Willst du sie haben, dann brauchst du Narben

Oder auch: Ein kurzer Blogbeitrag zum Kinktober, Tag 19 – Narben

Hallo meine Lieben!
Ich nutze den KINKtober für einen weiteren Beitrag auf meinem Blog, weil meine Erzählungen sicherlich die Zeichenbegrenzung von Twitter sprengen würde und ich keine Lust habe, einen Twitter-Thread über 10 Tweets und mehr anzufügen.

Hier nun also meine Gedanken, Erfahrungen und Co zum Thema „Scars- Narben“!
Wie immer: Viel Freude beim Lesen!


Hätte man mich vor meiner ersten D/s-Beziehung zu meiner Meinung über Narben gefragt, so hätte ich wahrscheinlich wie folgt geantwortet:

„Sie sind mir an anderen egal. Ich selbst mag sie an mir aber nicht, weil sie ein Zeichen sind, dass ich nicht gut genug auf meinen Körper aufgepasst habe.“

Das war damals meine Ansicht auf die Dinge. Das bedeutet nicht, dass ich Narben an anderen verurteilt oder jemanden gar wegen diesen abgelehnt hätte. Welche Narben Geschichten an anderen erzählten, war für mich einfach zweitrangig. Darüber erlaubte ich es mir nicht zu urteilen – und das ist auch heute noch so. Ich erlaube mir kein Urteil über die Narben anderer.
Für mich selbst – auf meinem Körper- waren sie aber unwillkommene, permanente Spuren.

Ich hatte bis dato genau eine Narbe auf meinem Körper:
Sie entstand, als ich als kleines Kind meinem Zwerghahn im Ententeich seine dreckigen Füßchen waschen wollte. War als Kind von mir nur gut gemeint – immerhin wollte ich nur, dass ihn der Dreck unter den Krallen nicht stört, wie mich Schmutz unter meinen Fingernägeln stört. Der Hahn hat das Ganze nur leider ein wenig anders gesehen und sich gewehrt.

Davon trage ich also meine Narbe an meiner Hand. Die einzige Narbe, die ich bis über die Volljährigkeit hinaus auf meinem Körper vorfand.
Ich habe keine Ahnung, wie ich es durch die Kindheit ohne Verletzungen gemeistert habe, da ich überdurchschnittlich viel draußen aktiv war, diverse Sportaktivitäten belegt habe und mir auch z.B. beim Rasieren in der Dusche mal der eine oder andere Schnitt passiert ist.

Was soll ich sagen: Das war einmal.
Meine Ansichten haben sich seitdem geändert. Und ich denke, ich hätte ein gewaltiges Problem, wenn ich diese Ansicht noch teilen würde: Entweder, ich müsste auf diverse Vorlieben meiner Sexualität verzichten oder mich mit den permanenten Spuren auf meinem Körper abfinden.

Nun, heute sind mir Narben egal, wie sie mir eben bei anderen egal sind. Ich denke nicht, dass sie mich weniger schön machen, wie beispielsweise andere Menschen das denken.
Ja, ich habe sicher das eine oder andere Mal die Frage gestellt bekommen: „Warum lässt du dich so entstellen? Das sieht doch nicht schön aus!“ – besonders von älteren Personen mit wenig Verständnis für BDSM.

Nun, hier ist eure Antwort: Weil ich finde, dass mich Narben auf meinem Körper nicht weniger schön machen! Schade für euch, wenn Erhebungen auf meiner Haut mich unattraktiv machen. Ich finde mich -ob mit oder ohne Narben- trotzdem schön. Und meine Meinung ist mir nun einmal wichtiger, als eure. Ich lebe nicht, um für euch schön zu sein. Ich muss mich schön finden und ich finde mich auch mit Narben schön.
Es entsetzt mich, dass so etwas wie Narben ein Kriterium für Schönheit für euch ist.

Durchatmen.

So: Wovon habe ich nun meine Narben gesammelt und wie viele habe ich eigentlich?

