Wie man meine Submission gewinnt

Oder auch: ein nicht ganz einfaches Tutorial, wie die Libido einer Greysexuellen funktioniert

Lange habe ich überlegt, was eine Person mit sich bringen muss, dass ich mich ihr unterwerfe. Wie vielleicht der eine oder andere Leser weiß, label ich mich mit dem Begriff der ‚Greysexualität‘. Das bedeutet, dass ich kaum bis gar keine Libido habe und diese nur unter ganz bestimmten Umständen bei einer ganz bestimmten Person vorhanden sind. Oftmals kenne ich die Faktoren nicht einmal selbst.
Heiße Chats, Kopfkino anfeuern oder sexuelle Erfahrungen, die mich fallen lassen sind also nicht der Schlüssel zu meiner Submissivität.

Eines Tages lag ich im Bett meiner Frau und mir kam eine Art Gedankenblitz, um zumindest einen Faktor genauer benennen zu können.
Aber bevor ich darauf zurückkomme, beginnen wir von vorn:

Submission? Nein, Danke!

Vor kurzem war die Thematik zwischen einer Sub und einem Bottom aktuell. Ich muss darüber nachdenken, dass ich -für mich persönlich- den Begriff Bottom sehr gut verwenden könnte.
Ja, ich kann vor diversen Spielpartnern knien, ohne ihnen gegenüber submissiv zu sein. Ich kann Befehle befolgen, ohne submissiv zu sein. Ich kann hier und jetzt sexuell zur Verfügung stehen und alles machen, was mein Gegenüber will, ohne submissiv zu sein.

Der Unterschied zu dem Ganzen ist: Mein Mindset

Ich knie, weil ICH Lust darauf habe, dir etwas gutes zu tun, nicht weil es mir ein Bedürfnis ist.
Ich befolge Befehle, weil ICH da gerade Spaß dran habe.
Ich bestimme, worauf ich wann Lust habe. In erster Linie steht für mich selbst mein Spaß an erster Stelle und ich kann jeder Zeit die Regeln ändern, ohne dass es dem anderen passt. Und ich sage bei der kleinsten Abweichung meiner Komfortzone, dass ich xy nicht will. Ich bestimme, ich nutze kein Safeword – ich sage schlicht und ergreifend „Nein“. Ich stelle meine Interessen über die meines Playpartners und wirke dabei für Außenstehende ’submissiv‘.

Bin ich jemandem submissiv gegenüber (und das ist ein Privileg einer D/s-Beziehung und auch nur meine D/s-Beziehung), dann stelle ich deine eigenen Interessen über meine.
Ich möchte Dinge tun, die ich für andere nicht tun würde. Ich will dir gefallen.
Ich bin bereit, Praktik xy auszuüben, obwohl nur du daran Freude findest. Weil ich Befriedigung aus deiner Befriedigung ziehe. Ich lasse meine Welt gern um dich drehen. Es ist mir ein Bedürfnis.
Ein Bedürfnis, dieser Person mit jeder Faser meines Körpers und jede Facette meines Geistes zu dienen.

Falls nun einer besorgt ist: Nein, ich werde dabei keine leblose Puppe, die ihren Verstand verliert. So etwas passiert nicht von heute auf morgen. Das ist ein Prozess über Monate bis Jahre und man muss erst mir mehrfach beweisen, dass man mein Vertrauen nicht missbraucht. Das mag sich lesen, als sei ich das Bild dieser Super-Sub, die jeder Möchtegern-Domm auf irgendwelchen Internetplattformen definiert – und ich bezweifel nicht, dass ich nicht in genau dieses Schema fallen kann – aber das beruht auf Gegenseitigkeit. Und dies muss erarbeitet werden. Lang. Immer und immer wieder.

Wie qualifiziert man sich also überhaupt? Was ist mein Beuteschema?

Ich möchte hier nicht darüber sprechen, wie man mein Vertrauen gewinnt. Das ist etwas für einen anderen Post. Ich möchte darüber sprechen, wie man erst einmal überhaupt in den potentiellen Kreis der Personen kommt, bei denen ich mir vorstellen könnte, mich wirklich zu unterwerfen. Was die oben genannte Kategorie zwei überhaupt möglich macht. Und hier kommen wir zu einem einfachen Begriff:

Sapiosexualität

Schon vor einiger Zeit habe ich dazu einige User*innen auf Twitter gefragt, wie sie den Begriff definieren und wie sie diesen für sich verwenden.
Oftmals viel der Wortlaut „geistige Wellenlänge“ und ein gewisser Intellekt.
Ich weiß nicht, ob ich den Begriff auch für mich verwenden kann, da dieser für mich in der Praxis anders aussieht, aber vielleicht kann ich euch ein Beispiel geben:

Wie man auf meiner ‚geistigen Wellenlänge‘ liegt, ein Beispiel:

Ich bin die Person, die sich gern mit Personen umgibt, die eine ähnlich intuitive Ader, wie ich besitzen. Ich sitze auf Partys gern stundenlang auf der Bank und beobachte Leute, errate ihren Beruf, ihre Sexualität, ihre Gedankenwelt. Wenn ich nun eine Person bei mir habe, mit der ich das zusammen machen kann und unsere Einschätzungen sich gleichen, so fühle ich mich mit ihr verbunden.
Oder aber ich beobachte die Entwicklung von Bekannten und Freunden und stelle Vermutungen über den weiteren Verlauf auf. Wenn jemand dies mit mir tut und wir beide Recht behalten, dann ist das die Art geistige Wellenlänge, nach der ich mich sehne.
Jemand für Mindgames und Spekulationen. Tiefe.
Oder jemand, der mit mir auf meinem Niveau Schach spielt.
Mit solchen Leuten umgebe ich mich gern.

Ich lehne mich weit aus dem Fenster und kann behaupten, dass ich mit 98% meiner Vermutungen richtig liege. Das klingt nun vielleicht überheblich, aber mein Bauchgefühl und meine Intuition trügt mich so gut wie nie.
Ich bin sehr gut, wenn es darum geht, Menschen einzuschätzen. Ihre Handlungen vorherzusagen. Mein Kopf steckt Möglichkeiten von A bis Z ab und mich zu überraschen ist sehr schwer.

Und das ist der Punkt: die restlichen zwei Prozent, bei denen ich mich irre.

Versteht mich nicht falsch. Man muss mich nicht ständig überraschen, aber die Tatsache, dass eine Person es schafft, etwas außerhalb meines Möglichkeitsspektrums zu machen, ist mein größter Hang dazu, mich dieser Person zu unterwerfen.

Wir spekulieren über den Ausgang über eine Situation und du behältst Recht und ich irre mich? Du schlägst mir eine Lösung für ein Problem vor, auf das ich selbst nicht gekommen bin?
Du schaffst es, mich auf irgendeine Weise irgendwie an der Nase herumzuführen?
Dann hast du mein Interesse.

Für viele mag das jetzt unglaublich banal wirken, aber genau das sind Situationen, die nicht oft vorkommen. Ich bin ein Mensch, der gern alle erdenklichen Situationen im Hinterkopf hat. Kommt nun jemand und beweist mir das Gegenteil, dann ist das die Art von Intelligenz, auf die ich stehe.

Kennt ihr den Film „Gone Girl – das perfekte Opfer“?
Die Protagonistin fälscht über ein Jahr Tagebucheinträge, um ihren Ehemann als Täter dastehen zu lassen. Sie ist ihm und der Polizei voraus.
Das ist die Intelligenz, die ich anziehend finde. Sei mir voraus.

Ein Szenario, welches so ähnlich ist:
Du verlässt den Raum und lässt mich warten. Genau so lange, dass ich unbeschäftigt bin und mich im Raum umsehe. Und mir eine offene Schublade auffällt, die genau so weit geöffnet ist, dass ich hineinschauen kann. Offen genug, dass ich sie nicht weiter bewegen muss, es aber trotzdem lesen kannst, weil du weißt, dass ich keine Schubladen öffne.
Lass mich etwas lesen, was mich nervös macht. Vielleicht, weil ein wichtiges Datum, dass mir etwas bedeutet oben am Rand vermerkt ist, sodass ich nicht wieder gelangweilt weggucke. Weil du mich und meine Verhaltensweisen kennst. Meine Eigenarten. Meine Grenzen. Du mir -wie beim Schach- immer einen Schritt voraus bist.

Das. ist. der. größte. Turn-on. den. ich. mir. vorstellen. kann.

