Das Halsband – Unbedingt, weil?

Hallo meine lieben Leser! Ich melde mich zurück, bin noch immer im Urlaub, aber nehme natürlich fleißig am #BlogWar teil. Zusammen mit der lieben Needful und der werten Sarah bloggen wir gemeinsam über ein Thema, von dem niemand vorher weiß, was der jeweils andere schreiben wird. Und nicht selten kollidieren unsere Ansichten aufeinander, aber gerade das macht es ja erst spannend, richtig?

Die jeweiligen Blogs zum heutigen Thema findet ihr hier:

Sarah Blume: https://t.co/6tSIso5aGl?amp=1
Needie: https://t.co/i4SVncRTd0

Wie ihr schon in der Überschrift lesen könnt, soll es heute um das Halsband gehen.
Und wie immer der übliche Disclaimer: Handhabt das selbst, wie ihr wollt. Hier lest ihr nur meine subjektive Meinung.

Also dann: Viel Spaß beim Lesen!

Das Halsband – Bedeutung oder modisches Accessoire?

In „Die Geschichte der O“ ist es so, dass jeder, der das Halsband als Erkennungszeichen wahrnimmt und damit im Kreise der Eingeweihten ist, über die O verfügen darf.
Nun, ich trage auch Halsband, bin von dem ursprünglichen Zweck des Halsbands aber weit entfernt.
Wer also den silberfarbenen Edelstahlreif um meinen Hals als Zeichen von D/s wahrnimmt, der liegt damit goldrichtig, hat aber trotzdem keine Verfügungsgewalt 😉
Ich denke auch, dass heutzutage kaum noch ein BDSMler auf diese alte Tradition der Geschichte zurückgreift. Heute ist ein Halsreif längst nicht mehr nur Zeichen einer O, sondern auch modisches Accessoire. In den gängigen Läden werden sämtliche Arten von Choker verkauft. Man stelle sich also den Konflikt vor, wenn ein Liebhaber der O plötzlich sein Anrecht bei einer modernen Frau einfordert, die gerade ihren letzten H&M-Haul ausführt.
Das Konzept ist also veraltet.

Nun, ich finde diese schicken Abwandlungen der Modeindustrie wirklich schön- und ich denke auch, dass Choker noch genug Unterschiede zum „klassischen“ Halsband offen lassen, sodass diese beiden nicht zwingend verwechselt werden müssen. Sie haben also durchaus als Halsschmuck ihre Daseinsberechtigung, ohne mit dem BDSM zu kollidieren.

Vergeben? Single? Sub? Dom?

Vergebene Personen tragen Halsbänder. Single-Subs tragen Halsbänder. Doms tragen auch Halsbänder (entweder sie gefallen, sie sind Switcher, oder was auch immer – da gibt es wohl viele Gründe) und Subs tragen Halsbänder. Was das heißt?
Durch das Tragen eines Halsbands kann man absolut nichts über die Person heraus lesen. Für mich ist das in Ordnung. Soll jeder tragen oder machen, was ihn glücklich stimmt und niemanden verletzt.
Ich kann nicht leugnen, dass ich manche Handhabungen nicht verstehe oder es genau so machen würde, aber ich gehe eben meinen Weg.

Ich trage ein Halsband, wenn ich in einer festen D/s-Beziehung bin und Dom eben dieses Halsband abgesegnet hat. Es ist ein Symbol für diese Beziehung, wie es beispielsweise der Ehering in einer Ehe ist. Und ich würde das Halsband selbst auch nicht anders tragen.
Ich bin kein Freund von „Spielhalsbändern“ mit Playpartnern und möchte selbst auch keines. Das erfüllt für mich nicht den Zweck und macht die Symbolik kaputt. Entweder, ich gehöre jemanden und ich trage seinen Schmuck, oder eben nicht. Es ist mir schlicht zu wertvoll, um nur Accessoire in einer Session zu sein. Die einzige Ausnahme: Ich wechsel das Halsband, weil das Setting es erfordert oder mein fester Dom es eben so wünscht.

Womit wir auch bei der Überschrift wären: Unbedingt…weil?
Ich habe fast das Gefühl, es gehört heute zum guten Ton, dass jede Sub ein Halsband trägt. Ich kann das Bedürfnis danach verstehen, zumal es hübsch ist und irgendwie Kinkyness ausstrahlt. Und ich denke, dass das schon für viele ausreichend ist, um eines zu wollen.
Das ist auch okay so, kommt für mich selbst aber nicht in Frage. Ich möchte mein Halsband nicht ohne die Komponente D/s und mein D/s nicht ohne bestimmte Subkomponenten.

Aber: Ich brauche es eben nicht. Wenn meine Dom entscheiden würde, dass sie keines wünscht, dann würde ich mich diesem Wunsch anpassen. Wenn sie ein anderes Halsband an mir sehen will, dann beuge ich mich diesem Willen. Und wenn meine Dom eben unbedingt eines an mir sehen will, um zum Beispiel der Öffentlichkeit zu signalisieren, das ich ihr gehöre, dann trage ich auch unbedingt eines. Meine Dom hat da das letzte Wort und ehrlich gesagt würde ich es auch nicht anders wollen. Ständig nach einem Halsband zu quängeln läge mir da fern.

Mein Halsband

Ich trage aktuell ein Edelstahl-Halsreif mit O-Ring, der sich durch eine Schraube lösen lässt. Ich trage dieses Halsband tagsüber, nachts und zu fast allen Gegebenheiten. Einzig zu meinem Nebenjob nahm ich es ab, da ich diesem aber nicht mehr nachgehe, befindet es sich also 24/7 an meinem Hals. Ich liebe mein Halsband und ich liebe, zu welcher Person es mich macht. Ich trage es mit Stolz, wie frisch Verlobte ihren Verlobungsring tragen und auch in der Öffentlichkeit ist es mir nicht unangenehm. Blicke nehme ich entweder nicht wahr, oder sie sind nicht da. Natürlich ist es nicht unauffällig, aber darauf ansprechen oder mich gar anstarren tut kaum einer. Vielleicht ist das eben eine Sache der Ausstrahlung: je souveräner man damit auftritt, desto selbstverständlicher wird es auch aufgenommen – aber das ist eben nur meine persönliche Wahrnehmung.

Und trotzdem: Bald werde ich mich von meinem aktuellen Halsband als 24/7-Halsband trennen und ein anderes den Platz um meinen Hals einnehmen, denn vor wenigen Tagen bestellte ich -natürlich mit bester Genehmigung meiner Dom- mein Eternity-Collar. Diesem seufze ich schon ewig sehnsüchtig nach, aber die Finanzen erlaubten eine solche Ausgabe gerade.
Es ist ohne O-Ring und rosegold, sodass es auch zu einer normalen Arbeit getragen werden, aber nicht eigenständig von Sub gelöst werden kann.

Es. Ist. Wunderschön.

Ich werde mein Altes sicher auch ab und an tragen, gerade wenn ich beispielsweise Edelstahlmanschetten trage, damit es optisch stimmig wirkt oder vielleicht in einer Schwimmhalle, um das Material des Eterniry-Collars nicht unnötig zu belasten, aber dabei verlasse ich mich eben auf die Einschätzung meiner Dom.

Diese lies auch verläuten, dass sie sich für den neuen Halsreif eine kleine Zeremonie wünscht.
Man darf also gespannt sein, denn diese wird sicher einen eigenen Blogbeitrag erhalten.

Die O – Sub oder Sklavin?


Hallo meine lieben Leser!
Willkommen zurück zum #BlogWar mit der werten Needful und der lieben Sarah.
Sarah hat sich mal wieder ein Thema ausgesucht, zu dem wir alle bloggen werden, wobei bis zur Veröffentlichung niemand den Beitrag des Anderen kennen wird. Es gibt also drei unterschiedliche Ansichten zum oben genannten Thema zu lesen. Dabei ist es nicht unüblich, dass auch mal unsere Interessen und Ansichten kollidieren, aber gerade das macht es doch so spannend, richtig?

Die jeweiligen Blogs findet ihr hier:
Needful: https://t.co/zafJAUVaxC?amp=1
SarahBlume: https://t.co/CX3EmJ3osS?amp=1/

Nun denn, ich werde mir zu besagter Überschrift einige Freiheiten herausnehmen. Unter anderem mag ich nicht nur klären, in welche der beiden Schubladen ich die „O“ packe, sondern gleich noch für euch klären, in welche ich mich selbst einordnen würde. Es gibt also einiges zu lesen!
Viel Spaß!

Die „O“ nach Roissy

Als ich das Thema zuerst las, war ich kurz überfordert. Mir ist die Geschichte der O grob bekannt und ich kenne auch die Definition nach Sarahs Ex, weil sie sich einen Blog teilen und ich diesen schon seit Jahren lese, aber wirklich ~in dem Thema drinnen~ bin ich eben nicht. Ich habe das Buch zwei Mal angefangen und frustriert wieder abgebrochen, weil es für mich einfach unlesbar ist. Os Gefühlswelt ist so dermaßen uneinsichtig und man erfährt nahezu nichts über ihr Innenleben. Das gestaltet Figuren für mich zu eindimensional und langweilig, um mich durch ein ganzes Buch zu quälen. Was fühlt sie, während sie das erste Mal ausgepeitscht wird? Was sind ihre Gedanken, wenn ihr Verliebter sie in Roissy abgibt? All das ist nicht Bestandteil des Buchs. Somit sind wir leider nicht warm geworden und ich werde für immer unwissend über die Geschichte sterben 😉
Aber vielleicht schaue ich mir irgendwann einmal den Film an, wer weiß.

Was ich aber ganz sicher weiß (weil ich es im Buch durch die ersten Seiten geschafft habe – ansonsten korrigiert mich gern):
Die O wird nachts gezüchtigt und dient nach Sonnenaufgang den entsprechenden Männern und geht ihrer Tätigkeit nach. Erkennt jemand die O als das, was sie ist, so steht sie auch jenem zur Verfügung. O darf weder ihre Schenkel, noch ihre Lippen schließen und hat selbst keine Limits oder ein Safeword.

O – Sub oder Sklavin? Definitionen über Definitionen…

Sub oder Sklavin? Für beide Begriffe gibt es keine festen Definitionen und jeder definiert diese für sich selbst. Während ich zum Beispiel weiß, dass Sarahs Ex „Sub“ mit dem Schwerpunkt auf der sexuellen Fremdbestimmung und „Sklavin“ mit dem Schwerpunkt des Sadomasochismus definiert, sieht das bei mir wiefolgt aus:
(Und damit wieder der übliche Disclaimer: Das sind meine Ansichten. Es müssen nicht eure sein. Bildet euch da einfach eure eigene Meinung)


Die Sub unterliegt dem Machtgefälle des D/s. Sie bestimmt ihre Hard- und Softlimits eigenständig und spielt im Sicherheitsnetz des SSC oder RACK, hat aber ein Safeword oder dieses eben selbstbestimmt abgelegt. In jedem Fall hat sie -im Vergleich zur Sklavin – mehr Mitbestimmungsrecht, was die Gestaltung der D/s-Beziehung angeht. Oftmals liegt der Fokus auch auf der Lust der Sub.