Ich kenne die genaue Anzahl meiner Narben nicht. Inzwischen habe ich auch Narben gesammelt, die nicht aus BDSM-Tätigkeiten resultieren. Die Ratte meiner besseren Hälfte hat sich beispielsweise an meiner Hand vererwigt.
Ich belasse es hierbei aber bei Erzählungen aus meinem Sexleben, immerhin ist das der Schwerpunkt meines Blogs:

Die auffälligste Narbe findet sich derzeit an meinem Handgelenk. Sie ist ein Cutting und Fragment eines sehr animalischen Bloodplays diesen Jahres, dass ich noch immer glücklich in Erinnerung behalte.
Insgesamt zieren meinen Körper etwa fünf Cuttings, von denen mittlerweile aber drei so gut verheilt sind, dass sie kaum sichtbar sind. Das eine geht wunderbar in den Dehnstreifen meines Oberschenkels unter. Man könnte ein Suchspiel daraus machen. Es ist quasi mit dem bloßen Auge garnicht wirklich sichtbar. Also: Wen stört es?

Das eine oder andere Messer vom Knifeplay hinterließ durch grobes Aufdrücken die eine oder andere Narbe, ähnlich wie Fingernägel.
Bei einer Untersuchung fragte mich mein Arzt, woher die Narbe auf meinem Rücken stammt. Die Antwort: ‚Ach wissen Sie, das ist so ein Sexding.‘, berührte ihn peinlicher, als mich.

Zudem findet man sicher auch die eine oder andere Bissspur in meinem Schulterbereich. Warum? Weil ich sehr schnell bei Bissen zu Narben tendiere. Das ist der Nachteil meiner leicht bräunlichen Haut. Ich bekomme quasi schwer blaue Flecken, aber tendiere schnell zur Narbenbildung.

Man, manchmal wünsche ich mir wirklich die oft helle Haut eines rot- oder blondhaarigen.

Jedenfalls: Ich hätte sicher auf die eine oder andere Narbe verzichten können. Vielleicht entstand die eine fahrlässig. Vielleicht nehme ich das aber auch in Kauf, weil ich mich sonst in meiner Sexualität einschränken sollte.
Meine Narben verblassen auch recht schnell und sind nach gut zwei Jahren nicht mehr sichtbar. Vielleicht ist das somit einfach für mich in Ordnung.

Der kluge Kopf mag nun sagen: Aber Julia, wenn die Beziehung auseinander geht, dann erinnern dich die Narben stets daran. Was ist, wenn die Beziehung ein schlechtes Ende nimmt und du die Narben dann nicht mehr magst?

Julia kann hierzu sagen: Habe ich durchdacht. Ich mache nie etwas, ohne mir nicht vorher aller, und ich meine wirklich a l l e r Konsequenzen bedacht zu sein.
Ich verknüpfe die Narben dann an Momente und nicht an Personen. Und es waren stets Momente, an die ich mich gern erinnern werde, egal welches Ende meine Beziehung findet. Der erlebte Moment war ein schöner.
Das ist letztendlich auch meine Sorge. Ich bin zu positiv vorausschauend, um mir von einem Überbleibsel einer Wunde meine Zukunft negativ verstimmen zu lassen.

Und ehrlich gesagt möchte ich die Momente, die an die jeweiligen Narben verknüpft sind einfach nie vergessen. Verdammt ja. Ich hoffe, sie mögen mich noch lange an alles Geschehene erinnern. So wie ich nach über 20 Jahren noch lächel, wenn ich an die Geschichte mit meinem Zwerghahn denke!

KINKtober Beitrag Ende.
Von einer BDSMlerin, die ihre Narben liebt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3 Kommentare zu „Willst du sie haben, dann brauchst du Narben

  1. Ich habe ewig gebraucht, um meine Narben zu akzeptieren und sie nicht als Schwäche zu sehen. Inzwischen bin ich stolz auf jede einzelne. Die selber zugefügten, weil ich sie zum Überleben brauchte und die anderen, weil sie – genau wie Du es beschreibst – mit so unglaublich tollen und intensiven Momenten verbunden sind. ♥️

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