egoistisch, voller leerer Versprechungen, kein vollkommener Psychopath und was nicht alles in sich vereint, DANN bin ich bereit alles zu geben.

Bevor ich also die Kriterien einer Super-Sub im Internet erfülle, muss man mir eben zeigen, dass man auch der Super-Dom für mich ist. Und dieses Prinzip von „einer Hand wäscht die andere“ entspricht dann doch nicht dem Denken der Super-Sub. Und da ich nicht vollkommen selbstlos bin, bin ich an dieser Stelle als gute Sub raus aus der Materie. 😉

Die Sicht meiner Partnerin

Jetzt begeben wir uns aus meiner Sicht in die Kriterien, die für mich wirklich entscheidend sind: Ist meine Partnerin mit mir zufrieden? Das ist für mich stets essentiell. Ich lege wenig wert auf die Kriterien des Internets. Was meine Dom allerdings als gute Sub ansieht, das beschäftigt mich.

Vorneweg: Ich habe meine Partnerin nicht danach gefragt, ob sie mich nun als gute Sub bezeichnen würde. Ich weiß aber folgendes:

Sollte meine Dom in irgendeiner Art mit mir unzufrieden sein oder etwas zu kritisieren haben, dann würde sie das sagen.

Ich gehe also davon aus, dass – insofern keine Kritik an mich weiter getragen wird- ich meine Sache gut mache und man mit mir zufrieden ist. Zusätzlich erhalte ich eben auch Lob oder Anerkennung für das, was ich eben als Sub für sie erledige. Sanktionen und Strafen blieben mir bisher fern und ich kenne keine Grenze und keine Situation, von der ich wüsste, dass ich sie verärgert hätte oder es mit meinem Brat-Dasein übertrieben hätte. Im Gegenteil. Mir wurde immer bestätigt, dass ich als Brat den Drahtseilakt der Provokation beherrsche und ich meine Aufgaben und Regeln brav und nach all ihren Erwartungen erfülle.

Und damit ist – kurz und schmerzlos- hier auch das wichtigste für mich getan.

Eine Selbstanalyse

Unabhängig fremder Meinungen beschäftigt mich nun die Frage: Halte ICH mich für eine gute Sub? Und da ich mein schlimmster Kritiker bin, werde ich einfach einmal 6 meiner Vorzüge und 6 Contra-Argumente auflisten:

+ Ich versuche, meine Aufgaben, Regeln und aufgetragenen Wünsche nach besten Wissen und Gewissen zu erledigen. Ich bin sehr perfektionistisch und meine Erwartungen an mich sind hoch.

+ Im Zweifelsfall frage ich lieber nach, als eine Regel zu brechen. Wenn ich mir unsicher bin, scheue ich nicht zu fragen. Allerdings verstehe ich es auch, nicht jede Selbstverständlichkeit zu hinterfragen. Ich denke vorausschauend, welche Konflikte eventuell angedachte Regeln und Aufgaben haben und teile diese im Voraus mit, ohne erst eine unangenehme Situation entstehen zu lassen

+ Ich genieße es, mich für meine Partnerin nach ihren Präferenzen und Vorstellungen herzurichten. Es ist mir ein besonderes Bedürfnis, mich für sie schön zu machen, auf mich zu achten und ihr optisch zu gefallen. Ich muss mich dafür aber auch nicht verbiegen. Meine Symbole, wie Halsband und Manschetten trage ich mit Stolz.

+ Ich halte mich an das Podest und die Privilegien, die ich meiner Partnerin zugesprochen habe, bin ehrlich und kann kommunizieren.

+ Ich bin sehr kreativ und bringe auf Wunsch eigene Ideen ein. Wenn ich sehe, dass irgendetwas meine Dom erfreuen könnte, so übernehme ich auch gern einmal die Initiative.

+ Ich bin bereit, viele Facetten von mir zu zeigen, habe kaum Grenzen und lasse mich gern auf neue Praktiken ein. Ich mag „getting pleasure from giving pleasure“ und bin für eine Vielzahl von Kinks zu haben, auch wenn sie mir persönlich keine Befriedigung verschaffen, sondern ich dies für meinen Gegenüber aushalte
(Bitte beachtet, dass ich dies für mich selbst bewerte und diesen Punkt an mir zu schätzen weiß! Keine Sub ist schlechter oder weniger submissiv, nur weil sie weniger Vorlieben hat, als ich oder RACK statt Metakonsens bevorzugt!