Die Sklavin hingegen verfügt nach meinem Verständnis über keine Limits und kein Safeword. Sie ist sozusagen im Metakonsens beheimatet und lebt ihr D/s in einem 24/7-Verhältnis.
Als Sklavin übernimmt sie beispielsweise Aufgaben im Haushalt, um den Top zu entlasten und wird für Verfehlungen härter bestraft, als dies vielleicht bei Sub der Fall wäre. Der Fokus liegt eher auf service-orientierter Submission, obwohl sie natürlich auch für die Lust dient.

Ich weise aber an dieser Stelle darauf hin, dass der Begriff „Sklavin“ in mir ein leicht mulmiges Bauchgefühl auslöst und man sich natürlich bewusst sein sollte, wo der Ursprung des ganzen liegt:
Ich gebe hier die Stichworte „Rassismus“ und „Kolonialisierung“.
Ich möchte niemandem absprechen, diese Wörter für sich zu benutzen – ich möchte aber darauf hinweisen, weswegen ich sie für mich selbst nicht mag oder eigenständig nutzen würde.

Was ist also für die O passender? Nun, wenn ich mich entscheiden müsste, dann wäre die Sklavin wohl die Schublade meiner Wahl. Irgendwie ist die O für mich aber noch einmal eine ganze eigene Kategorie. Die O verlegt den Fokus zusätzlich auch noch auf die sexuelle Fremdbestimmung. Eine O lebt von dem Kontakt mit anderen Männern und ist nicht gemacht für das monogame D/s-Verhältnis. Die O genießt die Benutzung, Vorführung und den Verleih. Sub und Sklavin hingegen können nach meinem Verständnis durchaus mit einem einzigen Herren ihr Glück finden. Eine monogame O ist hingegen unvorstellbar.

(Falls es hier eine monogame O geben sollte: Ich lasse mich natürlich gern eines besseren Belehren. Schreib mir gern einen Kommentar!)

Was bin ich?

Ich weiß noch, dass meine Dom und ich einmal über diese Begrifflichkeiten gesprochen hatten. Ein befreundetes Paar (der Bräutigam und die Braut) führen ebenfalls eine D/s-Beziehung und labeln sich mit den Worten „Herr“ und „Sklavin“. Während meine Dom sich sicher war, dass ich -verglichen mit ihr- eben keine Sklavin sei, brachte mich das zum Nachdenken.
Okay, vielleicht war ich gleich wieder im Vergleichs-Modus, weil ich nicht verstand, warum dies ihre Ansicht war, traute mich aber auch nicht weiter nachzufragen. Stattdessen nuschelte ich nur ein knatschiges: „Aber beispielsweise sind meine Kinks doch viel weiter gefasst…“

Nun ja, auch ich hab manchmal keine Glanzmomente und das war einer davon.
Jedenfalls: Ich selbst könnte mir eine solche Beziehung durchaus vorstellen, wenn die Dynamik eben zu den betroffenen Personen passt. Ich könnte durchaus glücklich werden mit einem strengeren Regelwerk und einem service-orientierterem Leben. Sogar sehr. Ich denke, es würde mich massiv ausgleichen, wenn das alltägliche Leben unter Befehlsgewalt liegen würde, obwohl man wahrscheinlich ohne D/s dem Haushalt ähnlich nachkommen würde. Ist eben alles eine Sache des Mindsets. Ja, meine Brat würde in dieser Art der Dynamik verkümmern, aber je nach Gegebenheit hätte sie ihre Freiheiten in anderen Beziehungen. Das wäre dann wohl der Preis.

Aber ich brauche es nicht, weil ich mit meiner Art D/s eben genau so glücklich bin. Ich denke, ich kann mit vielen verschiedenen Arten von Beziehungen zufrieden sein, solange mein Gegenüber eben weiß, was er will und wie er dies gestalten mag.

Ich nenne mich also Sub, obwohl ich nach meiner Definition kaum eine der Gegebenheiten einer Sub erfülle. Das ist okay für mich, weil meine Dom die Begrifflichkeiten wählt und nicht ich.

TPE – Das unbekannte Land

Hallo meine lieben Leser!

Ich melde mich zurück aus dem Blog-War mit der werten Sarah und der lieben Needfull.
Wie auch bereits im letzten Beitrag bloggen wir heute über ein gemeinsames Thema., zudem jeder bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, nicht die Sicht des Anderen kennt. Es wird also wieder spannend, da gerade heute über ein Kink geschrieben wird, dass in BDSM-Kreisen sehr stark polarisiert. Ich weiß auch schon, dass unsere Ansichten heute etwas auseinander gehen werden. 😉

Ich verlinke euch hier noch einmal die Blogs der jeweiligen Kolleg*innen:
Needful: neediesblog.wordpress.com
SarahBlume: training-of-o.de/blog/

Und auch heute wieder: Viel Spaß beim Lesen!

TPE – eine dauerhafte Unmöglichkeit

Die drei kleinen und mächtigen Buchstaben „TPE“ stehen für total power exchange. Im Normalfall dient mein Blog nicht zur Begriffsdefinition, aber da die Definitionen hier sehr von der Einzelperson abhängig sind, nehme ich mir hierfür kurz Zeit.
Total power exchange meint im allgemeinen BDSM-Verständnis, dass Sub sozusagen alle Entscheidungsmacht an den Dom übergibt und er in alle Bereiche ihres*seines Lebens eingreift.
Sub hat für gewöhnlich keine Limits und kein Safeword. Der Spielbereich des TPEs ist also der Metakonsens.

Da ich selbst auch im Metakonsens spiele und viele das Konzept abschreckt, verlinke ich euch gern meinen dazugehörigen Beitrag, der Realität und Praxis des
„Wie, die darf ALLES mit dir machen?!“ein bisschen erklärt:

https://madeformisbehaviour.wordpress.com/2019/01/19/wie-die-darf-alles-mit-dir-machen-die-metakonsens-edition/

Nach meiner subjektiven Meinung lässt sich solch ein Zustand der kompletten Kontrolle nur über einen begrenzten Zeitraum ausüben. Es braucht quasi einen zeitlichen Rahmen und ein Ablaufdatum.

Warum?

Nun, weil komplette Kontrolle auf beiden Seiten -sowohl für Sub, als auch für Dom- ein perfektes Zeit- und Aufmerksamkeitsmanagement verlangt.
Ja, natürlich kann man entscheiden, dass Dom quasi auf Augenhöhe eigene Entscheidungen trifft und man nur ab und an mal in bestimmte Bereiche eingreift – quasi wann Dom das Bedürfnis danach hat – und somit das Machtgefälle mal sanft, mal stark vorherrscht, aber das (zusammen mit einem passenden Regel- und Aufgabenwerk) ist mein Bild von der Begrifflichkeit 24/7.
TPE hingegen lässt den Dom dauerhaft alles kontrollieren. Dom entscheidet immer, was bei Sub auf dem Speiseplan steht, was Sub anzieht, wann Sub zu Bett geht, verwaltet höchstwahrscheinlich auch die Finanzen, etc.
Und das bedarf eben einem hohen Maß an Aufmerksamkeit, denn all die Regeln, die Dom aufstellt, müssen natürlich auch kontrolliert werden und auf ihre Richtigkeit geprüft werden. Außerdem -auch wieder in meinem Verständnis- wird im TPE wesentlich akribischer und schärfer sanktioniert. Bei Fehltritten wird also wesentlich weniger ein Auge zugedrückt.

Das ist für mich ein Zustand, der auf Dauer nicht nicht tragbar ist. Kaum ein Dom verfügt über die zeitlichen und geistigen Kapazitäten, permanent Sub zu überwachen und ihr*ihm auf Schritt und Tritt zu folgen. Und selbst wenn es irgendwo einen Super-Dom geben sollte, der dies wirklich permanent kann, sollte man natürlich auch bedenken, ob dieser Dauerzustand für Sub erstrebenswert ist oder zum Beispiel nach Beenden der Beziehung nicht eine Reihe von Problemen auf die Person zukommen, wenn man erst einmal wieder lernen muss, wie ein eigenständiger Alltag funktioniert.

Wie auch immer: andere Personen, andere Beziehungen, andere Definitionen
Nicht jeder wird mit meinem Zusatz des TPEs übereinstimmen und das ist für mich auch in Ordnung so. Wer -nach meinem Verständnis- 24/7 lebt und es TPE nennt: ist letztendlich nicht mein Bier.

Wir handhaben unser total power exchange so, dass wir einen zeitlichen Rahmen dafür festlegen, indem die Aufmerksamkeit dann voll auf unserem D/s liegt oder zu einer Situation passt, die beispielsweise stark service-orientiert ist. Interesse an einer kleinen Plauderei aus dem Nähkästchen?

Das nicht ganz so unbekannte Land

Was ich euch gleich zu Beginn verraten kann: Meine ersten Versuche von TPE liefen alles andere als so, wie ich sie mir vorgestellt habe. TPE benötigt eine gewisse Planung im Voraus, denn wenn Dom spontan entscheiden muss, was Sub trägt, während diese beispielsweise gerade im Zeitstress ist, dann kollidieren da Interessen, die nicht aufeinanderpassen.
Das ist aber nicht weiter dramatisch, denn man lernt aus Erfahrungen und auch Sub passt ihre Erwartungen an, sodass kommende Erlebnisse stetig besser laufen können und Spoiler: das sind und werden sie auch.

Inzwischen ist es so, dass mein aktuelles Regelwerk zu solchen Momenten einen Tag vorher umfassend erweitert wird. Ich erhalte also etwa 15-20 Extraregeln, auf die ich mich schon vorher einstimmen kann, sodass ich auch die Chance habe, die Sache fehlerfrei zu meistern und den Erwartungen entsprechend aufzutreten. Kleinigkeiten oder letzte Feinschliffe werden dann zu den passenden Situationen besprochen. Mir ist ein grober Rahmen des Ablaufs also bekannt.