Natürlich würde es auch reichen, wenn du es zum Beispiel schaffst, mich (sobald du den Konsens von mir oder meiner Partnerin dafür hast) unerwartet zu ohrfeigen.
Ja, selbst das ist eine Kunst. Ich rechne immer und überall mit allem, sobald es in meinem Möglichkeitsspektrum liegt. Und Konsens von mir oder meiner Partnerin rückt auch zu allen Gegebenheiten eine Ohrfeige in mein Möglichkeitssprektrum.
Ein gewisser jemand kann ein Lied davon singen, dass ich immer ausweiche oder wegzucke und er deswegen nie trifft 😉

Vielleicht mag sogar einer sagen: das klingt, als würdest du auf Personen mit großer Manipulationsgabe stehen – und ja, vielleicht sogar das, weil mich zu manipulieren eben nicht leicht ist. Ich erkenne Personen und ihre Intuitionen blitzschnell.

Zeig mir also, dass du weißt, wie ich ticke und wie man mich in Situationen bringt, die für mich neu und lehrreich sind und ich verfalle dir submissiv auf geistiger Ebene.
Das ist ein Faktor zu meiner sexuellen Lust und zu meiner Devotion.

Oder auch: Lasse mich ab und an einfach ein bisschen lernen, dass ich von meinem hohen Ross fallen kann, wenn ich zu sehr von meiner Intuition überzeugt bin und eröffne mir neue Möglichkeitsspektren.

Lass mich mehr über mich lernen, als ich glaube zu wissen.

Das ist der Schlüssel zu meiner Submission. Oder zumindest ein Fragment.

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Willst du sie haben, dann brauchst du Narben

Oder auch: Ein kurzer Blogbeitrag zum Kinktober, Tag 19 – Narben

Hallo meine Lieben!
Ich nutze den KINKtober für einen weiteren Beitrag auf meinem Blog, weil meine Erzählungen sicherlich die Zeichenbegrenzung von Twitter sprengen würde und ich keine Lust habe, einen Twitter-Thread über 10 Tweets und mehr anzufügen.

Hier nun also meine Gedanken, Erfahrungen und Co zum Thema „Scars- Narben“!
Wie immer: Viel Freude beim Lesen!


Hätte man mich vor meiner ersten D/s-Beziehung zu meiner Meinung über Narben gefragt, so hätte ich wahrscheinlich wie folgt geantwortet:

„Sie sind mir an anderen egal. Ich selbst mag sie an mir aber nicht, weil sie ein Zeichen sind, dass ich nicht gut genug auf meinen Körper aufgepasst habe.“

Das war damals meine Ansicht auf die Dinge. Das bedeutet nicht, dass ich Narben an anderen verurteilt oder jemanden gar wegen diesen abgelehnt hätte. Welche Narben Geschichten an anderen erzählten, war für mich einfach zweitrangig. Darüber erlaubte ich es mir nicht zu urteilen – und das ist auch heute noch so. Ich erlaube mir kein Urteil über die Narben anderer.
Für mich selbst – auf meinem Körper- waren sie aber unwillkommene, permanente Spuren.

Ich hatte bis dato genau eine Narbe auf meinem Körper:
Sie entstand, als ich als kleines Kind meinem Zwerghahn im Ententeich seine dreckigen Füßchen waschen wollte. War als Kind von mir nur gut gemeint – immerhin wollte ich nur, dass ihn der Dreck unter den Krallen nicht stört, wie mich Schmutz unter meinen Fingernägeln stört. Der Hahn hat das Ganze nur leider ein wenig anders gesehen und sich gewehrt.

Davon trage ich also meine Narbe an meiner Hand. Die einzige Narbe, die ich bis über die Volljährigkeit hinaus auf meinem Körper vorfand.
Ich habe keine Ahnung, wie ich es durch die Kindheit ohne Verletzungen gemeistert habe, da ich überdurchschnittlich viel draußen aktiv war, diverse Sportaktivitäten belegt habe und mir auch z.B. beim Rasieren in der Dusche mal der eine oder andere Schnitt passiert ist.

Was soll ich sagen: Das war einmal.
Meine Ansichten haben sich seitdem geändert. Und ich denke, ich hätte ein gewaltiges Problem, wenn ich diese Ansicht noch teilen würde: Entweder, ich müsste auf diverse Vorlieben meiner Sexualität verzichten oder mich mit den permanenten Spuren auf meinem Körper abfinden.

Nun, heute sind mir Narben egal, wie sie mir eben bei anderen egal sind. Ich denke nicht, dass sie mich weniger schön machen, wie beispielsweise andere Menschen das denken.
Ja, ich habe sicher das eine oder andere Mal die Frage gestellt bekommen: „Warum lässt du dich so entstellen? Das sieht doch nicht schön aus!“ – besonders von älteren Personen mit wenig Verständnis für BDSM.

Nun, hier ist eure Antwort: Weil ich finde, dass mich Narben auf meinem Körper nicht weniger schön machen! Schade für euch, wenn Erhebungen auf meiner Haut mich unattraktiv machen. Ich finde mich -ob mit oder ohne Narben- trotzdem schön. Und meine Meinung ist mir nun einmal wichtiger, als eure. Ich lebe nicht, um für euch schön zu sein. Ich muss mich schön finden und ich finde mich auch mit Narben schön.
Es entsetzt mich, dass so etwas wie Narben ein Kriterium für Schönheit für euch ist.

Durchatmen.

So: Wovon habe ich nun meine Narben gesammelt und wie viele habe ich eigentlich?

Ich kenne die genaue Anzahl meiner Narben nicht. Inzwischen habe ich auch Narben gesammelt, die nicht aus BDSM-Tätigkeiten resultieren. Die Ratte meiner besseren Hälfte hat sich beispielsweise an meiner Hand vererwigt.
Ich belasse es hierbei aber bei Erzählungen aus meinem Sexleben, immerhin ist das der Schwerpunkt meines Blogs:

Die auffälligste Narbe findet sich derzeit an meinem Handgelenk. Sie ist ein Cutting und Fragment eines sehr animalischen Bloodplays diesen Jahres, dass ich noch immer glücklich in Erinnerung behalte.
Insgesamt zieren meinen Körper etwa fünf Cuttings, von denen mittlerweile aber drei so gut verheilt sind, dass sie kaum sichtbar sind. Das eine geht wunderbar in den Dehnstreifen meines Oberschenkels unter. Man könnte ein Suchspiel daraus machen. Es ist quasi mit dem bloßen Auge garnicht wirklich sichtbar. Also: Wen stört es?

Das eine oder andere Messer vom Knifeplay hinterließ durch grobes Aufdrücken die eine oder andere Narbe, ähnlich wie Fingernägel.
Bei einer Untersuchung fragte mich mein Arzt, woher die Narbe auf meinem Rücken stammt. Die Antwort: ‚Ach wissen Sie, das ist so ein Sexding.‘, berührte ihn peinlicher, als mich.

Zudem findet man sicher auch die eine oder andere Bissspur in meinem Schulterbereich. Warum? Weil ich sehr schnell bei Bissen zu Narben tendiere. Das ist der Nachteil meiner leicht bräunlichen Haut. Ich bekomme quasi schwer blaue Flecken, aber tendiere schnell zur Narbenbildung.

Man, manchmal wünsche ich mir wirklich die oft helle Haut eines rot- oder blondhaarigen.

Jedenfalls: Ich hätte sicher auf die eine oder andere Narbe verzichten können. Vielleicht entstand die eine fahrlässig. Vielleicht nehme ich das aber auch in Kauf, weil ich mich sonst in meiner Sexualität einschränken sollte.
Meine Narben verblassen auch recht schnell und sind nach gut zwei Jahren nicht mehr sichtbar. Vielleicht ist das somit einfach für mich in Ordnung.

Der kluge Kopf mag nun sagen: Aber Julia, wenn die Beziehung auseinander geht, dann erinnern dich die Narben stets daran. Was ist, wenn die Beziehung ein schlechtes Ende nimmt und du die Narben dann nicht mehr magst?

Julia kann hierzu sagen: Habe ich durchdacht. Ich mache nie etwas, ohne mir nicht vorher aller, und ich meine wirklich a l l e r Konsequenzen bedacht zu sein.
Ich verknüpfe die Narben dann an Momente und nicht an Personen. Und es waren stets Momente, an die ich mich gern erinnern werde, egal welches Ende meine Beziehung findet. Der erlebte Moment war ein schöner.
Das ist letztendlich auch meine Sorge. Ich bin zu positiv vorausschauend, um mir von einem Überbleibsel einer Wunde meine Zukunft negativ verstimmen zu lassen.

