[Borderline und BDSM] – Meine Story

Mir ist es unfassbar wichtig, zu diesem Thema ein Vorwort zu schreiben.
Ich möchte darauf hinweisen, dass all das, was ich gerade schreibe nur die Sicht meiner Gedanken und mein Umgang mit der Krankheit ist.
Ich habe diese inzwischen sehr gut in den Griff bekommen und deshalb Sorge, ich könnte anderen Betroffenen in irgendeiner Weise vor den Kopf stoßen, deswegen noch einmal endgültig: Jeder Betroffene erlebt Borderline anders. Es gibt 9 Kriterien zur Diagnose, von denen 5 vorhanden sein müssen. Es ergibt sich daraus also eine unheimlich große Menge an Symptomen-Möglichkeiten, die alle zum Schluss Borderline lauten.

Ich schreibe über mein Borderline. Wie es mich beeinflusst und selbstredend -weil ich ein BDSM-Blog bin- ob dieses auch Auswirkungen auf mein BDSM hat. Nicht jeder mit meiner Diagnose wird sich in dem wiedererkennen, was ich schreibe. Vielleicht findet sich aber auch ein User, dessen Krankheitsbild meinem sehr ähnlich ist.

Solange ich aber vielleicht einer Person mit einem Gedanken von mir helfen kann, möchte ich diesen Beitrag umsetzen,
Ich greife niemanden an, der all dies mir gegenteilig lösen würde. Ich werde aber erklären, warum das für mich die bessere oder schlechtere Lösung ist.


Ich erhielt meine Diagnose in einer stationären Therapie und konnte diese für mich nicht wirklich einordnen. Eine Diagnose? Das sind doch nur irgendwelche verkorksten Eigenheiten meiner Selbst, mit denen ich -noch dazu- sehr gut zurechtkomme…
Was ist bitte problematisch für mich, wenn ich mich entliebe und es dann zu Ende geht?

Das müssen die ersten Gedanken gewesen sein, als ich mit der Diagnose in Berührung kam.

Zuallererst: Ich erfülle nicht alle der 9 Symptome, aber genug, um meine Diagnose bestätigt zu bekommen. Ich bin gerade in einer Phase des Lebens, in der es mit mir bergauf geht und ich weitere Symptome verlieren würde, hätten diese ein zeitlich begrenztes Fenster, in denen sie auftreten müssen.

Und doch hatte ich diese aufmerksame Therapeutin, die sich mit mir zusammensetzte
und mir vorsichtig anvertraute, dass die Möglichkeit besteht, dass mir BDSM nicht gut tun würde und ob sie mit mir darüber sprechen dürfte.

Ich schenkte ihr ein Lächeln.

Ich führte dieses Gespräch allein. Ich bin ein sehr reflektierter Mensch und habe mir darüber natürlich schon längst Gedanken gemacht. Das war eine der ersten Dinge, die ich für mich prüfen wollte.

Sie hörte also nur zu und nickte abschließend, mir zusichernd.

Zuerst einmal:

Ich übe kein BDSM aus, wenn ich mich in einer schlechten Phase befinde.
Das mache ich nicht.

BDSM schenkt mir positive Gefühle zu den Gefühlen, die ich bereits habe.
BDSM macht mir den Kopf frei.

Ist meine Anspannung zu groß und ich würde zu selbstverletztenden Verhaltensweisen greifen, so kenne ich viele Doms, die ihren Partnern dies ermöglichen. Es Therapie-Session nennen.
Ich mag nicht einmal anzweifeln, dass es vielleicht wirklich der einen oder anderen Person hilft.

Bei mir käme das nie n i e in Frage. Sollte ich nichts fühlen oder Schuld, größerer psychischer Schmerz, dann würde ich alles dafür geben, n i c h t eine Session zu haben.
In meinen Augen ist das, was dort folgt nämlich in vielen Fällen nur verschobene Selbstverletzung. Bevor (in diesem Fall) die Sub es macht, macht es der Dom.

Und im schlimmsten Fall weiß Dom noch nicht einmal, für was er da gerade instrumentalisiert wurde.

Ich schreibe es gern nochmal: Sicherlich wird dies einigen Subs helfen und ich werde niemanden dort reinreden. Für mich kommt es aus oben genannten Gründen aber nicht in Frage.