So bekam ich zum Beispiel an meinem Geburtstag dieses Vergnügen, denn das war mein Geburtstagswunsch an meine Dom. Und ich hatte einen ganz wundervollen Geburtstag. Mein Outfit wurde ausgesucht, die Gäste bestimmte meine Dom (die dank Corona natürlich sowieso stark überschaubar war) und der Fokus lag auch dank dem Mitwirken der Gäste auf dem BDSM-Thema.
Ich hatte meiner Dom stündlich ein Getränk anzubieten, wählte dazu eine vorher gewünschte Anrede. Außerdem lag mein Fokus auf dem Sercive, den ich meinen Gästen als Sub bieten konnte. Ich kümmerte mich -wie vorher gewünscht- um meinen selbstgemachten Nimm-2-Likör, der auch meine Gäste stets erfreut und meine Hand diente den rauchenden Doms als Aschenbecher.
Da auch eine weitere Sub abwesend war, ließen sich bestimmte Handlungen sogar als Team absolvieren und wir erledigten die aufgetragenen Aufgaben im unterschiedlich gefesselten Zustand. Es war wundervoll.

Ein anderes TPE fand beispielsweise zu der Hochzeitsfeier eines befreundeten Paares statt. (für die aufmerksamen Leser von Twitter: die Hochzeit der Braut und des Bräutigams, die auch an meinem Geburtstag anwesend waren und selbst kinky unterwegs sind)
Die Braut übernachtete vor der Hochzeit bei uns und ich hatte mich am Morgen um das Frühstück zu kümmern. Meine Dom wählte mein Outfit aus und ich bekam Anweisungen für den Tag über. So war es beispielsweise meine Aufgabe, das Event über stets an ihrer rechten Seite Platz zu nehmen und auch auf dieser zu laufen. Beim gemeinsamen Essen im Restaurant suchte sie mein Menü aus und bestellte diesen auch für mich.

Ja, ich kann nicht leugnen, dass ein „Und für sie die Nummer 94, bitte“ mein kleines Herz höher schlagen lässt. Hach. Ich liebe diese Art der Fremdbestimmung. Oh – und ich war natürlich auch mit Liebeskugeln unterwegs. Eine wirklich gelungene Feier, sowohl für das Brautpaar, als auch für uns. Die Beiden waren übrigens in das TPE eingeweiht.

Der Reiz

Wer D/s genießt, wird den Reiz der Fremdbestimmung verstehen können und wer bereits einmal in den Genuss des TPE kam (und dies natürlich auch möchte), der wird absolute Fremdbestimmung lieben. Der Fokus liegt auf der Sub und ihrem Erleben, während Sub ihren kompletten Fokus auf Dom und dessen*deren Wohlergehen legt. Es ist ein unglaublich befreiendes Gefühl, banale Entscheidungen wie die Frage nach dem heutigen Essen an jemandem abzugeben und sich dabei ganz den Bedürfnissen des Gegenüber anzupassen.
Außerdem bin ich eine kleine Attention-Whore. Ich liebe Aufmerksamkeit. Und ich liebe es, wenn man permanent ein Auge auf mich hat und mich mit Aufgaben fordert.

Ernsthaft, die Sub in mir seufzt gerade sehnsüchtig. Das ist für mich ein purer Genuss. Einfach rund um die Uhr für meine Dom da sein und zu wissen, dass das eben auch gerade gewollt ist und im Zentrum des Geschehens steht. Ich denke, es ist zu vergleichen mit einem Aufenthalt in einem BDSM-Appartement gegenüber einer Session. Man weiß eben, wenn man dort anreist, dass BDSM das Hauptgeschehen und einen großen Teil der Zeit einnehmen wird. Und so verhält es sich auch mit dem TPE und dem D/s-Machtgefälle.

EPE: Fluch oder Segen?

Hallo meine lieben Leser!
Ich melde mich zurück! Heute startet der Blogmarathon mit zwei weiteren Twitter*innen und ich wurde herzlich eingeladen, an diesem Dreier teilzunehmen 😀
Die liebe Sarah traf die Themenauswahl und Needful, aus dem letzten Beitrag, ist auch wieder mit am Start. Wer neugierig ist: wir bloggen in regelmäßigem Abstand zum gleichen Thema, wissen aber vorher nicht, was die Anderen geschrieben haben. Es wird also eine bunte Überraschung und ich bin gespannt, was die jeweiligen Kolleg*innen für geistige Ergüsse fabrizieren werden.

Ihre Blogs findet ihr hier:
Needie: https://t.co/IEW51XxeOW?amp=1
Sarah Blume: https://t.co/dNsQjDnAMF?amp=1

Damit sind wir beim heutigen Thema: EPE – Erotic Power Exchange
Viel Spaß beim Lesen!


Erotic Power Exchange?

Zuerst einmal: Ich kannte den Begriff, bevor ich ihn auf dem Blog von Sarah und ihrem Ex las, gar nicht. Klar, TPE war mir geläufig (hier ein kleiner Spoiler: Im nächsten Blogpost wird dazu sogar etwas aus dem Nähkästchen geplaudert), aber EPE wirkte für mich erst wie der Versuch, eine entschärfte Version dessen zu finden und trotzdem diese -in meinen Augen- mächtig konnotierten Wörter „power exchange“ zu gebrauchen. Nein, ich spreche niemandem diese Form des BDSM ab – lebe ich sie ja irgendwie selbst, aber ich bin mit der Begrifflichkeit eben nicht so glücklich.
Denn auch, wenn man es mir nicht anmerkt: Ich habe für die meisten Begriffe meine eigene Definition, toleriere aber eben auch fremde Definitionen, solange meine eben auch toleriert wird.
Egal, ich schweife ab.

EPE ist also die komplette Kontrolle über den erotischen Bereich des BDSM und des Lebens. So gesehen umfasst meine D/s-Bezeichnung also auch EPE, denn meine Dom hat die Kontrolle über meine Orgasmen und hat auch das Recht, über zukünftige Sexualpartner oder mein Sexualverhalten entscheiden zu können. Ich bin natürlich gern für Korrekturen offen, aber in meinem Verständnis ist damit die komplette Erotik abgedeckt, oder?

Und in meinem Verständnis sind somit auch die meisten, mir bekannten D/s-Beziehungen EPE, gerade da viele auch ein monogames Verhältnis bevorzugen und bei Orgasmen um Erlaubnis gefragt werden muss. Somit lässt sich EPE in eine solche Beziehung sehr einfach integrieren.

Spannend wird es aber auch in zum Beispiel meinem Fall: Polybeziehung und EPE. Was passiert also, wenn zum Beispiel ein Orgasmusverbot mit dem zweiten Beziehungs- oder Sexualpartner einhergeht? Und noch spannender wird es, wenn ich euch jetzt erzähle, dass dies bereits passiert ist und ich meine Erfahrungen mit euch teilen kann.

EPE: Fluch oder Segen.

Polyam und EPE

Nun, bei mir ist das einfach: Die Regeln meiner D/s-Beziehung gelten über die Wünsche eventueller weiterer Partner hinweg. Das war zu Beginn meiner D/s-Partnerschaft MEIN Wunsch und ich werde ein Teufel tun, dass dies rückgängig gemacht wird. Immerhin genieße ich diese Macht über mich und gewinne einen erheblichen Teil meiner Befriedigung daraus.

Zusätzlich mag ich anmerken, dass meine Dom natürlich auch mein Wohl im Blick hat und nicht aus purer Willkür monatelang den sexuellen Kontakt mit einem weiteren Partner verbieten würde, wenn ich gerade glücklich und Hals über Kopf verliebt wäre.
Plus: Innerhalb unserer Partnerschaft gibt es -und das unabhängig vom D/s – so etwas wie ein Vetorecht, dass wir uns beiden gegenseitig eingestehen. Bestimmte Personen oder Praktiken dürfen also, einzeln oder dauerhaft, begründet dem anderen verwehrt bleiben, wenn eben ein Problem oder ein ungutes Gefühl vorherrscht. Man nimmt dann einfach Rücksicht auf die Gefühle des Anderen, kann sich aber im Gegenzug auch sicher sein, dass dieses Vetorecht eben nicht missbraucht wird.

Überträgt man dies nun aber auf die D/s-Beziehung, so macht es mir eben gleich doppelt wenig aus, wenn es irgendwann einmal dazu kommen sollte, dass ich beispielsweise keinen Sexualkontakt mit einer Person haben darf. Immerhin habe ich diesen Gegebenheiten auch doppelt zugestimmt.

Unangenehmer wird es dann, wenn ich bereits einen weiteren Partner habe, mit dem ich schon Jahre zusammen bin und sich urplötzlich etwas an unserem Sex ändert, weil die D/s-Beziehung das eben so möchte.
Ich hatte beispielsweise vor ein paar Jahren ein mehrmonatiges Orgasmusverbot mit unbekanntem Ende. Insgesamt streckte sich diese Zeit über 6 Monate. Während mich dieses nur an einzelnen Tagen frustrierte, durfte ich ja noch weiterhin Sex oder BDSM-Sessions haben, war dies für meinen damaligen weiteren Partner anscheinend eine große Umstellung.

Ich kann hier nur meine Einschätzung wiedergeben und möchte nicht für ihn sprechen. Was ich aber für mich sagen kann ist, dass die Qualität meines Sexlebens mit ihm massiv abgenommen hat.
Statt kreativer, intensiver Akte wurde ein kurzes Rüberrutschen daraus, indem es eben ausschließlich um seine Befriedigung ging, war meine durch das Orgasmusverbot anscheinend in den Hintergrund gerückt. Das ist insofern schade, dass mir mein eigener Orgasmus nie wirklich wichtig war und ich vieles auch hätte so genießen können, aber man weiß eben nie, was das mit dem eigenen und anderen Mindset macht.
Ich weiß aber auch, dass es dieses eine Erlebnis gab, indem er sich von diesem Verbot geradezu gechallenged gefühlt hat und unbedingt einen Orgasmus meinerseits provozieren wollte.
(was nicht funktioniert hat, weil ich dieses Verhalten als respektlos gegenüber den Regeln meiner D/s-Beziehung empfand und man dann eben so gut im Bett sein kann, wie man will…)

Mir war das damals gar nicht wirklich bewusst. Ich wusste nur, dass ich eben weniger Interesse an Sex mit ihm bekam und entsprechend auch weniger Sex hatte.

So gesehen war das EPE in diesem Fall wohl Fluch. Ein Fluch, der mir aufzeigte, dass dies eben auch viel Kommunikation mit eventuellen Partnern benötigt, die einfach nicht gegeben war.