Und ehrlich gesagt möchte ich die Momente, die an die jeweiligen Narben verknüpft sind einfach nie vergessen. Verdammt ja. Ich hoffe, sie mögen mich noch lange an alles Geschehene erinnern. So wie ich nach über 20 Jahren noch lächel, wenn ich an die Geschichte mit meinem Zwerghahn denke!

KINKtober Beitrag Ende.
Von einer BDSMlerin, die ihre Narben liebt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5 1/2 Monate Orgasmuskontrollspiele

Hallo meine Lieben! Heute ein Blogbeitrag zu einem von euch angefragten Thema, dass zufällig auch noch mehr als passend für den KINKtober ist. An Tag 9 offenbarte sich das Thema „Orgasm Denial“. Nun, mein längstes Orgasmus“verbot“ ging über fünf Monate. Warum also nicht einmal darüber bloggen?
Ich empfehle zu Beginn, meinen vorherigen Beitrag zu lesen, um einen kleinen Einblick in meine Sexualität zu bekommen oder zu verstehen „wie ich ticke“.

Jetzt aber erst einmal viel Spaß!


Mein Orgasmusverbot begann letztes Jahr am 29.Juni 2017, wobei Verbot nicht wirklich das passende Wort war. Ja, es wurde mir sozusagen verboten. Er basierte aber auf  einer Aufgabe und nicht auf einer Strafe.
Da es im Rahmen meiner D/s-Beziehung die erste mir aufgetragene Aufgabe war, habe ich das Ganze natürlich sehr ernst genommen.

Es war meine erste Aufgabe.
Die wollte ich durchziehen.
Um jeden Preis.
Weil mir meine D/s-Beziehung alles wert war.

An welche Bedingungen war mein Orgasmusverbot geknüpft?

Nun, ich hatte die Aufgabe, sobald ich allein war und sich mir somit die Gelegenheit bot, zu masturbieren, aber eben nicht zu kommen.
Ich durfte Sex haben, aber ein Orgasmus war mir eben untersagt.
Das Ganze ging auf unbestimmte Dauer – das bedeutet, ich kannte den Zeitpunkt für das Ende nicht. Ich wusste aber auch, dass ich jederzeit meine Bitte um ein Ende dieser Aufgabe äußern durfte.
Dass das Ganze natürlich auch auf meiner Ehrlichkeit basierte und eben nicht immer geprüft werden konnte, sollte selbstredend sein.
Wer mir eben genau dieses Vertrauen an Ehrlichkeit schenkt, dem bin ich auch gewillt, meine Selbstbeherrschung und Submissivität zu schenken.

Sex und Orgasmusverbot, wie war das für dich?

Nun, zu dem Zeitpunkt hatte ich noch eine weitere Beziehung, weswegen es mir zu Gute kam, dass ich eben trotzdem Sex haben durfte. Ein Ausgleich war das aber nicht wirklich. Ja, mein eigener Orgasmus ist mir nicht wichtig, aber die Qualität vom Sex leidet doch unter einem solchen Verbot. Nicht etwa, weil ein Orgasmus den Sex erst gut macht, sondern weil sich die Dynamik beim Sex selbst einfach verändert.
Für mich war es damals in Ordnung. Ich habe dies gern eingebüßt – nicht zuletzt, weil mein Partner selbst auch poly gelebt hat. Ihm stand also frei, dass er eventuelle Einschränkungen anderweitig ausleben kann. Das wäre zu keinem Zeitpunkt ein Problem für mich gewesen.

Im Normalfall wurde auf mein Orgasmusverbot Rücksicht genommen. Sprich, Sexualpartner haben bewusst auf Praktiken verzichtet, die eben nur meinem Orgasmus dienten.
Nichtsdestotrotz kam es auch vor, dass das Gegenteil der Fall war und ein Orgasmus meinerseits provoziert wurde.
Wer meinen letzten Beitrag gelesen hat, dem wird nicht entgangen sein, dass ich (oder war es in einen meiner Tweets?) erwähnt habe, dass ich nicht zum Orgasmus gebracht werden kann, wenn ich dies nicht auch möchte.

Ich weiß nicht, wie ich das mache, aber ich muss Orgasmen quasi freigeben.
Nur, weil beispielsweise meine Partnerin das Privileg genießt, mir binnen Minuten mehrere von diesen zu schenken, so gilt das nicht für andere Personen.

Also Spoiler: Nein, es gelang nicht. Und ich bezweifle auch, dass es jemanden gelingen würde. Wäre dies der Fall gewesen, so wäre ich wahrscheinlich stark beeindruckt gewesen und hätte hier auch mein Zugeständnis getätigt.

Da ich selbst Sex eben nur selten auch mit sexueller Befriedigung [egal ob mit oder ohne Höhepunkt meinerseits] verknüpfe, war das Ganze eben auch kein Ausgleich für einen Orgasmus. Im Gegenteil. Ich würde behaupten, dass sexuelle Aktivitäten eher abnahmen und ich mich mehr darauf konzentrierte, meinem Gegenüber Lust zu schenken.

Wie war dein Mindset zu der Zeit?

Schwankend.
Wie ich bereits sagte: Mein Orgasmus selbst ist mir nicht wirklich wichtig. Ich nutze diesen weniger zum Abbau sexueller Lust, sondern zum Stressabbau, als Hilfsmittel gegen Migräne, gegen Langeweile, als Einschlafhilfe, etc.
Zu jener Zeit wurde auch mein Klavier verkauft und -auch wenn ich nicht oft spielte, weil es damals im Elternhaus stand- gingen mir damit zwei Möglichkeiten zum Stressabbau verloren.

Zusätzlich begann das Verbot in etwa mit dem Beginn meiner D/s-Beziehung, welche sich aus gewissen Umständen eben nur auf das Verbot beschränkte, sodass der BDSM-Faktor an sich zu der Zeit ausblieb.
Mit einer anderen Person wollte ich dies aber auch nicht ausleben.

Dies hatte zur Folge, dass es Tage gab, an denen ich unterschwellig gereizt war.
Ja, es gab auch Tage, an denen war ich deprimiert, weil ich nicht wusste, wann das Ganze sein Ende findet.
Es gab Tage, an denen wusste ich nicht, ob ich das durchhalte.
Es gab Tage, an denen überwogen die negativen Gedanken und ich hatte Zweifel, ob das wirklich das ist, was ich will.
Und dann gab es Tage, an denen ich mich überhaupt fragte, wie ich all das überhaupt denken konnte.

Versteht mich nicht falsch. Die meiste Zeit ging es mir gut. Irgendwie erfüllt es einen selbst jeden Tag mit stolz, wenn man eine Woche im Kalender streichen kann, die man geschafft hat. Wenn man sich bewusst macht, wie viele Monate es schon sind.
Und dann macht es einen traurig, wenn einem bewusst wird, wie viele Monate es schon sind.
Und doch war es in Ordnung für mich. Ich wollte das durchstehen – und es war egal, wie lange es dauern sollte. Ich hätte das Ganze auch noch länger durchgehalten. Und am Ende war ich stolz auf mich, dass ich es geschafft habe – und das Ende zu einem für mich so besonderem Zeitpunkt stattfand.

Ich denke aber, dass unterschiedliche Stimmungen einfach dazu gehören. Fast 6 Monate sind eine lange Zeit und ich kann mir nicht vorstellen, dass man ein konstant positives Mindset hat.

Mein Wille war aber stärker.
Ich wollte das Ganze auf keinen Fall aufgeben.

Ich wollte zeigen, dass mein Wunsch für diese D/s-Beziehung stärker ist, als aufkommende ’schlechte Phasen‘, die sich zu dem Zeitpunkt nicht ändern ließen.
Immerhin würde ich auch wollen, dass man mich in dieser Beziehung nimmt, wie ich bin. Denn auch ich kann mal eine Phase voller Blockaden oder dunklen Gedanken haben – und ich würde ebenso nicht wollen, dass man mich aufgibt. Deswegen war es mir wichtig. Deswegen war mir das Ganze eine Herzensangelegenheit.

Vielleicht mag das nicht für alle verständlich sein. Das ist meine Art der Submissivität. Mich selbst mit all meinen Ecken und Kanten schenken. Es als größtes Geschenk ansehen, wenn mein Gegenüber mir all seine Ecken und Kanten offenbart. Und die beste Version meiner selbst zu sein.