Damit ich BDSM, Sex und Session genießen kann, darf ich also nicht auf meinen Tiefpunkten sein. In diesen befinde ich mich auch nicht. Andernfalls würde mir all das auch kein Spaß bereiten. Und das ist immerhin eine der Gründe, warum ich das Ganze mache: Spaß an der Sache, Spaß am Dienen, in den verruchtesten Fantasien meiner Partnerin aufgehen.

Aber: ich bin immer bemüht, die Eigenarten meiner Krankheit meinen nahestehenden Personen näherzubringen.
Sollte ich also mal für einige Tage bei einem Playpartner sein, so wird er wissen, dass sich der Abschied für mich wie ewig anfühlt und auch meine Partnerin daheim wird wissen, dass ich die Tür mit einer eisigen Kälte betrete, als sei sie ein gänzlich neuer Mensch für mich. Und spätestens am nächsten Morgen, nachdem ich mich überwunden habe, den für mich neuen Menschen in eine Umarmung zu ziehen, ist alles wieder gut,

Mein Borderline hat feste Muster. Kennen alle Beteiligten diese, ist es für alle einfacher.
Ich erwarte aber nicht von anderen, dass sie wissen, wie sie mit mir umzugehen haben. Man sollte nicht die Menschen um sich herum ändern. Das lassen die wenigsten zu.
Also versucht man die Person zu ändern, die man ändern kann, nämlich: Ich mich selbst.

Beipsiel?
Wenn ich in einer Phase bin, in der ich gegenüber einer Affäre, Partnerin und Co ein Gefühlsaus empfinde, dann ist das für mich sehr schwierig. Hatte ich gerade noch Gefühle für diese Person, dann sind sie nun weg.
Ich atme tief durch, gebe mir einen Ruck, vielleicht auch zwei oder drei und behandel die Person so, wie ich sie auch vorher mit dem Gefühl der Liebe behandelt habe. Das ist schwierig, denn sie fühlt sich an wie eine Fremde.
Ich weiß, welche Gedanken aufkommen werden:

„Was bist du eigentlich für eine Freundin, wenn du so etwas machst?“
„Eigentlich hätten sie jemanden verdient, der der Liebe, die sie mir schenken gerecht wird. Ohne das ständige warten-müssen, dass das Gefühlsaus wiederkehrt oder zurückgeht. Eine konstante, bessere Person.“

Ich habe für mich selbst akzeptiert, dass es okay ist, solche Gedanken zu haben oder deswegen besorgt zu sein. Oder tieftraurig. Ich kann für meine Gefühle nichts.

Ich kann aber sehr wohl etwas dafür, wie ich mit ihnen umgehe.
Ich möchte nicht, dass mich diese Person tröstet oder sich gar noch dazu verpflichtet fühlt. Ich möchte am liebsten garnicht, dass Personen sich mit diesen Gedanken auseinandersetzen. Deswegen tu ich es. Das reicht. Für mich.

Ich überwinde mich dazu, meinen Körper so zu bewegen, wie ich ihn auch bewegen würde, hätte ich zu dieser Person eine Bindung. Das fühlt sich für den Moment falsch an.
Die Person, die du liebst, ist eine dir unbekannte und trotzdem machst du alles mit ihr. Immerhin liebt dich die Person ja weiter, auch wenn du dein Gefühlsleben nicht spüren kannst.
Hierzu muss ich sagen: Meine Partnerin weiß das natürlich. Ich verhalte meinen Zustand nicht geheim, wenn auch den einen oder anderen Gedanke.
Meine Gedanken wären wohl:

„Ob ihr das gerade unangenehm ist? Sicherlich sogar unangenehmer als mir“
„Wie sie sich wohl damit fühlt zu wissen, dass ich gerade nur meinem Alltag geregeld nachgehe und nichts fühle zwischen uns…?

Ich kann nur sagen: Mir hilft Routine. So kann ich -wie auch immer- wieder in meine Gedankenwelt hineingleiten und schnell dafür sorgen, dass mein Gefühlsaus wieder nachlässt. Ist dies Geschehen, suche ich nach dem Grund des Gefühlsaus und eleminiere den, soweit es geht. Geht das nicht, dann rede ich. Ich rede sehr sehr viel.

Tut mit Leid. Der ganze Beitrag ist sehr unübersichtlich. Das Thema belastet mich aktuell sehr stark. Vielleicht nehme ich ihn wieder runter. Vielleicht erkennt sich aber auch irgendjemand hier wieder…

Bis zum nächsten Mal auf jeden Fall.

2 Kommentare zu „[Borderline und BDSM] – Meine Story

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