Die liebe Graysexualität

Wie die meisten meiner Leser wissen: Ich bin graysexuell. Ich habe keine wirklich normale Sexualität. Ich verspüre nur selten so etwas wie sexuelle Anziehung und -wenn überhaupt- dann auch nur bei Beziehungspartnern. (aber da eben auch nicht immer, sonst würde ich mich eher mit „demisexuell“ labeln, aber genug der ganzen Mikrolabels jetzt)

Ich habe zur Zeit etwas Glück und werde 2020 vergleichsweise häufig mit dem Gefühl von sexueller Anziehung und Libido beschenkt. Drückt mir mal die Daumen, dass das so bliebt, denn ein gewisses Gefühl von Normalität in dem Bereich ist tatsächlich irgendwie einfach und befreiend.
Wie auch immer…

Früher dachte ich, dass EPE keinen großen Einfluss auf mich haben wird. Dank meiner Sexualität habe ich wenig Interesse an meinen eigenen Orgasmen. Orgasmuskontrolle war also ganz nett, aber man kann nur bedingt etwas nachtrauern, was man nicht vermisst. Und sonst?
War es für mich irgendwie einfach. Es nahm mir die Entscheidung ab, mich mit meiner Nicht-Lust zu beschäftigen. Statt jeden Tag frustriert zu sein, warum mein sexuelles Interesse nur wenig bis gar nicht vorhanden ist, war dies durch das EPE irgendwie egal. Immerhin lag es eh nicht in meiner Macht zu entscheiden, wann es sexuelle Handlungen oder Orgasmen gab. Es war nicht weiter von Bedeutung, wenn ich keine Anziehung verspürte, aber gerade benutzt werden sollte, denn der Fokus lag dabei nicht mehr auf meiner verkorksten Sexualität. Es war wunderbar. Ein Segen.

Wahrscheinlich können das nur die wenigsten nachvollziehen, aber es nahm mir irgendwie den Druck und ich denke, dass das auch dazu beiträgt, dass ich heutzutage öfter Mal mit einer Libido gesegnet bin. Was gut ist, denn plötzlich kann ich sogar mal um meinen Orgasmus bitten oder gar betteln, was sonst eben undenkbar gewesen wäre. Und ja, ich genieße das.

Jedenfalls: Wie auch meine Dom Sexualpartner verbieten kann, so kann sie natürlich auch sexuelle Handlungen mit einer Person anordnen. Da ich Personen gegenüber, die nicht meine Dom sind, quasi gar keine sexuelle Anziehung verspüre, egal wie optisch schön oder perfekt vorliebentechnisch harmonierend diese Person für mich wäre, ist das EPE hier ein gutes Hilfswerkzeug, um eben doch eine sexuelle Beziehung zueinander herzustellen. Denn Spaß am Passierten habe ich auch ohne das Gefühl der Anziehung.

Fakt ist also: EPE ist für mich -wie so viele ambivalente Dinge- Fluch und Segen zugleich, nur empfinde ich den Fluch-Teil als weniger gewichtend (zumindest für mich! :D)
Ich mag das nicht missen. Ich liebe fremdbestimmte Sexualität.

Hach.

I would never want to be a dominant

Hallo meine lieben Leser! Ich melde mich zurück mit einem Beitrag, den ich gemeinsam mit der Needie schreibe. Diesen Monat werden noch einige Einträge folgen, die ich gemeinsam mit weiteren Bloggern auf die Bühne stelle. Ihr habt also viel zu lesen! (Und ich viel zu schreiben. Zu was habe ich da nur „Ja“ gesagt?) – Naja, auch ich bin offen für diverse Herausforderungen.

Den Beitrag der lieben Needful findet ihr hier: https://neediesblog.wordpress.com/2020/07/01/warum-ich-nicht-dom-sein-kann/

Das Thema? Warum ich kein Dom sein kann/will/möchte.
Viel Spaß beim Lesen!



Schwierigkeiten…

Zuerst einmal: besagtes Thema war ein Wunsch meiner Dom und ich freue mich riesig, dass auch weitere Blogger dies aufgreifen. Ich selbst tu mich aber mit all dem irgendwie schwer und ich weiß selbst noch nicht genau, wo mich dieser Blogbeitrag hinführen wird. Ja, ich bin nicht dominant. Das zu erklären ist natürlich einfach: Ich habe keine entsprechenden Veranlagungen und es gibt mir nichts bis vergleichsweise wenig. Deswegen möchte ich nicht dominant sein.
Damit könnte der Beitrag nun enden, aber das wäre zu einfach, richtig?
Aber wie erklärt man ein Gedankenspiel, zu den man eben wenig Zugang hat?
Mich erinnert das ein wenig an eine Diskussion, in der ich zum Beispiel erklären müsste, warum mich die Farbe Gelb abstößt. Sie gefällt mir eben nicht. Sie harmoniert nicht mit mir und ich finde sie unschön. Mehr kann ich aber auch nicht dazu sagen.
Wie also eine Neigung erklären, die ich nicht habe?

Ganz einfach: mit genau den Verhaltensweisen, die ich mir als Sub wünsche, aber ich nie erwarten würde, weil ich weiß, was MICH eben aufhalten würde.

Verwirrung?

Einige meiner treusten Follower auf Twitter verwirrt dieses Thema sicher, schreibe ich doch regelmäßig von der Dynamik mit unserem Toyboy. Wie ich aber bereits schrieb: Ich würde mich nicht als dominant ihm gegenüber beschreiben. Ich habe ein Sammelsurium an kreativen Aufgaben im Kopf, ich werde gern mit Tee und Essen betüddelt und ich bin ein bisschen schadenfroh. Im Prinzip nutze ich eher meine Brat-Seite, als wirklich dominant zu sein. Für jedes Leiden meinerseits, lass ich mir etwas einfallen, dass ihn doppelt leiden lässt. Aber wir bleiben letztendlich Leidensgenossen und ich habe ihn betreffend auch nicht das letzte Wort. Möchte ich auch gar nicht, immerhin bin ich nicht dominant – wo wir nun wieder beim eigentlichen Thema wären…

Das Konzept von D/s…

Ja, ich weiß, dass ich als dominante Person natürlich meine D/s-Beziehung so gestalten könnte, wie ich das möchte, allerdings kann ich berits mit den meisten Beziehungskonzepten dieser Art nicht viel anfangen. Während ich mir als Sub gern ein ganzes Regelwerk wünsche, kann ich auf dominanter Seite nicht nachvollziehen, wo der Reiz bei eben jenen liegt. Ja, natürlich. Manche Regeln dienen der Selbstverbesserung der Sub, aber dieses Wissen reicht mir einfach nicht aus, um diesen Extra-Engagement nachzugehen, jeden Tag deren Einhaltung zu kontrollieren. Das ist in meinem Verständnis als Sub ein extremer Aufwand für sehr wenig Mehrwert. Und wenn es dann noch ein ganzes Regelwerk sein soll, dann ist dies eben auch eine mentale Belastung, der ich dauerhaft nicht standhalten könnte. Ich verstehe einfach nicht, wie der Reiz der Kontrolle den Aufwand aufwiegen kann.

Und dann liegt es eben auch noch in meinem Ermessen zu entscheiden, welche Aufgaben und Regeln meinem Verständnis von „Aufgabe erfüllt“ entsprechen. Wo wir beim nächsten Problem wären:

Unangebrachter Perfektionismus?

Ich denke dabei an den Tweet einer Userin, die die Aufgabe hatte, Punkt 18:00 Uhr im Bad zu sein. Sie betrat das Bad zwei Minuten später und ärgerte sich natürlich über das nicht-erfüllen ihrer Aufgabe, während ihr Dom zufrieden mit ihr wäre.
Meine Dom kommentierte diesen Tweet, dass auch für sie die Aufgabe wäre und diese kleine Verspätung in ihrem zeitlichen Rahmen liegen würde.

Haha.

Bei mir definitiv nicht. Ich wäre wahrscheinlich der Typ Dom, der schon zwei Minuten vorher skeptisch die Augenbraue hebt, wieso nicht der Gang ins Bad angetreten wird.
Ich hasse Verspätungen und ich hasse es, wenn der Rahmen von Aufgaben gedehnt wird.
Oh – und ich würde es sofort persönlich nehmen, wenn diese Aufgabe eben nicht so erfüllt wird, wie ich mir das vorstelle. Ja, gut, dass ich kein Dom bin. Ich hätte wohl viel Verständnis für an mich herangetragene Gründe, aber sobald ich diese wohl nicht nachvollziehen könnte, würde es mich kränken.
Letztendlich die Herleitung zu oben: Ich habe in meinem Verständnis von Aufgaben wenig Mehrwert. Und wenn ich nun schon die Mühe auf mich nehme, mir kreative Aufgaben auszudenken, um Sub zu beschäftigen, so hinterlässt dies dann ein Gefühl in mir, dass diese Mühe nicht gewürdigt wird. Dann lass ich es das nächste Mal eben, denn letztendlich kann ich kein positives Feedback geben und Sub müsste meinen Unmut aushalten. Und eigentlich möchte ja niemand seine Sub unglücklich sehen, oder?
Meine Ansprüche an das Erfüllen einer Aufgabe – und ich meine damit keine FUNishments, sondern eben ernsthafte Ansprüche – wären so dermaßen schädigend für die gesamte Dynamik, dass letztendlich beide darunter leiden würden.

Als Sub habe ich das Ganze eben in meinen Händen. Ich kann mit meinen eigenen Ansprüchen umgehen. Das mache ich immerhin schon mein eigenes Leben. Aber ich vermeide es eben, meine Ansprüche auf andere zu projizieren.

Strafe? Häh?

Nun, erfüllt Sub ihre*seine Regeln nicht, folgt in den meisten D/s-Beziehungen eben eine Strafe. Während ich als devoter Part die Strafe sehr genieße und schätze, weil sie eben Zeichen von Konsequenz ist und mich an Unaufmerksamkeiten erinnert (aber die ich natürlich trotzdem um jeden Preis vermeiden will), verfolge ich auf dominanter Seite ein ganz anderes Mindset.
Ich verstehe nicht, warum es zu strafen gilt. Entweder, es liegt in Subs Interesse, die Aufgabe eben so auszuführen, wie ich es aufgetragen habe oder es gibt Gründe, warum Sub das eben nicht so machen kann. Und wenn Sub für sich entschieden hat, dass dies in Konflikt steht, dann ist das eben so?
Letztendlich gehe ich von einem Konzept von „Be your best self“ aus. Und wenn ich Sub auftrage, täglich genug zu trinken und dies nicht funktioniert, dann wird dies auch nicht fruchten, wenn ich das eben bestrafe. Wenn das nicht funktioniert, dann entfällt die Regel eben. Ich bin ja letztendlich nicht Aufsichtsperson oder Therapeut, sondern eben Dom. Ich würde eben nur unterstützen wollen.
Mehr Verantwortung für eine Person will ich einfach nicht tragen…

Verantwortung

Letztendlich wohl der offensichtlichste Punkt. Und auch am einfachsten zu erklären:
Ich vertraue vielen Menschen nicht gut genug, damit ich ihnen glaube, dass sie sich selbst einschätzen können. Und das ist nun mal wichtig, denn ich muss mich auf Subs Wort verlassen, wenn es darum geht, eine Session zu planen. Und dabei möchte ich nicht die Verantwortung übernehmen, wenn Sub beispielsweise Probleme hat, das Safeword zu sagen, weil sie zu stolz ist, es aber nötig wäre. Oder Sub sich im Höhenflug selbst überschätzt und dann abstürzt, weil Praktik x vielleicht doch noch etwas zu früh war, obwohl sie gerade von Sub-Seite gewünscht war.
Ich bewundere jeden Dom, der immer alles im Blick hat. Von dem Empathie erwartet wird, Feingefühl, Fingerspitzengefühl, ein Gefühl für Subs Lust, etc.
Und ich halte nichts davon, dass Sub die Verantwortung für sich selbst mit der Session abgibt und am Ende Dom allein die Schuld trägt, wenn etwas in der Session schief geht. (Ich rede hier trotzdem von einer Session, in der das technische know-how stimmt und alles consensual ist – das versteht sich hoffentlich)
Das sind eben enorm viele Erwartungen, die da an einen Dom gestellt werden – die möchte ich nicht tragen. Nicht in diesem Maß. Simple as that.