Und die beste Version meiner selbst wollte für diese D/s-Beziehung alles geben.

Aber mal im Ernst: Die Anzahl an Orgasmen, die mir seitdem geschenkt wurde, wiegt das Verbot wieder auf. Ich wurde wirklich reichlich beschenkt.

Jedenfalls war das Ganze eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Und auch, wenn das nicht wie geplant ablief, so bin ich doch dankbar, dass ich an dieser Aufgabe wachsen durfte.
Ich wünsche jedem anderen, der sich einem solchen Verbot stellt auf jeden Fall viel Freude, denn insgesamt hat mir das Ganze doch Freude bereitet. Und ich kann garantieren: der Orgasmus nach einer solchen Weile ist… intensiv.

Bis zum nächsten Mal. Tüddelü!

 

 

Fifty Shades of Grey[sexualität]

Oder auch:  ein Thema, an dem ich zu (ver)zweifel

Sexualität: Es ist kompliziert

Ungefähr so würde mein Beziehungsstatus bei Facebook lauten, müsste ich meine Bindung zu meiner Sexualität in einigen Worten beschreiben.


Hallo meine lieben Leser,

heute schreibe ich über eine Schattenseite meiner Persönlichkeit, die mir allerdings sehr am Herzen liegt, immerhin ist es quasi Oberthema meines Blogs.  Auf Twitter bereits das eine oder andere Mal angeschnitten, in meinem realen Leben stetig präsent.

Das Ganze ist unfassbar wirr und selbst für mich nicht vollständig greifbar. Wer also weniger am Innenleben der Person hinter diesem Blog interessiert ist, der kann diesen Beitrag gern überspringen.
Mit allen anderen Lesern möchte ich gern die Sorgen, Ängste, Schwierigkeiten und Unsicherheiten meiner Sexualität teilen, teilweise auch aus dem BDSM-Bereich. Ich werde gern auf Fragen eurerseits antworten, kann aber nicht versprechen, dass ich alles begründen oder erklären kann. Vielleicht habe ich aber auch einen Leser unter meinen Followern, der sich mit einigen Zeilen identifizieren kann oder gar eine Antwort auf die Fragen hat, die ich mir bereits seit vielen Jahren stelle.
Vielleicht wird einiges auf euch paradox wirken, Unverständnis hinterlassen oder nicht nachvollziehbar sein.

Das ist in Ordnung. Vollkommen in Ordnung.

Ihr müsst nicht verstehen, was ich bisher selbst nicht verstanden habe.

Ich werde mich während des Schreibens reflektieren. Mit meinen Dämonen auseinandersetzen. Mich meinen Emotionen stellen.

Und ihr. Ihr dürft lesen. Mich begleiten.
Viel Freude beim Lesen. Folgt mir auf den steinigen Wegen zu den Abgründen meiner Selbst.


Aller Anfang ist schwer.

Wenn ich jetzt über meine Vergangenheit nachdenke, dann spielte Sex oder sexuelle Handlungen in meinen ersten Beziehungen kaum eine Rolle für mich. Richtig, für mich.
Für meine Beziehung, meinen damaligen Partner, meinen Freundeskreis und für mein Umfeld allerdings schon. Sex war immer ein Thema.
Sex gehört in eine gut funktionierende Beziehung. Sexuelle Erfahrungen und Erlebnisse als priorisiertes Gesprächsthema unter meinen Freundinnen.
Man muss regelmäßig Sex haben, wenn man eine Beziehung führt.

Das ist zumindest das, was mir die gesellschaftlichen Normen in meiner Jugend vermittelt haben.

Und genau aus diesem Grund hatte ich Sex. Weil ich das Gefühl hatte, es wird von mir erwartet. Versteht mich nicht falsch: ich wurde nie gedrängt oder zu etwas gezwungen, was ich nicht wollte. Ich habe einfach gemacht. Ich konnte nie nachvollziehen, wie andere in meinem Alter diese Tätigkeit priorisieren konnten.

Meinen ersten Orgasmus hatte ich erst mit 17, während ich meine zweite Beziehung geführt habe. Allein.
Durch einen Partner kommen war nie Teil meiner To-Do-Liste.
Orgasmen allgemein fand ich für mich selbst nie erstrebenswert.
Noch heute nutze ich Orgasmen so gut wie nie aus dem Grund, dass ich gerade
sexuell erregt bin und dies abbauen möchte. Weil ich geil bin. Weil es mich von meinem sexuellen Verlangen erlösen soll.
Für dieses Gefühl masturbiere ich viel zu selten, weil es schlicht und ergreifend zu selten auftritt.

Ich nutze meine Selbstbefriedigung als Lösung gegen Kopfschmerzen, Langeweile,
zum Experimentieren meines Körpers, weil ich gerade irgendein gutes Gefühl brauche oder als Einschlafhilfe.

Ich kann inzwischen behaupten, dass ich eine sexuelle Libido habe. Diese kann auch beim Masturbieren auftreten, doch -wie ich sagte- ist dies eben sehr selten.
Diese sexuelle Libido trat im letzten Jahr vor allem bei meinem Ex-Freund,
in diesem Jahr bei meiner Partnerin auf. Auch hier sehr selten. Vielleicht in beiden Fällen etwa 2-3 Mal im Jahr.

Es folgt ein Ausflug in meine Definition von Libido, die ich an dieser Stelle wohl loswerden muss, weil ihr mich sonst nicht versteht und ich euch ebenso nicht.
Die meisten Menschen kennen das Gefühl von Libido.
Dieses  warme Kribbeln im Bauch/Ziehen im Unterleib, aufkommende Erregung, der Wunsch, die andere Person jetzt einfach in sich spüren zu wollen. Ihr kennt das sicher.
Das ist es, was ich unter einer sexuellen Libido definiere.
Das tritt bei mir nur sehr sehr selten auf. Unter einer bestimmten Person unter noch bestimmteren Umständen. Das wird nie bei neuen Kontakten passieren.
Da ich trotzdem mit Personen schlafe, benenne ich die dort wirkenden Faktoren als ‚psychische Libido‘. Diese gleicht in etwa meinem Sinn für Ästhetik: Die Raumstimmung, Mimik und Gestik, Körperbewegungen, etc.
All das spricht mich in diesem Fall psychisch an. Es stimuliert mich aber nicht sexuell.
Es ist eher vergleichbar mit dem neuen Kauf von Möbeln, wenn diese im Wohnzimmer alle ihren Platz und ihr perfektes Dekor gefunden haben. Erfreut deinen Geist, aber eben nicht deine Vagina.

Nun die Frage: Warum habe ich also Sex mit Personen, die in mir nicht das Gefühl von sexuellem Verlangen auslösen können?

Wie ich bereits früher schrieb: Weil ich dachte, Sex gehört in eine Beziehung und ohne regelmäßigen Sex geht die Partnerschaft kaputt.
Von diesem Gedanken konnte ich mich erst Jahre später trennen.
Prioritär für mich war vor allem der Gedanke, dass ich meinem Partner/meiner Partnerin etwas Gutes tun wollte und es ja auch konnte.
Ich hatte also Sex, weil es einer mir wichtigen Person damit besser, aber mir eben nicht schlechter geht.

Zu Beginn meiner Studiums und nach der Trennung aus meiner zweiten Beziehung,
habe ich mich das erste Mal mit meinen eigenen Vorlieben auseinandergesetzt und konnte diese teilweise ausprobieren.
Auch hier blieb die sexuelle Libido aus, aber die ersten Aspekte der psychischen Libido zeigten sich: Ich war neugierig auf bestimmte Mimiken, Körperreaktionen und das Gesamtbild.

Inzwischen har sich die psychische Libido ganz gut entwickelt, sodass es eben auch passieren kann, dass ich mit einer Person gern Sex habe, weil es ihr damit gut geht und eben meine psychische Libido das aufgreift, Die Ästhetik beim Sex. Vor allem von einer Person, die selbst sexuelles Verlangen spürt. An ihr kann sich mein Ästhetikempfinden nicht satt sehen. Ein guter Grund, Sex zu haben, oder?

Für mich reicht er.
Für mich wird es dann schwierig, wenn eine Person mit sexueller Libido etwas von mir verlangt, was ich ihm nur geben kann, wenn bei ihm nicht mindestens ein Mal meine sexuelle Libido aus ihrem Schlaf erwacht ist.