– Ich habe hohe Erwartungen an meine Dom. Ich möchte, dass sie in meinen Präferenzen zu mir passt, sich für mein Innenleben interessiert, mir Zeit schenkt, ihre Versprechungen einhält, mich an ihrem Leben teilhaben lässt, zu mir steht und mich nicht verschweigt, mir ebenso ein kleines Podest einräumt, deine Vorlieben und Praktiken theoretisch und praktisch beherrschst, etc.
Ich drückte selbstredend mal ein Auge zu, wenn irgendetwas nicht glatt läuft, aber ich möchte meine Messlatte nicht niedriger ansetzen.

– Ich brauche Bestätigung. Ich bin keine Person, die unter starken Selbstzweifeln leidet oder konstant Rückmeldung braucht, aber ich brauche sie eben ab und an. Ich möchte wissen, dass ich Dinge gut gemacht habe. Ich möchte wissen, dass ich nicht in die Vergessenheit gerate und ich möchte auch, dass meine Submission keine Selbstverständlichkeit wird.

– Ich bin sehr stur und habe falschen Stolz. Ich wäre nicht bereit, mein Safeword zu sagen, wenn ich eines hätte. Ich kann mich diesbezüglich nicht einschätzen. Das Aushalten für mich wäre weniger schlimm als das (wenn auch nur in meiner Vorstellung) Gefühl, die Erwartungen meines Gegenübers nicht zu erfüllen. Das kann wirklich problematisch sein, denn -sind wir mal ehrlich- wenn ich meine Grenzen nicht kenne, wer soll sie dann erkennen? Das ist ein Risiko und damit muss man umgehen können. Bei masochistischen Praktiken mit einer zweiten Sub ist das umso stärker ausgeprägt.

– Ich leide unter Migräne. Ich bekomme schnell eine Blasenentzündung. Ich friere schnell, ich bin psychisch instabil. Ich werde mein Bestes tun, meine Dom zu informieren, wenn mich etwas davon beeinträchtigen könnte, aber es kann eben stets passieren. Meine Leiden beeinträchtigen eventuell ein 24/7-Gefälle. Ich bin eben nicht komplett gesund. Und ich bin eben auch Brat. Wer also mit Provokation nichts anfangen kann, wird an mir keine Freude haben, denn das ist Teil meiner Persönlichkeit, auch wenn ich diese erheblich zurückschrauben kann, wenn meine Dom eine geringe Toleranz für Aufmüpfigkeit hat.

– Ich möchte beschäftigt werden. Auch wenn ich Strecken, in denen D/s keinen Fokus einnimmt und auf Regeln und Aufgaben oder Sessions verzichtet wird aushalte und die Gründe dahinter verstehe, funktioniert dies nur eine gewisse Zeitdauer. Ich sehne mich danach. Ich kann nicht vollständig zurücktreten, Ich möchte gefordert werden und brauche dies auch, um im submissiven Mindset zu bleiben.

– Ich dulde keine weitere D/s-Beziehung, die genau so aufgebaut ist, wie meine. Ich hätte nichts gegen eine Schwesternsub, aber ich kann einfach nicht mit gleich gestalteten Dynamiken. Dabei fühle ich mich wie ein Fließbandprodukt. Das tut mir nicht gut. Dabei würde ich eingehen. Ich bin also nicht gemacht für einen Dom, der eine Ausbildung plant und schon mehrere Subs auf diese Weise ausgebildet hat.

Und nun?

Einige werden nun meinen Text lesen und sich senken: Ja, du bist eine gute Sub. Einige Leser werden den Kopf schütteln und mit mir wenig anfangen können. Das ganze Denken dahinter ist eben eines: rein subjektiv. Für eine Person werde ich die perfekte Sub sein. Vielleicht bin ich der Albtraum für einen anderen Mensch. Wichtig ist doch, dass die Person, die D/s mit mir genießt, mit mir zufrieden ist. Ich passe vorliebentechnisch mit ihr zusammen, harmoniere auf geistiger und körperlicher Ebene mit ihr, kann mit ihr offen und ehrlich kommunizieren, erfülle ihre Erwartungen und habe den Wunsch, mich eben ihr hinzugeben.
Und das macht mir für sie passend zu einer guten Sub. Und das zählt.

2 Kommentare zu „Bin ich eine gute Sub? Wer definiert das?

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