Und noch eine Kleinigkeit: Habt ihr einem Menschen mal wirklich weh getan? Ich meine kein necken, kein ärgern. Nein, einem Menschen, den ihr vielleicht sogar liebt? Der vor Schmerz weinen möchte, weil er sich das wünscht? Ich habe da zu viele Hemmungen. Ich bin kein Sadist, der diesen Masochismus befriedigen könnte. Wahrscheinlich müsste ich mich als Top nach so einer Session mehr zusammensetzen, als der Masochist selbst Aftercare braucht.
Ernsthaft, wie macht ihr Sadisten das?

Seltenheit vs Gewohnheit im D/s [kurz und schmerzlos]

Hallo meine lieben Leser! Ich werde in der kommenden Zeit meinen Blog etwas aufräumen und umgestalten und dazu passend eine neue Kategorie anlegen. Sie trägt den Titel „kurz und schmerzlos“. Diese Beiträge werden nicht die gewohnte Länge meiner üblichen Posts haben, sind aber für einen Twitter-Thread auch zu lang. Ich würde sagen, sie sind etwas für den schnellen Lesehunger zwischendurch 😉

Heute starte ich gleich mit einem Beitrag dieser Kategorie. Es geht um die Häufigkeit des Wiedersehens innerhalb einer Beziehung, speziell natürlich (m)einer D/s-Beziehung.

Viel Spaß beim Lesen!


Die liebe Entfernung…

Ich lese inzwischen gehäuft auf Twitter, dass die Begegnungen zwischen Dom und Sub sich für die Beteiligten stets besonders anfühlen wird und die Vorfreude nicht so groß wäre, wenn diese beiden Personen zusammenleben würden. Die Treffen sind rar und deshalb immer ein aufregendes Erlebnis und beispielsweise ein gemeinsamer Haushalt würde diese Besonderheit mindern.

Vorab: Dies für sich zu entscheiden, ist natürlich für die entsprechenden Personen vollkommen legitim. Es liegt mir auch fern, ihnen dies abzusprechen. Als Sub, die aber sowohl Fernbeziehung, als auch das Zusammenleben mit der Dom in einem Haushalt kennt, möchte ich gern einfach meine Sicht auf das Ganze anfügen. Das kann natürlich selbstverständlich wieder jeder anders sehen und das ist in Ordnung so.

Ja, auch ich empfand Zeiten meiner Fernbeziehung immer eine riesige Vorfreude auf kommende Treffen. Diese Vorfreude ist -verglichen mit der Zeit, mit der ich nun mit meiner Dom zusammenlebe – weniger intensiv und irgendwie anders. Das soll nicht heißen, dass ich mich jetzt nicht auch auf ein freue, sollte ich einige Tage von meiner Partnerin getrennt sein. Im Gegenteil – ich liebe diese Art des Vermissens und das Wissen, dass ich in zählbaren Tagen wieder mit ihr vereint bin – nein, die Fernbeziehungs-Vorfreude ist so intensiv wie eine Achterbahnfahrt.
Ich hatte das Gefühl, ich fiebere nur noch diesem einen Moment nach. Ich warte irgendwie nur noch auf Tag X des Wiedersehens in meiner Vorfreude, sodass diese den gesamten Raum für Freude auf andere Ereignisse einnimmt. Das klingt vielleicht nicht gesund, aber wenn man sich gar Monate nicht gesehen hat, dann ist dies eben das einzige Event, auf das ich hingefiebert habe – zumindest emotional gesehen. Und die Treffen waren stets Höhenflüge. Und der Abschied war irgendwie immer unerträglich schmerzhaft. Gut, ich war zu diesen Zeiten auch noch einige Jahre jünger, aber ich weiß, dass keine Vorfreude der Welt dieses Gefühl der Unwissenheit aufwiegen kann, wann es zu einem nächsten Treffen kommt. Denn das war für mich die Schattenseite der Fernbeziehung. Wenn kein Datum im Raum stand, wann es zu einem Wiedersehen kommen könnte. Und das ist ein Gefühl von einem Schwebezustand, der mich innerlich wirklich zerfrisst. Ich hasse dieses Gefühl und ich hoffe einfach, dass ich es nicht sehr oft fühlen muss. Denn genau dieser Zustand ist es, der -wenn – bei mir diesen Sub-Drop ausgelöst hat. Ich, die nach der Abreise allein mit meinen unglaublichen Glücksgefühlen war, zwar virtuell emotionalen Support bekam, aber letztendlich doch allein war.

Nun teile ich mir den Haushalt mit meiner Partnerin und das alles fällt weg. In irgendeiner Weise ist das ein emotional sehr bequemer Zustand, weil ich mich mit den oben beschriebenen Gefühlswelten nicht mehr beschäftigen muss. Ich muss nicht mehr Wochen oder gar Monate auf ein Treffen warten und meinem ungestillten Verlangen Raum geben. Ich werde auch nicht mehr enttäuscht meine stundenlange Heimreise antreten, wenn ich nach Wochen der Abstinenz mein Gegenüber wiedersehe, es aber aus irgendwelchen Umständen zum Beispiel zu keiner Session kommt und ich quasi noch einmal auf ein weiteres Treffen warten muss. (was ich nie jemandem zum Vorwurf mache oder gemacht habe, versteht sich)
Aber ich hatte in Zeiten der Fernbeziehung natürlich auch eine andere Erwartungshaltung auf Wiedersehen, verglichen mit dem Zusammenleben. Habe ich beispielsweise Migräne, lässt sich leicht sagen, dass das Geplante einfach um einige Tage verschoben wird. Diesen Luxus habe ich an einem begrenzten Wochenende nicht. Da wäre ich irgendwie erlebnishungriger.
Und ich genieße einfach das Wissen, dass das gemeinsame Einschlafen nebeneinander ein ständiger Begleiter meines Lebens ist und kein Luxus, den ich wenige Male im Jahr genießen kann. Und vielleicht liebe ich das auch ein bisschen zu sehr, um je wieder auf unbestimmte Zeit(!) eine Fernbeziehung meiner Dom zu führen.
Ich weiß auch, dass ich quasi das Privileg habe, dass ein Zusammenleben überhaupt möglich ist und das viele Personen, die in dieser Situationen sind aus Gründen eben nicht häufiger sehen können.
Deswegen noch einmal: Ich verurteile solche Aussagen nicht und ich respektiere sie.

Abschließend lässt sich vielleicht etwas zynisch sagen, dass (mein früheres?) Ich vielleicht auch nicht für eine intensive D/s-Beziehung auf Distanz gemacht ist und ich auch emotional ein bisschen bequem bin. Aber so, wie nicht jeder für eine polygame Beziehung gemacht ist, hält eben nicht jeder den Turbulenzen der Entfernung stand.

Erzählt mir gern via Twitter-Kommentar oder hier, wie das bei euch ist!

Die nervige Brat – die Antwort einer Brat

Hallo meine lieben Leser! Lang, lang ist’s her, seit ich meinen letzten Post verfasst habe. Irgendwie stecke ich 2020 in einem KreaTIEF und weiß nicht wirklich etwas mit meinem Geschreibsel anzufangen. Heute juckt es mich aber ein bisschen in den Fingern. Vielleicht bin ich also zurück! Wer weiß? Wer es nicht mitbekommen hat: ihr findet meine Fearplay-Story „Rusted Blood“ in der vorletzten Ausgabe der SCHLAGZEILEN. 🙂 Nun aber viel Spaß beim Lesen des heutigen Artikels!



Die nervige Brat?

Ich stieß in meiner Twitter-Timeline auf einen weiteren Blog einer Sub, die einen Post veröffentlichte, in dem sie quasi mit Brats abrechnete.
Hier ist besagter Beitrag:

http://sub-space.de/2020/05/23/warum-mich-die-brat-nervt/

Zuerst einmal: Ich liebe provozierende Beiträge und noch mehr liebe ich Beiträge, die zu einem Thema sticheln, welches mich betrifft oder ich sehr gern habe. Das bereichert mich ungemein und so konnte ich nicht anders, als die Autorin via Kommentar zu fragen, ob ich zu ihrem Post Stellung nehmen darf – eben als Brat.

Vorab: Ich respektiere ihre Meinung und ich spreche nachfolgend nicht für alle Brats. Das liegt mir fern, weil ich weiß, wie unterschiedlich wir sein können. Viel eher habe ich das Ziel, meine Art der „Brattyness“ in einen Zusammenhang mit D/s zu bringen, der der Autorin nicht völlig fern liegt. Ich weiß nicht, ob mir das gelingt. Ich möchte sie auch nicht von ihrer Meinung abbringen – nur vielleicht um eine Sichtweise bereichern, also teilt mir zum Ende hin gern mit, was ihr denkt. Und ich wette, auch sie freut sich über Feedback!

Ich habe ein bisschen hin- und herüberlegt, ob und wie ich diesen Beitrag gestalte, das ich mich mit dem Bild der Brat, welches die Autorin von jenen hat, nicht wirklich identifizieren kann. Da ich nicht weiß, ob man meine Twitter-Präsenz verfolgt oder sie meinen Blog liest, fasse ich einmal kurz zusammen:

Ich bin keine Anfängerin im BDSM-Bereich und BDSM ist auch Teil meines Lebens und Alltags und nicht nur des Schlafzimmers. (Anm: nichts davon ist schlimm oder weniger BDSM, etc, es ist dann eben anders als mein BDSM – ich erwähne es nur, weil der Ursprungspost dort ansetzt)
Ich lebe D/s 24/7 und auch, wenn ich erst 24 bin, konnte ich schon mehr Erfahrungen sammeln, als manch andere Personen.
Ich bin auch keine Brat, dessen Submission sich meine Dom immer wieder verdienen muss. Und ich bin keine Brat, die ihr Halsband achtlos in die Ecke wirft, wenn Dom nicht anwesend ist. Ich liebe jedes meiner Zugehörigkeitssymbole über alles und nichts liegt mir ferner.
Zudem würde dies meine Dom ernsthaft kränken. Und wenn ich als Brat eines NICHT möchte, dann meine Dom bloßzustellen, zu kränken, ernsthaft zu demütigen oder ihr in irgendeiner Weise ein unangenehmes Erlebnis zu bereiten.
Zumal das Abnehmen des Halsbands für mich einer Höchststrafe gleich käme. Das ist eine der schlimmsten, psychischen Gesten, die ich mir ausmalen kann.
Apropos Strafe: Ich bin bisher um die wirklich schlimmen Strafen herum gekommen, kenne aber ihr Maß und ja, ich möchte diese nicht erleben. Ich bin also fähig, die von der Autorin von Brats geforderten „Strafe“ (ich meine, viele nutzen dafür den Ausdruck „Funishment“) von einer lehrreichen Sanktion zu entscheiden.