„Sag mir, was du willst.“
– Ich weiß es nicht. Ich habe doch gar kein sexuelles Verlangen nach dir.

„Ich bring dich zum Kommen, bis zu um’s Aufhören bettelst.“
– Nein. Einfach Nein. Da bettel ich nicht und du bringst mich auch nicht einfach
so mehrfach zum Kommen. Das kannst du nicht. Das kann wahrscheinlich niemand.
Ich gewähre multiple Orgasmen meiner besseren Hälfte.
Sie kann mich sehr schnell und oft zum Orgasmus bringen.
Das funktioniert aber nicht für eine Person, die nur meine psychische Libido bedient.

„Ich würde dich am liebsten den ganzen Tag…..“
– Nein, auch nicht, Meine psychische Libido ist oft schnell nach einem Mal überlastet
und schaltet sich wie ab, um sich neu aufzuladen.
Dann will ich wirklich nicht mehr.

Hm. Ja, mich macht das auf Dauer nicht glücklich, weswegen ich das auch eher meide.
Es ist für mich schwierig und meinen Gegenüber schwierig.

Meine bessere Hälfte hat es ein wenig leichter, weil sie mit mir viele Aspekte des BDSM ausübt. Diese müssen nicht zwangsweise Penetration einschließen und -falls eben meinerseits keine sexuelle Libido erfolgt- dann macht meine psychische Libido das eben mit. Die anderen genügend nicht-sexuellen BDSM-Elemente erlauben das irgendwie.
BDSM stimuliert meinen Masochismus, meine devote Seite, meine Brat, den Wunsch nach Thrill und Adrenalin, der alles so rauschartig macht und ja, auch das unschuldige Babygirl ist teil eines Mindsets, dass stimulierend auf meine Psyche wirkt.
Alles davon, ohne dass es sexuell werden muss.
All das ist für mich so viel besser.

Die Frage nach dem Label

Kleinlaut verkündete ich bei Twitter, dass ich wohl das Label greysexuell als passend empfinden würde. Meine Sexualität ist nicht ’normal‘. Ich habe und werde Fremden gegenüber nie sexuelle Attraktivität empfinden. Auch keinen Promis.
Ich habe nicht einfach mit jemanden Sex, weil ich „Lust“ auf ihn habe.
Ich habe keine ONS. Ich habe bei einer Person die ich liebe ab und an mal Verlangen nach Sex.

… aber macht mich das nicht demisexuell?
Nein, damit fühle ich mich unwohl. Ja, wenn ich eine Person liebe, dann habe ich sexuelles Verlangen nach ihr. Aber das ist tendenziell so selten, dass es irgendwie „zu wenig“ für Demi ist. Vielleicht 4-5 Mal im Jahr. Falls das für Greysexualität zu wenig sein sollte und mir das jemand bestätigen kann, dann gehör ich wohl hier hin. Ansonsten ordne ich mich hier eben nicht ein.

Und für die Asexualität an sich? Empfinde ich mich eben auch unpassend, denn ich habe ja durchaus sexuelles Verlangen.

Deshalb, wieso icht etwas zwischen Asexualität und dem Normalen? Greysexualität bringt mich da irgendwie unter. Ich habe sexuelles Verlangen mit einer bestimmten Person unter bestimmten Umstände.
Diese Umstände kenne ich aber noch nicht oder ich kann sie schlicht und ergreifend nicht definieren.


Dieser Blogbeitrag soll einen Einstieg in meinen Blogbeitrag zu Thema „5 1/2 Monate ohne Orgasmus“ sein und bereits einen kleinen Einblick in meine Sexualität schenken und die Struggles, die genau deshalb vielleicht auftreten oder nicht auftreten.

Danke für’s Lesen!
Ich freue mich über euer Feedback.

Fragmente aus vergangenen Tagen [I]

Hallo liebe Leser! Ich begrüße euch zu einer neuen Beitragsreihe, die den Titel „Fragmente“ trägt. Hier teile ich mit euch kleine Erinnerungen oder gerade Erlebtes, was für einen Tweet zu lang und für einen meiner sonstigen Blogbeiträge aber zu kurz ist.
Man könnte sie quasi als Appetithäppchen beschreiben, die immer mal gelesen werden können, wenn es gerade schnell gehen muss: 5 Minuten Raucherpause, der Bus, der in wenigen Minuten kommt oder als kurze Gute-Nacht-Lektüre.

Viel Spaß damit!


 

I. Der Bass dröhnt in meinen Ohren. Eine gefühlte Ewigkeit bin ich nicht mehr feiern gewesen. Clubs sind einfach nichts für mich. Ich habe eine natürliche Abneigung gegen den Geruch von Menschenmengen auf engstem Raum, ungewolltem Körperkontakt bedingt durch schmale Gänge und den lautstarken Musikanlagen. Es überlastet schlichtweg meine Sinne.Warum ich mich diesmal überreden ließ?

Eine Schwulen- und Lesbenparty. Ich hatte Lust auf schöne Frauen und wollte den Abend nicht allein verbringen. Außerdem quittierte meine bessere Hälfte mein flüsterndes ‚Ich könnte ja vielleicht ein Vibroei tragen, oder so etwas…“ mit einem Grinsen, weswegen der Abend verhieß nicht langweilig zu werden.

Mein Zustand war nicht der Beste. Mich plagten viele Sorgen, doch ich hoffte, ein wenig Ablenkung zu finden.

Mit einem Blick winkte sie mich Richtung Clubtoilette. Sofort verstand ich und folgte ihr in eine freie Kabine.
Eine am Waschbecken stehende Person kommentierte mit einem anzüglichen „Oh lala“ meine Partnerin. Oder mich. Oder uns beide? Ich laufe oft mit einem Tunnelblick durch die Welt, sodass ich Flirts oftmals nicht wahrnehme, zumal meine Gedanken sich um das Kommende kreisten.

Und wer hat da noch Zeit und Lust auf seine Umwelt zu achten.

Die Tür der Kabine fiel hinter mir zu. Meine Hände zitterten vor Aufregung, sodass ich mich beinahe ungeschickt beim Abschließen anstellte und mehrmals probeweise am Türknauf ruckte.

Durchatmen. Eindrücke verarbeiten. Ihren Blick auf mir spüren.

„Du weißt, was du zu tun hast.“

Das in etwa muss ihr Wortlaut gewesen sein, als sie mir das Vibroei reichte.

Bereits nach wenigen Augenblicken umgriff ihre Hand meinen Hals und drückte mich somit an die Wand der Toilettenkabine. Ich zog scharf die Luft ein, als mein Rücken sich unsanft gegen diese presste.
Sie beugte sich zu meinem Hals, ließ ihren Atem meine Haut kitzeln, ehe sie ihre Zähne in jener versenkte.
Mir entwich ein leises Keuchen. Der Druck auf meinen Hals wurde stärker.
Sie presste mir ihre freie Hand auf meinen Mund, um meine Geräusche zu unterdrücken.

Ich kann es nicht leugnen. Ich liebe es, wenn man genau das tut. 
Mir meine Stimme rauben mit einer simplen Handbewegung. 
Das hat für mich etwas unglaublich raw-dominantes. 

Roh. Grob. 

Ein sanfter Schubs dirigierte mich aus dem Badezimmer Richtung Tanzfläche.

Das Vibrieren in mir.
Das Dröhnen der Musikanlagen.

Zu meiner Gunst harmonierten beides in einem perfekten Einklang und das Schnurren der Bässe mit der Stimulation der Fernbedienung ergab einen ganz eigenen Rhythmus, der mir über die Nachtstunden einige Freuden bereiteten,
ohne auch nur einmal überraschend meine Mimik zu verziehen.

Der Punkt geht wohl an meine Selbstbeherrschung.

Living the Brat-Life – Erzählungen aus meinem Leben

Hallo meine Lieben und schön, dass ihr wieder dabei seid!
Heute folgt er also: der Eintrag, der einstimmig auf Twitter erwartet wurde –
Wie äußert sich mein Wesen als Brat? Was macht mich zu einer? Bin ich ein klassischer Fall von topping from the botton? Bin ich eine Wunschzettelsub?

Fragen über Fragen. Ich werde mir die Zeit nehmen und alle beantworten, die mir in den Sinn kommen. Meine Antworten beziehen sich -solange von mir nicht anders vorgegeben- auf meine aktuelle D/s-Beziehung. Inwieweit sich dies von Playpartnern unterscheidet, werde ich irgendwo im unteren Abschnitt erklären.

