‚Wie, die darf alles mit dir machen?!‘ – Die Metakonsens-Edition

Hallo meine Lieben!

Die Twitter-Abstimmung war eindeutig. Ihr habt abgestimmt und hier ist nun euer Thema: Metakonsens!
Ich mach das Vorwort kurz und schmerzlos:
In diesem Artikel formuliere ich meine Ausübung des Metakonsens. Das Ganze kann individuell gestaltet werden und auch mein Blogbeitrag ist nur ein Beispiel von vielen Möglichkeiten.
Ich präsentiere euch hier also keine goldene Regel des BDSM, aber gern eine Variante davon. Viel Spaß beim Lesen!


Alles begann damit, dass ich noch immer vermehrt lese, dass SSC im BDSM das A und O ist. Quasi DAS festgeschriebene Gesetz im BDSM-Handbuch. Nun habe ich dem einen oder anderen User schon ein alternatives Sicherheitskonzept vorgestellt, welches sich RACK schimpft. Zu mir sei gesagt: Ich selbst würde mein BDSM mit einem Playpartner auch diesem Konzept zuordnen. meine Anfänge starteten im SSC und mit der Zeit probierte ich immer mehr Praktiken aus, die diesem Sicherheitskonzept nicht mehr zugeordnet werden konnten.

Mir ist es aber wichtig, meine D/s-Beziehung von diversen Playpartnern abzugrenzen – und da ich jene Beziehung nicht leichtfertig eingehe, sondern wirklich monate- und jahrelang prüfe, ob eine Person zu mir passt, war ich bereit, an dieses Machtgefälle ein anderes Sicherheitskonzept zu knüpfen:
Manche kennen es unter dem Namen „Metakonsens“, anderen ist es als „no limit“ bekannt.

Was heißt das nun für mich?

Kurz: Ich bin gewillt im Metakonsens auf jegliche Hard-Limits und auf mein Safeword zu verzichten. Somit hat die dominante Person die volle Entscheidungsgewalt und weder ein spezifisches Wort, noch eine spezifische Gestik kann eine Aktion von mir aus enden lassen.

„WAS?! Das ist doch verantwortungslos. Du lässt alles mit dir machen? Lässt du dir dann auch in den Mund kacken? Würdest du auch xy tun? Ist dir Praktik Z nicht zu extrem?“

Das ist in etwa die erste Reaktion, die man häufig erhält, wenn man vom Fehlen seines Safewords berichtet.

Ich kann an dieser Stelle eben nur für mich sprechen und den oben genannten Absatz wiederholen: Bevor ich eine D/s-Beziehung eingehe, prüfe ich eingehend, wie weit diese Person zu mir, meinen Ansichten und meinen Vorlieben passt. Harmoniert dies nicht zu mindestens 110%, würde ich mit dieser Person keine D/s-Bindung eingehen und mich nicht auf diese Art von Machtgefälle einlassen.
Ja, theoretisch eröffnet der Metakonsens der dominanten Person die Möglichkeit, jede Praktik mit mir auszuüben, die gewollt ist. Und das ist eben auch der springende Punkt:
Die Praktik muss eben auch von der dominanten Person gewollt sein. Hat auch diese kein Interesse an Praktik xy, dann wird diese auch höchstwahrscheinlich nicht zustande kommen. Obwohl es also in der Theorie sein könnte, dass mir der Kopf rasiert wird und meine Brüste bis zur Unkenntlichkeit lila-schwarz abgebunden werden, so wird dies höchstwahrscheinlich nicht passieren, weil die Interessen und Vorlieben mit meiner Partnerin eben übereinstimmen und unser Ästhetikempfinden beinahe kongruent ist.

Und doch ist es das Wissen, dass eben für den Bruchteil eines Prozents eben doch alles möglich sein kann, welches einen jede seiner Handlungen mindestens dreimal überdenken lässt. Der kleine, tägliche Nervenkitzel, der eine Brat wie mich eben antreibt.

Wie verantwortungslos ist das? Was passiert, wenn es mir doch einmal schlecht gehen sollte? Und ist es wirklich Metakonsens, wenn man doch weiß, dass bestimmte Sachen nicht praktiziert werden?

Zur Frage mit der Verantwortung: Metakonsens ist etwas, dass ich niemandem ans Herz legen würde, der sich gerade das erste Mal zum Spielen verabredet. Ist man aber eingespielt, besitzt die nötige Gabe zur Selbstreflexion UND einen dominanten Partner, der über Einfühlungsvermögen und Empathie verfügt, dann sehe ich das auch nicht als verantwortungslos an.
Ich nutze hierbei gern den altbekannten Vergleich des Lieblingsspielzeugs:
Man nutzt es gern, spielt regelmäßig damit – vielleicht hat es auch die eine oder andere Gebrauchsspur – aber man würde es nie mutwillig zerstören.
Und ich denke, ähnlich wird man es auch mit der Sub im Metakonsens handhaben, wenn man zwischen Metakonsens und Missbrauch unterscheiden kann.