Wovon kann ich mich aber nicht freisprechen?
Ich bin eine Attention Whore. Ja. Ich liebe jede Art von Aufmerksamkeit. Ich liebe ein gefülltes Regelwerk, ich liebe die Zeit in Sessions, ich liebe Aufgaben und ich liebe die kleinen Gesten des Alltags- eine Ohrfeige, ein Griff an den Hals, ein Schlag mit der Hand in den Intimbereich, etc.
Ich liebe die Aufmerksamkeit meiner Dom – und hier kommt eine der Faktoren, die mich von vielen Brats unterscheiden- ich empfinde keinen Spaß daran, Regeln bewusst zu brechen oder Aufgaben einfach nicht zu erfüllen. Ich möchte ja diese Regeln und ich möchte Aufgaben und das schlimmste, was mir passieren könnte, wenn ich die Regeln breche, wäre die Option, dass diese einfach wegfallen. Und das möchte ich nicht. Ich möchte jedes Machtgefälle spüren und meinen Perfektionismus im Erfüllen der Aufgaben für meine Dom ausleben.
Auch wieder hier: Wenn sie mir eine Aufgabe aufträgt, die ich nicht erfülle, dann arbeitet das nicht positiv mit meiner Dom – und ich möchte Provokationen erreichen, die bei ihr eine Augenbraue nach oben wandern lassen, die mich mit ihrem Blick fixieren, wie eine Raubkatze und das dieses leise „Achso“ aus ihren Lippen entweichen lässt, welches ich so liebe und Konsequenzen androht.

Dann folgt jetzt wohl die Frage: Wie provoziere ich?

Ich provoziere zwei Arten von Personen: meine Dom und alle anderen 😀
Um das Ganze besser zu verstehen, gebe ich einfach mal einige Beispiele:

Zwischen meiner Dom und mir würde folgender Dialog stattfinden:
Sie: Bitte koch mir einen Kaffee.
Ich: Was wäre denn, wenn ich ihn nur koche und man ihn allein holen müsste?“
Sie: „Find es doch heraus.“

Nun, dieser Dialog ist natürlich nicht alltäglich. Im Großteil aller Fälle würde ich ihr den Kaffee selbstredend auch bringen. In diesem Fall eröffne ich aber nur eine Alternative, ohne gegen die mir aufgetragene Aufgabe zu verstoßen. Meine Dom hätte nun auch sagen können, dass sie ihren Kaffee wie immer möchte, meine Nachfrage ignorieren, oder aber jede sonstige Möglichkeit wählen können, um ihr Heißgetränk ohne Spiel zu bekommen. Nun schenkt sie mir aber eine Einladung, die Brat zu sein, die ich in mir trage. Und diese Einladung darf ich annehmen – wenn ich eben glaube, das Echo zu vertragen.
Das ist unser Spiel in dieser D/s-Dynamik. Vielleicht hat die Autorin also Recht, wen sie schriebt, dass Brat-Sein irgendwie ein Hobby ist, denn auf meine D/s-Dynamik passt das sogar irgendwie.
Meine D/s-Beziehung genießt das Privileg, zwischen meiner Submission und der Brat wählen zu können, je nachdem, welche Facette sie gerade möchte. Denn meine Dom liebt diese Momente, in denen ich monatelang jeden Tag perfektionistisch meine Regel, am Tag genug zu trinken, einhalte, nur damit ich am Tag der Zeitumstellung mit einem Grinsen frage: „Wenn ich schlafen gehe und um 3 aufwache, während sich die Uhr zurück auf 2 Uhr stellt- und dann etwas trinke, zählt das für den alten oder den neuen Tag? Obwohl dies letztendlich irrelevant sein wird, weil ich bis dato eh meine Flüssigkeitsmenge zu mir genommen habe.
Ich kann es mir erlauben, den einen oder anderen schnippischen Spruch zu summen, weil meine Dom es genießt, darauf zu reagieren. Und meine Dom kann in der nächsten Sekunde die brave, folgsame Sub fordern und wird sie bekommen. Die Entscheidung liegt bei ihr und das macht es in meinen Augen zu D/s.

Spannender und wesentlich umfangreicher ist die Art, wie ich anderen als Brat gegenübertrete. Es war keine seltene Situation, dass ein (dominanter) Besuch etwa äußerte, wie:
„Wie gern würde ich J. jetzt ohrfeigen dafür.“
und meine Dom amüsiert lächelte und etwas sagte, wie: „Versuch es doch“.
Und das ist ein Signal, bei dem beginnt der Spaß für mich als Brat erst richtig.
Dem Gegenüber in einem Ninja-Style ausweichen, selbstgefällig grinsen und der Person sagen, dass sie das mit dem Zielen lieber noch einmal üben sollte.

Zum Beispiel.
Natürlich könnte meine Dom auch sagen, dass ich still halten und die Ohrfeige annehmen soll-
dann würde ich natürlich gehorchen. Aber so? So ist das wieder diese Einladung, die Brat in mir herauszulassen. Und meine Dom liebt diese Seite. Und ich habe das Gefühl, der eine oder andere Besuch liebt sie noch mehr.
Außerdem ist diese Art der Provokation eine schöne Geste, um die eigene D/s-Beziehung auf ein Podest zu setzen – auch fremden Augen gegenüber.
Während der Gast es nicht schafft und noch von mir verbal getrietzt wird, kann ich vor meiner Dom knien, ihr die Wange hinhalten und still halten – weil Submission eben ein Privileg meiner D/s-Beziehung ist.

Ich denke nicht, dass sich meine Art Brat zu sein mit dem Wunsch, es meiner Dom eher leichter machen zu wollen oder sie quasi blind zu verstehen, im Widerspruch stehen. Zu Wissen, was Dom möchte, ergibt sich größtenteils aus einer Kombination aus Ritualen, bekannten Handlungsabläufen, bekannten Handzeichen und/oder Mimik + Gestik und der Fähigkeit, die Gedankenstrukturen des Gegenüber zu kennen. Ich sehe nicht, dass dies im Konflikt mit der Facette Brat steht.

Ich muss sagen, ich stehe diesem „einem Dom völlig selbstlos dienen“, wie es im Blog angesprochen wird, auch eher kritisch gegenüber, da diese Aussage in meinen Augen völlig romantisiert ist. Würde ja voraussetzen, dass Sub niemals die Beziehung beenden wird, weil jeder Grund völlig selbstlos hinten angestellt wird. Und ich denke, jeder hat dort irgendwo und irgendwann seine Grenzen – aber ich schweife ab. Der Gedanke, dass es eben nicht nur um Sub geht und Sub auch Dinge ohne Mehrwert für sie macht, weil Dom es möchte – den teile ich ja.

Da der Blog mit einem kleinen Seitenhieb endet, werde ich auch diesen so beenden:
Wenn solch ein Brat-Verhalten wirklich die Magie von D/s zerstört, wie im Blog als möglich beschrieben, liegt die Vermutung im Raum, dass diese Magie vielleicht einfach nicht sehr stabil ist.

Ich freue mich, von euch zu lesen!

Angst, Nervosität und Co – mein Aphrodisiaka?

Hallo meine lieben Leser! Ich melde mich heute mit einem Blogbeitrag zurück, den einige meiner Leser schon fast sehnsüchtig erwarten 😉
Eigentlich ist die Themenwahl ein Ersatz für einen anderen Post: „Höher, schneller, weiter? Vergleiche mit anderen und mit mir selbst“, für die ich noch ein Resümee ziehen muss. Dies hat sich aber durch andauernde Krankheit meiner Partnerin etwas nach hinten verschoben.
Der Beitrag kommt aber noch – so viel ist sicher.

Wovon handelt der heutige Beitrag?
Der aufmerksame Twitterer oder Follower meines Blogs wird wissen, dass Angst und ähnliche Emotionen eine meiner absoluten Vorlieben sind. Ich habe mich also hingesetzt und reflektiert und möchte euch nun einen kleinen Einblick in mein Innenleben geben: Was macht Angst und Nervosität mit mir? Wieso lösen diese Emotionen in mir Verlangen und Lust aus? Wo ist der Reiz?

Viel Spaß -wie immer- beim Lesen!


Das Ding mit den Botenstoffen

Ich habe gestern erst einen Film gesehen, in dem der Protagonist einem anderen riet, mit seinem Flirt einen Horrorfilm zu schauen. Die dabei ausgelöste Angst würde für einen Ausstoß von Dopamin sorgen, sodass die Chancen, dass aus dem Flirt mehr wird, hinterher gar nicht schlecht stehen. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der -wie auch Serotonin- als Glückshormon gilt und positive Gefühlserlebnisse vermittelt.

Inwieweit das nun für jede einzelne Person zutrifft, mag ich nicht sagen. Ich habe jedenfalls schon in jüngeren Jahren gern Horrorfilme geschaut, weil ich mochte, dass diese etwas in mir auslösen. Ich mag es, wenn es ein Film schafft, mir durch Handlung und Setting Angst zu machen. Ich schätze, das war auch der Grund, warum ich als kleiner Stift schon gern Stephen King Bücher las. Die Visualisierung, die mein Kopf durch das Geschriebene schaffte, bewegte etwas in mir.

Versteht mich nicht falsch: Man kann schnell diverse Emotionen in mir auslösen. Ich bin die erste, die bei einer bewegenden Szene mit Tränen in den Augen vor dem Fernsehr sitzt.
Hat jemand von euch schon einmal „Queer Eye“ gesehen? Ich weine bei jeder.verdammten.Folge, weil mich entweder das Schicksal so mitnimmt oder aber ich mich mit den Personen zum Ende hin so mitfreue, dass ich deren Glück förmlich spüren kann.
Ich kann solche Emotionen intensiv wahrnehmen und man kann diese wirklich schnell in mir auslösen.