Anbei vielleicht noch die eine oder andere kurze Erzählung aus vergangener Brattyness.
Ich wünsche euch viel Spaß!


„Natürlich ist das amüsant. Auch du findest Brats amüsant, solang sich die Provokation nicht gegen dich richtet.“

Grüße gehen raus an Aurion, falls du das liest. 😀


Ich bezeichne mich selbst als Brat. Ich bin eine aufmüpfige, provokante submissive Frau, die bei Bedarf immer ein Grinsen auf den Lippen und einen trietzenden Spruch parat hat.

Wenn mein Gegenüber mich eben Brat sein lässt.

In meiner D/s-Beziehung zeige ich sehr ambivalente Züge. Einerseits ist meine submissive Seite perfektionistisch. Andererseits tituliere ich mich als Brat. Wie passt das also zusammen?

Ich bin Brat, wenn man mich eben Brat sein lässt.

Schlagfertige Kommentare, provozierende Worte und kleine Widerstandsgesten gehören eigentlich zu meiner Person. Sie machen einen Teil meiner Persönlichkeit aus. So begegne ich Freunden, Feinden, meiner Liebe. Und so habe ich das große Glück, dass auch ich mich in meiner D/s-Beziehung diesbezüglich nicht einschränken muss, weil kleine Provokationen durchaus ihren Reiz haben.

Warum? Weil ich natürlich nicht das Ziel habe, meine Partnerin bloßzustellen oder zu kränken. Ich habe ein Gespür, was angebracht ist und was nicht.
Nie würde ich ohne Rücksprache bei einer öffentlichen Veranstaltung solch ein Verhalten zeigen. Nie würde ich sie ernsthaft verbal verletzen wollen.

Meine Partnerin berichtete mir einmal aus einer Session mit ihrer Ex-Sub.
Eine weitere dominante Person war anwesend – der Freund der Sub. Während der
Session entriss er ihr die Gerte.

Eine Art der Provokation, die für mich niemals in Frage kommen würde.
Ich untergrabe nicht die Autorität in meiner D/s-Beziehung. Ich schätze dieses Verhältnis zutiefst.

Ich suche nach den Worten, die ein lachendes und ein weinendes Auge hinterlassen. Ein Drahtseilakt aus „eigentlich möchte ich dies beschmunzeln, aber eigentlich möchte ich ihr auch ziemlich weh tun“. Das ist meine Art von Brat-Status, die ich natürlich in mir habe und diese ist auch gewollt.

Wird das ganze nun bestraft? Sind diese Arten von Provokationen die, die als Einleitung zur einem Spanking dienen, weil ich da gerade Lust drauf habe?
Können wir hier also von einem ‚topping from the bottom‘ sprechen?

Ja, das ganze bleibt bei Bedarf nicht ungestraft. Ja, die Strafen gefallen mir selbstredend nicht. Nein, das ist dann auch keine Überleitung zu einem Spanking, was mir gefällt.
Ich denke also auch, dass man hier nicht von ‚topping from the bottom‘ sprechen kann.
Die Strafen fallen unangenehm aus. Ich empfinde diese weder als verkappte Belohnung, noch ist das etwas, auf das ich bewusst heraufarbeite. Es ist nur so, dass ich es eben in Kauf nehme, damit ich sein kann, wie ich bin. Und ich bin froh, dass meine Partnerin hier in der Lage ist, ein angemessenes Strafmaß zu finden und mir beispielsweise nicht gleich das Halsband abzunehmen – was für mich eine Strafe wäre, die nach meinem Empfinden riesigen Verfehlungen zu Grunde liegen müssten.
Ich akzeptiere diese also.

Soll das heißen, du provozierst nie mehr als gewollt?

Genau das. Nun…das gilt für meine Partnerin. Ab und an kommt es aber vor, dass eine Person sich mit einklinkt und an einer Session teilnehmen möchte.
Solang meine Partnerin nichts anderes vorgibt, nutze ich diese Gelegenheiten zu gerne, um meine innere Brat zum Spielen herauszulassen und dabei noch meine Partnerin auf ein kleines Podest zu setzen. Für sie und für mich eine klassische Win-Win, oder?
Ein kleines Beispiel:

Ein Spanking. Eine Freundin wohnte diesem bei und fragte um Erlaubnis, mich dabei fixieren zu dürfen. Ein Schmunzeln meiner Göttin: „Versuch es doch, wenn du willst.“
Das Zeichen für mich, dass ich diesem nicht unbedingt Folge leisten muss.

Was geschah?

Vergeblich versuchte mich entsprechende Freundin festzuhalten und nach unten zu drücken. Irgendwann gab sie erschöpft auf. Ich nahm die vorherige Spanking-Position ein, die ich für unseren kleinen Kampf verlassen hatte und teilte ihr mit einem Lächeln auf den Lippen mit, dass sie sich vielleicht jemand in ihrer Liga zum Spielen suchen sollte.

Ich hatte meinen Spaß und meiner Partnerin hat die Gewissheit, dass ich mich eben nicht jedem unterwerfe.

Apropos jedem Unterwerfen: Sturheit, Stolz und Willenskraft ist in diesem Punkt auch Teil meiner Brat-Seite.
Soweit nicht anders von mir verlangt, gönne ich auch einer Person, der z.B. ein Spanking von meiner Partnerin genehmigt ist weder bitten, betteln oder auch nur ein Geräusch. Egal wie stark entsprechender Schmerzreiz war.
Eher sollten sich Personen darauf einstellen, dass ich ihnen im Anschluss mitteile, dass meine kleine Schwester fester zuschlagen könnte, wenn ich eine hätte.
Das ist wahrscheinlich gelogen, aber in diesem Fall eine Prinzipienfrage meinerseits.
Das kam so auch schon vor.

Die Genugtuung, dass jemand meine schmerzverzerrten Laute zu hören bekommt, möchte ich in diesem Maße nur meiner D/s-Beziehung schenken. Und solange ich in dieser bin und mir nicht von eben jener mitgeteilt wurde, dass ich dies einzustellen habe, werde ich dies auch nicht ändern.

Welche Ausnahmen gibt es noch?

Die, in denen mir meine Partnerin in irgendeiner Form signalisiert, dass es für sie gerade in Ordnung ist, wenn ich andere Arten von Provokationen offenbare. Ein Blick dazu beispielsweise in meinen letzten Blogeintrag.
Nie würde ich innerhalb einer D/s-Beziehung meinem Gegenüber an den Hals greifen, um diese zu würgen. Ist dies aber erlaubt und gewollt, dann…go for it.

Wo kann das denn vorkommen?

In bestimmten Szenarien, die sich auch von meiner Seite aus im Meta-Konsens bewegen und ein ‚alles ist erlaubt‘-Szenario voraussetzen. Rape-Plays beispielsweise.

Macht es dich zu einer Wunschzettel-Sub, wenn du dein Wesen quasi durchsetzen kannst?

Auch dies würde ich verneinen. Sollte dies innerhalb meiner D/s-Beziehung -aus welchen Gründen auch immer- nicht gewollt sein, so kann ich dies einstellen. Meine submissive Ader ist Teil meines D/s und in diesem Fall ausgeprägter. Ich genieße also nur, dass man mich nimmt, wie ich eben bin. Im wahrsten Sinne. *badumtss*

Und wie sieht das Ganze mit Spielbeziehungen aus?

Spielbeziehungen begegne ich fast immer als Brat. Entweder, es harmoniert eben und mein Gegenüber hat Spaß an meiner Art oder es passt einfach nicht. Meine devote Ader ist D/s-only und jede Art von ‚Ich mache gerade, was mein Gegenüber will‘ resultiert daraus, dass ich da gerade Lust drauf habe und nicht aus einem Hingabegefühl meinerseits.
Playpartner müssen meine vorlaute, sassy Art also akzeptieren. Aber bisher schien diese auch immer ganz unterhaltsam und reizte meinen Gegenüber.


Ein etwas kürzerer Beitrag, der hier sein Ende findet.
Danke für’s Lesen! Kommentare hier oder bei Twitter sind gern gesehen, ebenso das Teilen des Beitrags!
Tüddelü! ♥

Learn to swim or you will drown

Hallo liebe Leser!