Ist der Verzicht auf ein Safeword aber eine Gefahr, wenn Dom die Lage vielleicht falsch einschätzt?

Ich kann dies für mich persönlich verneinen.
Ja, auch mir kann es mal schlecht gehen. Ja, auch ich kann einmal für irgendetwas nicht bereit sein, ohne dass dies vom Gegenüber vernommen wird. Für mich besteht nun aber immer noch die Möglichkeit, dass ich beispielsweise durch eine Bitte oder einer vorgeschlagenen Alternative an meinen dominanten Part herantrete.
Der Unterschied hierbei: in letzter Instanz liegt die Entscheidungsgewalt eben nicht bei mir. Besteht somit mein Gegenüber auf die Durchsetzung, so muss ich das akzeptieren.

Für mich persönlich hat der Verzicht auf ein Safeword innerhalb der D/s-Beziehung deutlich mehr Vor- als Nachteile.
Mich persönlich setzt ein Safeword unter Druck. Der komplette Abbruch einer Session durch ein Wort meinerseits, würde mir währenddessen, nachträglich und auch langfristig kein gutes Gefühl geben.
Ich möchte nicht, dass im Nachhinein meine Partnerin stets fürchtet, beim Überschreiten meiner Grenzen könnte ich alles sofort abbrechen.
Ich habe selbst das Gefühl, ich könnte keine Grenzgänge erreichen, wenn ich permanent im Hinterkopf habe, dass ich eine Sofortabbruchoption zur Verfügung habe.
Das Ganze harmoniert einfach nicht mit meiner Art und meinem Mindset.

Versteht mich nicht falsch: Ich denke, dass ein Safeword an sich grundsätzlich wichtig ist. Es ist nur eben für mich nicht das Richtige in einer D/s-Beziehung. Mit einer Person, die mich kennt und lesen kann wie meine Westentasche.
Für Neulinge, Anfänger, eine neue Beziehung und viele, viele andere Optionen sieht das schon wieder anders aus.
Ich habe aber für mich gemerkt, dass ein Safeword mich selbst eher einschränkt und mir ein negatives Mindset beschert. Ich fühle besser ohne die Safeword-Option und ich denke, das ist doch auch das, was letztendlich f ü r m i c h das wichtigste ist, oder?
Ich erwarte auch nicht, dass das jemand nachvollziehen kann.

Kommen wir nun zur letzten Frage: Ist das Ganze nicht nur eine Art ‚verkapptes‘ RACK und muss dafür wirklich ein neuer Begriff her?

Auch hier kann ich nur für mich sprechen und ich denke das ist auch der Grund, warum ich eben auf diesen bestehe:

Für mich persönlich setzt Metakonsens aber auch voraus, dass ich Praktiken in Angriff nehme, die für mich persönlich vielleicht kein Turn-On sind, die mich sexuell nicht kicken, die für mich keinen großartigen Mehrwert haben oder zu denen ich mich sogar überwinden muss beinhaltet.
Denn das ist eben auch der Reiz am Metakonsens. An seine Grenzen und darüber hinaus geführt werden. Dinge tun, die eben nur meinen dominanten Gegenüber reizen.
Ein bisschen höher. Ein bisschen schneller. Ein bisschen weiter. So, wie es meinen Gegenüber beliebt. Bewusst ab und an Dinge tun, die für mich mehr weinendes, als lachendes Auge sind. Die mich fordern. Die mich vielleicht ein wenig überfordern.

Neue Dinge ausprobieren mit dem Wissen, dass ich es n u r unangenehm oder schmerzhaft finden werde.

Aber auch beispielsweise ein Strafmaß akzeptieren, welches eben von Außenstehenden als sehr streng bewertet werden würde.

Ich beispielsweise für meinen h a s s e bestimmte Nippelklemmen. Ich meine nicht die süßen Eis.de-Klemmen, die man so kennt – nein, da gibt es deutlich fiesere Kaliber
Ich hasse sie. Mit vollem Körpereinsatz. Und doch werden sie mir immer wieder und wieder begegnen und das habe ich im Metakonsens eben zu akzeptieren.

Und ja, ich möchte das eben so. Ich brauche dieses kleine, große oder gar riesige MiMiMi.
Dieses Vertrauen hat man sich über einen langen Zeitraum erarbeitet und deswegen bin ich nur zu gern bereit, es zu geben. Ich bin eine Person, die von dem ‚getting pleasure from giving pleasure‘-Prinzip profitiert – und damit meine ich nicht einmal sexuell.
Das ist eben das, was meine submissive Seite am Abend verbildlicht zufrieden schnurrend einschlafen lässt.

 

 

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