Unsicherheit, Angst und Nervosität fallen aber nicht darunter.
Im Gegenteil. Denn irgendwie sind das genau die Emotionen, die ich mir abtrainiere.
Sogar im D/s-Bereich. Gerade da. Oh, besonders im D/s-Bereich. Ich gebe euch ein Beispiel:

Meine eigenen Ziele in einer D/s-Beziehung

Ja, in einer D/s-Beziehung ist es gängig, dass man auf irgendeine Weise von Dom geformt wird. Im Idealfall zu einem besseren Menschen. Nicht nur einem besseren Menschen für den Dom, sondern auch zu einem besseren Menschen für sich selbst, weil man an Situationen wächst und lernt.
Das ganze Konstrukt ist mir persönlich nicht genug. Ich will „von mir aus“ eigene Ziele haben, die ich währenddessen selbst erfüllen kann. Und ein Ziel begleitet mich mein ganzes Leben lang. Es gibt ein Ziel, bei dem ich nie auslernen werde: Souveränität bewahren.

Souveränität.

Ich trainiere souverän bleiben in allen Lebenslagen und meine D/s-Beziehung stellt mich dabei vor kleine Aufgaben: Eine Fesselung tragen, wenn ich unter Menschen bin? Gelassen bleiben, statt „Oh Gott, jemand könnte es sehen? Ich habe das Gefühl, jeder starrt mich an!“
Sexuell vulgäre Sätze wiederholen? Tief durchatmen und sie in einer solchen Ruhe wiederholen, dass es dem Gegenüber unangenehmer wird, als dir selbst. Ein kühles Lächeln, statt einem stammelndem, errötetem Zittern.
Ja, das ist meine Challenge und vielleicht können viele das nicht nachvollziehen. Ich denke, es ist die Brat in mir, die immer Gelassenheit zeigen möchte, wenn mein Gegenüber mich in eine sonst unangenehme Situation bringen möchte.

Ich möchte jedenfalls behaupten, dass ich gut darin bin. Ich bin irgendwie gut darin, in Situationen die Oberhand zu behalten. Das sind nicht unbedingt nur D/s-Situationen. Das können auch unangenehme Kommentare sein, denen man sich irgendwann mal aussetzt. Ich bin schlagfertig und kann Kontern. Ich möchte auch in solchen Situationen die Kontrolle über die Situation behalten.

Kontrolle.

Auch hier: Besteht eine Problematik, ein Konflikt oder irgendeine Situation, die ein Nachdenken erfordert, so kann ich zwar nicht immer den genauen Ablauf vorhersagen, aber kann von mir behaupten, dass ich in meinem Kopf zumindest alle möglichen Szenarien durchgespielt habe. Vielleicht tritt dann nicht Variante A ein, aber ich bin zumindest auf Variante B – Z eingestellt. Ich irre mich dabei nur selten und es gibt mir ein Gefühl von Sicherheit, wenn ich auch für den unwahrscheinlichsten Worst-Case-Fall eine Lösung habe, weil ich diesen irgenwie eingeplant habe.
Das schenkt mir wieder Gelassenheit. Ich lasse eine Situation nicht auf mich einstürzen und kann diese so direkt angehen. Ich fühle mich sicher.

Die Kontrolle enziehen….

So, nach einem kleinen Ausflug in meine Persönlichkeitsstruktur, können wir uns nun wieder dem Ursprungsthema widmen:
Angst, Unsicherheit und ähnliche Emotionen versuche ich also zu vermeiden, oder besser noch:
sie mir abzutrainieren. Ich setze mich gern Situationen aus, die Unsicherheiten schüren, um daraus sicherer hervorzugehen. So funktioniere ich.

Schafft es nun jemand, diese Emotionen in mir auszulösen, bedeutet das für mich auch, dass ich eine Situation in meiner Ausarbeitung von Plan A-Z nicht bedacht habe. Diese Person schenkt mir also eine neue Situation oder eine neue Erfahrung, die nicht in meinem Möglichkeitssprektrum lag.
Diese Person kreiert ein Mindset oder ein Setting, auf das ich nicht vorbereitet war oder bin.
Diese Person schenkt mir ein Erlebnis mit Emotionen, denen ich mich neu stellen kann.
Etwas Unbekanntes. Etwas Ungewisses. Etwas für mich absolut reizvolles.
Und im Idealfall schafft das die Person, der ich am meisten vertraue. Und das ist eine Kunst, die mich so unfassbar anturnt, dass das für mich der größte Reiz ist.

Versteht auch das nicht falsch: Ich sehe oft auf Twitter diese „süßen“ BDSM-Bildchen, in denen ein Dom mit einem Messer über den Körper einer Frau fährt und man nur ihr panisches Gezitter sieht.
Mich kosten diese Bilder oft nur ein Augenrollen, weil mein objektives Empfinden dort zu mir spricht: Du brauchst doch keine Angst haben. Er ist dein Dom. Er wird dich nicht umbringen.
Ich verstehe den Nervenkitzel dahinter für andere, aber allein dieses Wissen würde mir sämtlichen Nervenkitzel rauben. Ich würde selbstgefällig grinsen, meine Hauptschlagader mit dem Finger nachfahren und „Wir wissen doch beide, dass du das nicht tust“ antworten. Denn sind wir ehrlich: Genau das passiert, denn die wenigsten Doms hegen die Absicht, dass daraus eine richtige Tötung wird.

Aber Objektivität raubt mir eben auch Emotionen wie Angst. Unsicherheit lässt sich vielleicht noch einfacher kreieren, aber Angst steht in einem dermaßen starken Kontrast zu den realen Gegebenheiten, dass diese bei mir einfach schwer aufkommt. (Ich halte fest: Ich rede stetig vom BDSM – nur zur Sicherheit)

Schafft es nun eine Person, mir diese Objektivität zu nehmen… mir zu vermitteln, dass diese Sicherheit, die zwischen uns existiert eigentlich nur eine Illusion ist und man mir diese binnen Sekunden rauben kann… dass sich mein Verstand geirrt hat. Dass jemand mit meinem Verstand spielen kann und gerade die Person, der ich am meisten vertraue mir jegliches Gefühl davon rauben kann – ja, das ist für mich ein massiver Turn-On.
Eine Person, die so vorausschauend agieren kann, dass sie mich in eine Situation bringt, mit der ich nicht gerechnet habe. Die mich sogar von meinem hohen Ross herunterholt, dass ich doch nicht immer die Person im Raum bin, die die Situation in der Hand hat.
Die sich wirklich die Mühe macht, ein Setting zu kreieren, dem ich Glauben schenke, dass es mir wirklich Angst macht. Eine Situation schaffen, die so real und überzeugend auf mich wirkt, dass ich gar nicht anders kann, als all mein Gefühl für Sicherheit zu verlieren und Angst zu bekommen.
Mir die Kontrolle entziehen. Mir die Sicherheit rauben, die man mir sonst in jeder Sekunde vermittelt – und das Ganze natürlich, ohne mich in echte Lebensgefahr zu bringen. Und das ist der springende Punkt dabei: Man vermittelt mir in dieser Sekunde eine Illusion, obwohl alles wie gewohnt ist.
Und wer es schafft, meinen Verstand so auszutricksen – und das Geschieht eben durch Auslösen von Angst und Unsicherheiten – der hat in diesem Moment eine solche Macht über mich. Und dieses Wissen macht mich unfassbar an. Das ist eine Art von Machtdynamik, die ich zwar gestatte, aber eben nicht schenke, wie meine Submission, sondern die man sich nach meinem Konsens(!) auf psychischer Ebene einfach nimmt.
Und ja, dieses Wissen ist eine meiner größten Vorlieben.
Wer diese Emotionen in mir auslöst, genießt eine Macht über mich, die ich mir in solchen Situationen bewusst werde.

Ein Schlusswort

Ich wiederhole: Das ist nur meine Sicht der Dinge. Ich spreche hier nur für mich. Ich mag das noch einmal wiederholen, weil mein größtes Turn-On für viele der reinste Albtraum wäre. Und das ist in Ordnung, denn nicht jedes BDSM ist gleich und gerade das, was die Psyche stark strapaziert, gibt mir zum Beispiel den stärksten Reiz. Ich habe lang überlegt, ob ich den Beitrag schreiben soll, weil ich mir dachte: „Man, man könnte auch denken, dich turnt somit auch das manipulierende Gaslighting eines Narzissten an?!“ und das wäre ein vor-den-Kopf-stoßen für alle Personen, die das erleben mussten. Deswegen hier der Unterschied: Konsens!!! Das ist nämlich dort nicht gegeben und das unterscheidet z.B. Fearplays auch von psychischem Missbrauch. Ich weiß, worauf ich mich einlasse, nein anders: Ich möchte das sogar, weil es in mir eben sexuelles Verlangen auslöst. Und: Das ist ein Szenario und nicht die Wirklichkeit. Ich kann für eine kurze Dauer den Reiz des Unbekannten genießen und dann wieder in meine harmonische und vertraute Beziehung wechseln. Opfer psychischen Missbrauchs bleibt das verwehrt.
(Vielleicht bin ich aber auch die Einzige, der es wichtig ist, hier nochmal einen Unterschied deutlich zu machen. Ich würde mich aber nicht gut fühlen, wenn ich dies nicht noch einmal als Nachwort anfügen würde. Ich hoffe, man sieht mir das nach.)

Needie fragt, ich antworte: ein kleines Interview

Hallo meine lieben Leser! Die Needfull hat ein kleines Interview mit diversen Personen und Bloggern geplant und mich eingeladen, dabei mitzumachen.
Ihren Post findet ihr hier: https://neediesblog.wordpress.com/2020/01/18/projekt-interview/

Das ganze Interview wird kurz und knackig. Der Blogpost wird also nicht allzu lang. Momentan stecke ich noch in meinem KreaTief. Seht es mir nach.


Die Fragen

1. Dein Twittername (falls vorhanden). Bitte nur angeben, wenn ihr ihn veröffentlicht haben wollt

@crowswithhalos – der ist aber geschlossen. Ich nehme nur Personen an, denen mindestens zwei Personen meiner BDSM-Bubble folgen.

2. Deine Neigung (Dominant, Submissiv, Switcher, devot, masochistisch, sadistisch. Gerne auch weitere Punkte)

Ich bin masochistisch und submissv für genau eine Person. Submission ist ein Privileg meiner D/s-Beziehung – alle anderen Personen erleben mich als Brat. Ich habe zwar auch seit einer Weile einen wundervollen Haussklaven, aber der profitiert eher von meiner provokanten Brat-Ader.

3. Aktueller Beziehungsstatus (Single, Spielbeziehung, D/S, Poly, verheiratet..)

Ich lebe poly, bin seit fast 5 Jahren in einer Beziehung, die auch meine D/s-Beziehung umfasst. Aktuell habe ich -neben dem Toyboy- aber keine weiteren Beziehungs- oder Playpartner.