Es folgt ein Bericht zu Freitag Nacht. Twitter hat es vielleicht schon gelesen: im Fokus meiner letzten kleinen Session stand das Waterboarding.
Vielleicht ist deshalb eine kurze Triggerwarnung angebracht:
Waterboarding wird nicht umsonst als weiße Folter bezeichnet (sprich: auch wenn keine körperlichen Schäden zurückbleiben, kann die Auswirkung für die Psyche fatal sein)
Ich beschreibe in diesem Artikel nicht, wie das ganze möglichst safe umgesetzt wird. Ich teile meine Empfindungen und Gefühle mit euch. Sollte bereits der Gedanke ans Ertrinken in euch Panik oder unangenehme Angst auslösen, dann lest an dieser Stelle vielleicht nicht weiter.

Für alle anderen gilt: Viel Spaß an meinen Erlebnissen! ♥

Noch eine kurze Anmerkung meinerseits: Dies ist eine Wiedergabe aus meiner Sicht. Das Ganze glich einer Reizüberflutung und ich konnte nicht alle Details gänzlich wahrnehmen. Zu viele Eindrücke. Zu viel Dynamik. Für eventuelle Fehlwahrnehmungen entschuldige ich mich im Voraus. Sollte meine bessere Hälfte dies lesen und anders in Erinnerung haben, so korrigiere ich mich gern. Ansonsten versuche ich gesagtes in etwa im Wortlaut wiederzugeben.

Tüddelu!


„Ich will dich jetzt mindfucken. Punkt.“

Ich blickte auf mein Handy und verniff mir ein seufzen.
Erst heute morgen habe ich meiner Göttin versucht zu erklären, wie es um meine aktuelle Gedanken- und Gefühlswelt steht. Diese ist quasi komplett inexistent. Das ganze Jahr hat bisher seine Spuren hinterlassen und meine aktuellen Sorgen nehmen meinen Kopf so sehr ein, dass für andere Dinge einfach kein Platz mehr ist. Folglich wechselt mein Wesen bezüglich Sexualität in eine Art Standby-Modus. Nur dauert dieser Standby-Modus nun schon mehrere Wochen an.

So hinterließ auch diese Nachricht in mir eher eine Art passive Mentalität.
Die Vornachricht kündete einen Badbesuch an. Ich wusste, was dies bedeuten sollte, immerhin sprachen wir erst vor kurzem erneut darüber. Und eigentlich liebe ich jede Variante eines Breathplays.
Heute allerdings konnte ich kaum etwas mit mir selbst anfangen. Es war spät, ich müde und ausgelaugt. Ein wenig kränkelnd.
Trotz allem war da einfach kein Spielraum für Widerworte. Und so folgte ich ihr mit einer beinahe unangenehmen ‚bringen wir es hinter uns‘-Einstellung, sodass mich eine Freundin im Nebenraum noch fragte, ob mit mir wirklich alles in Ordnung sei.

Versteht mich nicht falsch. Ich habe mich in diesem Zustand selbst angewidert. BDSM ist für mich Leidenschaft. Und Sub-sein bedeutet für mich, in einfach allen Situationen mein bestes zu geben und mich auf die Situation einzulassen.
Genau das fehlte mir aber. Genau das teilte ich im Vorgespräch mit.
Warum ich es also doch tat? Weil meine bessere Hälfte davon überzeugt war, genau das wieder in mir entfachen zu können.
Ich folge ihr in das Badezimmer, zog mich aus und bejahte die Frage, ob ich mich körperlich danach fühlen würde. Mein Fuß krampfte ein wenig, aber beeinträchtigen sollte mich das in einem solchen Szenario nicht.

Mit den Augen verfolgte ich das Tun meiner Göttin, während ich mir ein schmunzeln auf meinem bis dato eher versteinert wirkenden Gesicht nicht verkneifen konnte.
Beinahe liebevoll wärmte sie mit heißem Wasser die Fliesen an, stimmte die Wassertemperatur perfekt ab und sorgte für die optimale Höhe meines Kopfes, damit mir nach Beginn weder Wasser in Lunge, noch Nase lief.

Paradox, wenn man sich vorstellte, dass meinem Körper gleich ertrinken vorgespielt wird.
Quasi Folter auf 5*Hotel-Niveau.

Ich nahm auf dem Boden in Rückenlage Platz.

„Bereit?“

Ich nickte.


Ich atmete schwer durch. Die eigentlich angewärmten Fliesen unter meinem Rücken fühlten sich auf einmal wieder unfassbar kalt an.
Noch ein schneller Blick in das Gesicht von meiner Frau, bevor ich ein Tuch über meinem Gesicht hatte. Ich hielt es für eine Art Geschirrtuch, durfte aber später feststellen, dass ich mich irrte.

Beinahe unbewusst hielt ich die Luft an, spürte den Strahl der Dusche auf meinem Gesicht, von dem mich nur das Tuch trennte.
Ich erschrank, versuchte Luft zu holen und merkte, die das Tuch sich nah an meine Lippen schmiegte.
Sofort drückte ich meine Fingernägel in meine Handflächen, bäumte mich instinktiv etwas auf und begann unter dem Geschirrtuch zu röcheln.

Es blendete kurz, als sie den Stoff von meinem Gesicht entfernte.

„Alles okay?“

Ich ließ mich wieder sinken, nickte, unterdrückte ein Knurren.

Obwohl ich in diesem Jahr bereits einmal Waterboarding ausgetestet habe, hatte ich wohl doch vergessen, wie sich das anfühlt. Simuliertes Ertrinken. Nicht die leichteste Spielart, die BDSM so zu bieten hat.
Sofort schwebte mir die Aussage einer Person im Kopf, die mir unsicher mitteilte, ob man dabei nicht einfach nur die Luft anhalten müsste.

Sicherlich kann man das. Das wird auch eine Runde gut gehen. Vielleicht auch zwei Runden. Oder drei. Aber irgendwann verlässt dich die Luft und das Ganze geht weiter. Und dann bist du gezwungen, nach Luft zu ringen. Das ist der Moment, wenn es eigentlich losgeht.

Ich wartete erneut auf das Gefühl des Stoffs auf meinem Gesicht. Konnte meine Unzufriedenheit nicht überspielen.
War ich gerade noch mit der Gesamtsituation unglücklich, so war ich es nun, weil mir die erste Runde vom Zeitfaktor nicht ausreichte und sich die wenigen Sekunden wie ein Versagen anfühlten.

Schreibe ich nun in diesem Moment darüber, wäre es anders kaum möglich gewesen, denn immerhin war es die erste Runde und es könnte doch die Möglichkeit bestehen, dass mir beispielsweise Wasser in die Nase läuft oder ich mich mental überschätzt habe.

Aber so wurde in mir schon einmal der Drang geweckt, mehr zu geben. Ob nun für mein Gegenüber, oder für mich selbst und meine noch herrschende ‚einfach-überstehen‘-Stimmung war dabei zweitrangig.

Ich schluckte kurz, atmete noch einmal mit Bedacht ein, bevor ich wieder Dunkelheit sah und den Wasserstrahl auf meinem Gesicht spürte.
Ich bin mir unsicher, wann ich die Luft aus meinen Lungen weichen lies.
Wahrscheinlich innerhalb weniger Sekunden.
Mein ganzer Körper konzentrierte sich auf das Geschehen.
Dunkelheit. Nässe. Atemnot.
Das Gefühl, nicht atmen zu können, obwohl man mit geringer Stoßatmung an Sauerstoff gelangt.
Das Gefühl, zu ersticken. Das Geräusch der Duschbrause in meinem Ohr, völlig abseits von sonstigen Außengeräuschen.

Plötzlich wieder klare Sicht vor einem, sobald das Tuch entfernt wurde. Beinahe befreiend schnappt man nach Luft. Als könnte ich spüren, wie sich meine Lungenflügel gänzlich mit Sauerstoff füllen, ehe einen gleich erneut Dunkelheit umgibt.

Ein brennender Schmerz durchzog meine Wange. Eine Ohrfeige schlug das Tuch von meinem Gesicht.
Ihre Hand griff nach meinem Hals, sodass ich kaum die Gelegenheit hatte, nach Luft zu schnappen.

Das war der Moment, in dem ich merkte, wie in mir ein Schalter umgelegt wurde.
War ich bis gerade noch gleichgültig und abseits, so begann nun mein Inneres, sich auf dieses Spiel einzulassen. Mich zu konzentrieren. Jeden Moment abzupassen, an dem ich Luft gewinnen konnte. Mich jedem Moment nicht der Panik hinzugeben, die das Adrenalin und die Dunkelheit in einem hinterlässt. Nicht der Todesangst zu verfallen.