4. Wann wurde dir klar, dass du diese Neigung hast? Oder bist du dir nicht sicher, dass du sie hast?

Ich wusste schon vor dem Ausleben meiner Kinks, dass ich bestimmte Dinge in meiner Fantasie ansprechend finde. Damals wusste ich aber nicht, dass das Ganze einen Namen hat. Das Internet hat mir da sehr weitergeholfen. Das muss im frühen Jugendalter gewesen sein. Mit meinem ersten Playpartner, der quasi eine Mentor-Rolle übernahm, konnte ich mich dann das erste Mal richtig ausleben.

5. Hast du schon Erfahrung gemacht? Oder bist du unsicher /hast Angst?

Ja, ich habe schon einige Erfahrungen gemacht. Ich wollte sehr schnell sehr viel – und ich bekam auch sehr schnell sehr viel. Trotz meines jungen Alters habe ich einiges erlebt. Und doch gibt es noch so viel zu entdecken. Und ja, ich bin voller Unsicherheiten, trotz meiner Erfahrung. Manchmal glaube ich, das ist eine Sub-Krankheit. Vielleicht blogge ich über diese noch einmal, wenn das gewollt ist.

Angst habe ich eher selten, aber ab und an bin ich nervös. Beides mag ich aber sehr gern und ist für mich ein erstrebenswerter Zustand. Der macht mich nämlich an.

6. Hast du Vanilla Beziehungen gehabt?

Ja, allerdings hatte ich da eher wenig Sex. Das mag daran liegen, dass ich a) noch sehr jung war und mich eher mit der Sexualität beschäftigt habe, weil ich das Gefühl hatte, es muss so sein und es wird gesellschaftlich erwartet und b) ich greysexuell bin und mein Interesse an Sex somit nicht überragend hoch ist. Trotzdem waren die Beziehungen für meine damaligen Ansprüche sehr erfüllend.

7. Was ist dein ganz spezieller Kink? Der dich sofort feucht /hart werden lässt?

Breathplay, Fearplay, Rapeplay, Bloodplay, Ohrfeigen, verbale Erniedrigung,
Vorführung,… ach keine Ahnung, ich kann so vielem etwas abgewinnen. Alles mit
Blut, Angst, Schmerz und Adrenalin, wie ich immer so schön sage.
Ich könnte hier meine Fetlife-Liste einblenden. Die ist endlos. Meistens hilfe es, mich eher zu fragen, was ich nicht mag.

8. Würdest du dich auf Wunsch piercen/ tätowieren lassen? Würdest du es von Sub /Sklavin erwarten?

Nein, ich würde das nicht erwarten und ja, ich würde das wohl machen. Ich setze dabei aber auf guten Geschmack und so viel Menschenverstand, dass ich mir nicht den Namen meines dominanten Gegenübers auf die Vagina tätowieren lassen muss.

9. Hast du schon schlechte Erfahrungen gemacht?

Ja, habe ich, aber keine so schlechten Erfahrungen, dass ich diese als missbräuchlich oder ähnliches bezeichnen würde. Meine schlechten Erfahrungen sind der Ursprung einige meiner Unsicherheiten als Sub. Ich denke aber auch, ich konnte aus ihnen lernen. Ich weiß jetzt, was ich ganz sicher nicht mehr möchte und kann zu meinen Bedürfnissen stehen. Letztendlich ist es also vielleicht sogar ganz gut, dass man die Arschloch-Moves bei mir gemacht hat (verzeiht die plumpe Sprache, aber so kann man das durchaus bezeichnen), denn sowas wird mir nicht noch einmal passieren. Und zeitweise war es so (wie es heute ist, weiß ich nicht), dass man anschließend der Zeit mit mir wirklich hintergetrauert hat, ich aber den Cut ziehen konnte. Irgendwie hat mir das ein bisschen mentalen Ausgleich gegeben.

10. Gibt es Dinge, die sich geändert haben? Also was Tabu war, würdest du jetzt tun.

Nein, so etwas gibt es nicht. Ich finde das fast ein bisschen schade. Ich würde gern mal erleben, wie es ist, eine Grenze fallen zu lassen. Sich dort selbst geirrt zu haben. Allerdings muss ich mir auch keine „Grenzen“ setzen, nur damit ich sie verschieben kann.
Ich kenne mich und meine Fantasien sehr gut und da habe ich mich bisher eben noch nie geirrt.
Zumal ich im Metakonsens auch theoretisch keine Tabus habe.

11. Was wären Dinge, die du niemals tun würdest.

Ich sag niemals „nie“, aber ich möchte beispielsweise keine Spiele mit Kot ausüben.
Mir ist Konsens ultra wichtig und ich praktiziere keine Kinks mit wem oder was auch immer, dass mir keinen Konsens geben kann. Auch würde ich nicht auf Verhütungsmittel verzichten wollen.

12. Wie sehr unterscheidet sich dein Kopfkino von der Realität?

Es gibt Dinge, die ich im Kopfkino sehr anregend finde, die ich aber ungern in der Realtität ausleben würde, bzw von denen ich sicher weiß, dass sie mir in der Realität nicht gefallen würden.
Lustigerweise schenkt mir genau diese Art von Kopfkino die meiste Befriedigung.

Ansonsten: das meiste meines Kopfkinos setze ich nach und nach um. Das darf sich auch wiederholen – gerade im BDSM wird das nicht langweilig.

13. Wie wichtig sind dir Symbole?

Wichtig, wenn es um meine D/s-Beziehung geht. Ich gehöre jemandem und das möchte ich auch symbolisch zeigen.

#EinThemaDreiAnsichten – Tabus

Hallo meine lieben Leser! Heute melde ich mich mit einem Beitrag zurück, der eigentlich viel zu spät online kommt, da meine beiden Mitbloggerinnen ihren Post bereits hochgeladen haben. Die Needie und die werte CrimsonSilk (zu finden auf Twitter @needfull_1 und @Crimson_Silk), haben sich mit meiner Wenigkeit zusammengeschlossen. Wir alle werden einen Beitrag zu einem Thema verfassen. Ein Thema, drei Ansichten. Der Hashtag erklärt sich von selbst.
Das heutige Thema: Tabus!

Ich wusste ehrlicherweise eine Weile nicht, was ich dazu schreiben sollte, da ich erst vor Kurzem über das Thema gebloggt habe. Den Beitrag findet ihr hier:
https://madeformisbehaviour.wordpress.com/2019/09/23/meine-grenzen-und-ich/

Was also nun schreiben?
Nun, ich möchte eine kurze Selbstreflektion starten:
Wie schnell bin ich bereit, Praktiken auszuführen, die für mich eigentlich eher unattraktiv wirken? Was hat darauf Einfluss?

Viel Spaß beim Lesen!


Grenzen im Metakonsens

Ich wiederhole zu Beginn nur, was der aufmerksame Leser bereits weiß: In meiner jetzigen D/s-Beziehung spiele ich im Metakonsens. Es gibt keine Tabus und kein Safeword. So zumindest die Theorie. In der Praxis sieht das natürlich anders aus. Die Praktiken, die meine Dom nicht reizen, werden also auch unberührt bleiben, obwohl sie theoretisch eben umsetzbar wären. Diese Praktiken überschneiden sich im Großteil mit meinen sonstigen Tabus, was mir sozusagen zu Gute kommt.

Trotz dessen gibt es eben eine Reihe Vorlieben, die für mich keinen Mehrwert haben und mir wenig Spaß bereiten. Praktiken, die ich sozusagen nur ‚für meine Dom‘ aushalte, weil meine Sub-Seite verdammt viel aus dem ‚getting pleasure from giving pleasure‘-Prinzip gewinnen kann.
Und es gibt Praktiken, bei denen ich leicht schlucken muss, weil sie mich beim bloßen Erwähnen oder Ansehen bestimmter Gifs und Videos bereits nervös werden lassen.
Das sind eben Praktiken, die ich durchaus irgendwann auf Wunsch angehen würde, aber von mir aus selbst nicht das Bedürfnis danach hege.

Was die kann, kann ich auch?

Ich erwische mich nun beim Durchstöbern der Accounts meiner liebsten Sexworker oder Porn-Darsteller. Und ab und an finde ich Bildmaterial, bei dem ich sehe, dass besagter Person die oben genannten Praktiken quasi leicht von der Hand gehen. Als hätten sie nie etwas anderes gemacht.
Dinge, bei denen ich gedanklich bereits zögere, wirken bei jenen so leicht und… einfach.
Und irgendwie macht das etwas mit mir.
Ich fühle mich nicht eingeschüchtert oder verunsichert. Ich habe keine Selbstzweifel, ob ich jemals ‚da mithalten‘ kann. Im Gegenteil. Irgendwie fühle ich mich gechallenged.
Und das ist ein Gefühl, was ich noch versuche einzuordnen.

Das Phänomen ‚höher, schneller, weiter‘ ist mir im BDSM bekannt und ich weiß, dass es -oft zurecht- von vielen verurteilt wird, weil BDSM eben kein Leistungssport ist. Ich kann mich davon aber nur bedingt freisprechen, weil es in mir keine negativen Gefühle auslöst, sondern mich eher motiviert. Mich anspornt. Mir einen kleinen Schubs gibt, der mir vielleicht noch gefehlt hat.

Und ich denke, dass es hier ähnlich ist. Zu sehen, dass das Ganze nicht so verkrampft wirkt, wie ich es mir in meinem Kopf vorstelle, schenkt mir eine gewisse Gelassenheit diesen Praktiken gegenüber, aus denen ich nur positive Effekte zielen kann. Ich spreche hierbei aber eben auch nur von meinen Erfahrungen. Das mag auf jede Person anders wirken.

Ich habe auch bereits eine Praktik ausprobiert, vor der ich ohne Visualisierung eines Bildes sicher nicht die Umsetzung von mir aus(!) gewünscht hätte.
Ich habe meine Lippen mit Wachs versiegeln lassen. Und ich fand die Erfahrung für mich grandios. Es ist sogar eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte und mich sicherlich geärgert hätte, wenn ich diese hätte verstreichen lassen.

Und wenn xy aus dem Fenster springt….

Natürlich funktioniert das nicht mit jeder Praktik, die ich als Foto bei einer Person sehe, die ich vielleicht bewundere oder sehr gern habe. Manche Dinge werden auf mich nie einen Reiz ausüben. Es ist viel eher so, dass das Kinks sind, die ich früher oder später sicher auch ausprobiert hätte. Sie haben nur den Zeitpunkt ein Stückchen nach vorn verlagert. Und ich denke, so lange das eben genau so bleibt und ich nicht aus jedem Bildchen einen Wettkampf mache, ist das auch in Ordnung so.