Erneut das Tuch über meinem Gesicht. Nässe.
Währenddessen eine Hand an meinem Hals. Meine Augen diesmal aufgeklappt.
So hatte ich Gelegenheit, meine Göttin mit meinem Blick zu fokussieren.

Sie war eine Erscheinung. Eine amüsiertes, sadistisches Grinsen, gefolgt von einem leisen Knurren. Augen, die meinem Blick Stand hielten und jede Regung der Pupillen meinerseits genossen.
Ein leicht schräg geneigter Kopf, der fast eine gespielte Spur Mitleid zeigte, für den Kampf um Sauerstoff, den ich ihr gebot.

Auf der anderen Seite ich unter ihr. Meine Augen verengten sich zu Schlitzen und ich unterdrückte das Bedürfnis zu blinzeln. Wollte ihrem Blick nicht nachgeben.
Unterdessen mein Körper, der sich räkelte und verkrampfte.

Beinahe erleichtert ließ ich meinen Kopf zurück sinken, als die Tortur endete.
Ich spürte bereits wieder den Griff an meinem Hals, als mich erneut eine Ohrfeige traf.

Mir entwich ein leises Keuchen. Mit jedem Schlag gab ich ein leises, schmerzverzerrtes Stöhnen von mir.

Dann beugte meine Göttin sich über mich und nahm auf meiner Hüfte Platz.
Beinahe amüsiert streckte sie sich und bewegte ihre Hüften mit einer anschmiegenden Geste, wie Personen, die sich nach einem langen Tag in ihr Bett kuscheln.

Ich bewegte mich unter ihr, versuchte mich zu befreien. Beobachtete das ganze missbilligend, denn es provozierte mich auf irgendeine Art.

„Du kannst tun, was du willst und du kommst hier nicht weg. Du bist mein kleines Spielzeug und ich kann das mit dir so lang machen, wie ich Lust darauf habe“, säuselte sie süffisant.

Erneut die Dunkelheit über meinem Gesicht.
Ich riss mir das Tuch vom Kopf, um in ihres zu blicken.
Für den Augenblick einer Sekunde schien sie zu prüfen, ob es mir gut ginge oder dies Teil des Spiels war.

In diesem Moment war es für mich in Ordnung, von den Spielregeln abzuweichen. Es gab für mich viele bestätigende Momente, die mir versicherten, dass sich die Dynamik der Session ändern darf, wenn ich das eben auch will.
Und ich wollte es. So konnte ich meinen Kopf komplett ausschalten und mich auf alles einlassen. Ich hatte keine Kapazitäten mehr, um an etwas anderes zu denken, als das, was gerade passiert.

Ich versuchte, sie von mir zu drücken, griff nach ihren Handgelenken, um sie zur Seite zu stoßen. Sie quittierte mir dies, indem sie mir den kalten Wasserstrahl der Brause auf mein Gesicht hielt und lachte.
Meine Handgelenke wurden zu Boden gedrückt. Ihr Körpergewicht verlagerte sich nach oben und mit der Hand an meinem Hals, begann sie erneut eine Runde des Ertränkungsspiels.

Reflexartig griff ich nach dem Hals meiner Göttin und begann ebenso zuzudrücken.

Versteht auch das bitte nicht falsch. Das ist eine Geste, die ich mir gerade innerhalb einer D/s-Beziehung nicht wagen würde. Ausnahme: es passt zur entsprechenden Szenerie und es ist sogar gewollt. Dies war hier der Fall. Das wurde verbal und nonverbal kommuniziert. Ich war mir bewusst, dass ich zu allen Möglichkeiten greifen durfte, um zu entkommen, auch wenn das vorher nicht so besprochen war.

Sie knurrte, ließ auch ihre Hand an meinen Hals schnellen und drückte erbarmungslos zu.
Ich weiß nicht, wie fest mein Griff überhaupt war. Ich hatte das Gefühl, ich würde meine ganze Kraft in diesen legen, aber mein Körper war erschöpft vom Kampf gegen das Ertrinken und die permanent unterbrochene Sauerstoffzufuhr in den Pausen, in denen ich eigentlich hätte atmen sollen. Wahrscheinlich war mein Griff stark genug, um ein Glas zu halten.

„Bist du dir sicher, dass das eine gute Idee ist?“, hörte ich sie sagen.

Direkt, beißend, beinahe zischend.
„Ich kann dir das auch über den Kopf stülpen. Willst du das?“
Erst jetzt erkannte ich, dass das besagte Tuch ein Bettbezug ist.
Ich lockerte den Griff. Ob der Vorstellung an dieses Szenario oder meinem zu diesem Zeitpunkt fortgeschrittenen Sauerstoffmangel kann ich nicht sagen.
Der Druck um meinen Hals lockerte sich nicht.

Ich griff nach ihren Handgelenken, öffnete meine Lippen weiter, um so doch besser atmen zu können. Man konnte in meinen Augen lesen, dass diese um Sauerstoff bettelten,

Mir wurde schwindelig. Ich bemerkte förmlich, wie mein Körper zu erschlaffen begann und mein Verstand wegdriftete.

Eine Ohrfeige riss mich aus meiner Benommenheit und ließ mich augenblicklich klar werden.
Ich schnappte tief nach Luft, konzentrierte mich nur darauf, wieder dieser sonst so banalen Tätigkeit namens ‚atmen‘ nachzugehen – zumindest solang, bis ich wieder das Stück Stoff auf meinem Gesicht fühlte.

„Wenn ich du wäre, würde ich jetzt tief einatmen“, schnurrte sie beinahe bösartig.

Ich spürte Fingernägel, die über meine Brust kratzten, mein Körper, der sich vor Adrenalin und Angst aufbäumte und windet.
Erneut den Druck auf meinen Hals. Das Glühen meiner Wangen. Ohrfeigen. Schmerzen.
Dieser Blick, der auf mir haftet und puren Animalismus ausdrückt. Auf der Jagd nach dem Moment, in dem mein Körper aufgibt.

Der Griff nach mir löst sich. Ich kann wieder atmen.
Ich ringe um Atem, versuche mein Gegenüber im Blick zu behalten.

Ich habe Wasser in den Ohren und durch meine eigenen Atemgeräusche Schwierigkeiten, meine Umgebung wahrzunehmen. Bilder laufen daumenkinoähnlich ab.

„Du gehörst mir und nur mir. Hast du das verstanden?“

Mein Puls rast. Ich versuche ruhig zu sprechen.

„Verstanden“, presse ich mühselig hervor.

„Und ich kann mit dir tun und lassen, was ich will. Weil du mir gehörst.
Hast du das verstanden?“

Ich wiederholte meine Antwort.

Normalerweise würde ich nun erwidern, dass ich ‚frei, wild und unabhängig‘ bin. Meine Standardantwort, wenn die Brat in mir rebellieren mag. Aber für heute gebe ich mich hin.
Außerdem mag ich nicht leugnen, dass ich diese besitzergreifenden Worte aus dem Mund meiner Göttin über alles liebe.

Ich lächelte sie kurz an. Meine Art zu zeigen, das alles in Ordnung ist.

Sie küsste mich.

„Ich will deinen Hals“, flüsterte sie mir entgegen. Bestimmend. Direkt.
Ich drehte meinen Kopf bestmöglich zur Seite, unsicher ob ich sie überhaupt richtig verstanden habe. Meine Ohren waren leicht gedämpft vom Wasser.

Ich spürte ihren Atem auf meiner Haut und ihre Zähne, die sich in meiner Haut versenkten.
Kein Knabbern. Kein Biss, der einen erregen soll. Kein zu fester Biss, der einen tagelang einen tauben Nerv kostet. Der Biss eines Raubtiers, das gerade seine Beute erlegt hat.

Mein ganzer Körper verkrampfte sich augenblicklich und ich biss mir auf die Wangentaschen, um meinen Schmerzlaut zu unterdrücken.
Mein Hals pochte und ich gab zum Ende nur ein leises Murren von mir.

In diesem Moment war ich einfach nur glücklich. Ich war glücklich, dass meine bessere Hälfte recht behielt und es mir wirklich gut tat. Ich konnte mich darauf einlassen und meine Gefühlswelt wieder wahrnehmen.
Ich beugte mich zu ihr nach oben, küsste sie, ehe sie mir auf half und mich in Handtücher einwickelte und wir nach oben zu Bett gingen.


Danke. ♥